zur Navigation springen

Perleberger Spargel : Edelgemüse vom alten Hof

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landwirt Reiner Guhl übernahm Spargelanbau auf zwei Hektar und setzt damit über 100-jährige Perleberger Tradition fort

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Bis vor zwei Jahren wusste Reiner Guhl den Spargel maximal als Edelgemüse zu schätzen. Gut, die zwei Hektar, die André Freier, damals Geschäftsführer der Floradienst GmbH Perleberg, auf der Gemarkung Düpow anbaute, „haben wir auch mal mitberegnet oder den Boden bearbeitet“, fügt der Düpower Landwirt an. Das war es dann aber auch schon. Als Freier aufhörte, gab es zwei Möglichkeiten. Alles umgrubbern oder übernehmen und den Perleberger Spargel so erhalten. Reiner Guhl entschied sich für Letzteres, „nicht allein“, wie er betont. „Nur mit Familie und den zwei Mitarbeitern auf dem Hof wird ein Schuh draus.“ Und so spricht er auch stets vom „Wir“.

Gesagt, getan, der Landwirt übernahm den Spargel, der gerade neu angepflanzt worden war. Und mit diesem auch die Spargelstecher, alle samt aus Perleberg. Auch ein Grund, sich für den Fortbestand des Perleberger Edelgemüses zu entscheiden, so Reiner Guhl. „Sie hatten zudem alle mehr Erfahrung als wir mit dem Spargel“, gesteht er offen ein.

Fünf zusätzliche Helfer hat der Düpower in der Spargelsaison auf seinem Hof. Und während sich das vergangene Jahr, wo das Edelgemüse erst vier Wochen geerntet werden konnte, sich „schon nett zeigte“, wie Reiner Guhl in seiner bekannt liebenswert lockeren Art erzählt, deutet sich für die diesjährige Ernte ein guter Ertrag an.

Am 8. Mai wurden die ersten Stangen gestochen, und mit den zweistelligen Graden des nachts und dem feucht-warmen bzw. sonnigen Wetter am Tag kann man den Spargel förmlich sprießen sehen. Denn angebaut und geerntet wird in der altbewährten Freierschen Tradition, wie Reiner Guhl sagt, sprich „die Natur gibt den Rhythmus vor. Nichts wächst unter Folie. Ich bin Landwirt und kein Spargelbauer“, betont er. Insofern sei er froh, wenn sich die Stangen bis Mai Zeit lassen. „Im April muss ich zusehen, die Kartoffeln in den Boden zu bringen.“

Mit den großen Spargelbauern kann er es mit seinen zwei Hektar nicht aufnehmen, will er auch nicht. „Dafür ist der Perleberger Spargel aber was Besonderes“, sagt er schmunzelnd. Denn nicht nur die Folie bleibt dem Edelgemüse erspart, auch alles was Chemie heißt. „Dafür gibt es Rindermist aus Uenze.“ In den 20er Jahren stand auf 700 Morgen Perleberger Sandboden Spargel. „Die sind damals auch ohne Chemie ausgekommen“, so der Düpower.

Morgens von 5 bis 11 Uhr wird der Perleberger Spargel in Düpow gestochen. Dann geht es geradewegs zum alten Hof im Dorf. Örtliche Gastronomen, den kleinen Blumenladen im Berliner Weg beliefert Reiner Guhl mit seinem Team. Alles andere wird direkt auf dem Hof verkauft. „Gerade zum Wochenende hin ist hier richtiges Markttreiben, einfach irre. Alles live und vor den Augen des Käufers. Der Spargel kommt frisch aus dem Boden, zappelt noch, wird hier sortiert und gewaschen. Da kommt man schon ins Erzählen, bis nach einer Stunde die Frau anruft und nachfragt wo der Spargel bleibt“, plaudert Reiner Guhl einwenig aus dem Nähkästchen und deutet dabei auf die Kisten. Dicker weißer Spargel, Spargel mit leicht lilafarbenen Köpfen, „das ist unser Fliederspargel“, fügt er an. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Gratis gibt es dazu Wissenswertes in Sachen Edelgemüse. So wird das Guhlsche nicht schockgekühlt, sondern überlebt bei 4 Grad Celsius im Kühlschrank. Und überlebt kann man hier wörtlich nehmen. Überzeugen kann man sich davon Montag bis Sonnabend von 9 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr, am Sonn- und Feiertag von 9 bis 12 Uhr. „Wir sind sowieso auf dem Hof“, lautet die kurze Antwort eines Landwirts auf die außergewöhnlichen Öffnungszeiten.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen