Furnierwerk : Durch den Kongo bis in die Prignitz

Innerhalb der Furnier-Maschine: Produktionsleiter Oliver Schnitger zeigt die feine Klinge mit der das Holz in wenige Millimeter dicke Lagen geschnitten wird, hinter ihm Günther Beyer. Fotos: felix alex
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Innerhalb der Furnier-Maschine: Produktionsleiter Oliver Schnitger zeigt die feine Klinge mit der das Holz in wenige Millimeter dicke Lagen geschnitten wird, hinter ihm Günther Beyer. Fotos: felix alex

Günther Beyer leitete zehn Jahre lang ein Werk in Afrika und baute anschließend in Falkenhagen das größte Furnierwerk Deutschlands auf / Teil II unserer Serie

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11. November 2014, 13:21 Uhr

Günther Beyer – Diplom-Holzwirt und Geschäftsführender Gesellschafter des Furnierwerks Prignitz heißt es sachlich auf der Visitenkarte, doch steht hinter dieser nüchternen Bezeichnung ein weit geschwungener Lebensweg, der den Überreicher von seinem Heimatort bei Hamburg über den Kongo bis in die Prignitz führte. Triebfeder dieses Weges war jeweils der Rohstoff Holz.

„Ich wollte als junger Mann in Übersee arbeiten und habe mir deshalb nach dem Studium 1976 eine Firma gesucht, die dort tätig war“, blickt Günther Beyer zurück. Was er dann fand, war die weltweit größte Firma auf dem Gebiet der Furnierproduktion, die damals noch in Süddeutschland angesiedelt war. Und eben jene war verstärkt im ehemaligen Zaire (1971 bis 1997 der Name der Demokratischen Republik Kongo d. Red.) tätig. Seinem Berufswunsch folgend, konnte Beyer anschließend zehn Jahre das Verarbeitungswerk mit 1200 afrikanischen und 20 europäischen Beschäftigten leiten.

Und auch wenn sich die Arbeit selbst kaum von der in Deutschland unterschied, war das Drumherum in dem zentralafrikanischem Staat doch mit dem hiesigen kaum zu vergleichen. „Wir hatten zum Beispiel ein Firmenflugzeug und sind zur Kontrolle stundenlang über Urwaldgebiet geflogen“, erzählt Beyer. Auch die Transportwege wichen etwas von den aus Deutschland bekannten ab. So wurden die Stämme auf zur direkt am Fluss Kongo liegenden Fabrik gefließt, also zusammengebunden und auf dem Wasserwege transportiert. „Wir hatten die Konzession für ein paar 100 000 Hektar Urwald und haben etwa einen halben Baum pro Hektar entnommen“, erklärt Beyer die Auswahlmethode.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Lieferung des Nachschubs, als der Diplom-Holzwirt in gleicher Stellung nach Deutschland zurückkehrte und die Leitung eines Furnierwerks in Hamburg übernahm. Dass er über Jahrzehnte seinem Metier treu blieb, erklärt Günther Beyer mit der Einzigartigkeit eines Furniers. „Wenn man Holz liebt, ist die Furnierindustrie die höchste Stufe. Bei der Papierherstellung hingen ist die Basis zwar auch Holz, jedoch Industrieholz und das ist nicht interessant. „Bei der Furnierherstellung bekommt man das meiste mit – die Vielfalt der Natur oder die Fehler im Holz“, schwärmt der Werksleiter.


Aus Bäumen werden 0,5-Millimeter-Scheiben


Kein Wunder also, dass für eine Selbstständigkeit auch nur ein Industriebereich infrage kam. „Wir haben dann hier auf der grünen Wiese 1999 unsere Firma gegründet. Die Prignitz hat natürlich einen großen Standortvorteil.“ Was Beyer meint, ist nicht nur die gute Autobahnanbindung, sondern auch die Hafennähe nach Hamburg oder Rostock. Denn nicht nur heimische Hölzer werden in der Falkenhagener Fabrik so dünn geschnitten, dass sie später unter anderem in der Möbel- oder Türindustrie weiterverarbeitet werden.

„Unsere Kunden kaufen das Holz auf der ganzen Welt. Wir stellen hier unser Know-How und unsere Maschinen zur Verfügung und sind nur Dienstleister “, erläutert Beyer. So rollen fast täglich Lastwagen beladen mit Nussbaum, Ahorn oder Kirschbäumen aus Amerika oder auch Mahagoni, Limba oder Wenge aus Afrika auf das Falkenhagener Firmengelände.

Die bis zu elf Meter langen Stämme werden anschließend von der Rinde befreit, in zwei bis vier Teile gesägt und in heißem Wasser gekocht. „Jede Holzart hat unterschiedliche Strukturen und muss deshalb auch unterschiedlich lang und bei Temperaturen bis zu 95 Grad gekocht werden“, verdeutlicht Beyer. Erst dann ist das Holz so weich, dass die Stämme an den insgesamt vier Maschinen in die 0,5 oder 0,6 Millimeter dünnen Furniere geschnitten werden können.

Etwas über zehn Lkw-Ladungen pro Woche und insgesamt etwa 12 000 Festmeter Stämme im Jahr werden so in 10 bis 30 Zentimeter breite Furniere verwandelt. Und die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Deckenpanelen, individueller Objekt- oder Yachtbau, oder auch die Regierungsgebäude in Berlin sind mit Echtholzfurnier ausgestattet, ebenso der Tisch aus den ZDF-Tagesthemen, der mit Walnussfurnier verarbeitet wurde, wie Beyer verrät.

Die Märkte sind ebenso zahlreich wie der Verwendungszweck. „Osteuropa oder früher auch China waren und sind große Abnehmer. Leider sind viele Furniermärkte aufgrund konjunktureller oder kriegerischer Gründe zusammengebrochen“, verdeutlicht der Diplom-Holzwirt, der Spanien, Griechenland, Syrien oder auch Ägypten als Beispiele anführt.

Seit 2009 wird nur noch mit einer Schicht gearbeitet. Waren es vorher noch zwei oder mehr, steht das Werk mittlerweile nur noch bei etwas mehr als 50 Prozent Vollauslastung. Doch kein Grund für Günther Beyer nicht positiv in die Zukunft zu schauen. „Die Furnierherstellung hat immer hohe Personalkosten, da es immer für viele Hände Arbeit gibt. Deshalb wird die Produktion oft ins Ausland ausgelagert“, so der Geschäftsführer. Mit den momentan 80 Mitarbeitern ist die Falkenhagener Firma trotz aller Widrigkeiten mittlerweile das größte Furnierwerk Deutschlands.

„Ich bin immer noch zufrieden mit dem Standort. Wir hatten von Anfang an ein gutes Arbeitsklima und haben in den Jahren auch mindestens 20 Lehrlinge ausgebildet“, so Beyer, der weiterhin auf eine Erholung der Märkte hofft und gleichzeitig neue Vertriebswege sucht.

„Ich versuche seit einigen Jahren auch die Parkettindustrie auf die Furniere aufmerksam zu machen“, erzählt Beyer, während er mit den Fingern über einige Eichenstämme streicht, die in der großen Firmenhalle trocknen und mit Gurten umspannt sind. „Dadurch kommen Risse. Eiche rustikal, dieses astige – das will man heute haben. Früher wäre das Brennholz gewesen und wäre für Furniere undenkbar, aber auch hier gehen wir mit der Mode“, erzählt der Firmengründer mit einem Lächeln.

Doch gerade diese Entwicklungen und Wandlungsmöglichkeiten des Materials Holz sind es, die Günther Beyer seinen beruflichen Weg einschlagen ließ und ihn und seine Prignitzer Firma bis an Deutschlands Spitze führten.

In unserer Serie stellen wir Unternehmen aus dem Gewerbepark Falkenhagen und der näheren Umgebung vor, zeigen, was sich seit deren Gründung vor teils mehr als 20 Jahren getan hat. Auch jüngere Ansiedlungen werden wir porträtieren und zeigen, welche Produkte den Weltmarkt erobern – frei nach dem Motto „Made in Prignitz“.

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