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Containerumschlag : Droht dem Hafen Konkurrenz?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Karstädt plant Ausbau des Containerumschlags / Bürgermeister einigen sich auf externes Gutachten

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Dem Wittenberger Elbeport droht eine hausgemachte Konkurrenz: Die Gemeinde Karstädt plant einen Containerumschlag- und Lagerplatz im Gewerbegebiet Mühlenstraße. Besonders brisant: Als Mitglied im Regionalen Wachstumskern (RWK) hatte Karstädt seine Partner Wittenberge und Perleberg nicht über die Pläne informiert. Jetzt ringen die Kommunen um einen Kompromiss, aber Karstädts Bürgermeister sagt: „Wir bauen in jedem Fall.“

Es sei ja keine neue Anlage, so Staeck gegenüber unserer Redaktion. Das vorhandene Schienennetz im Eigentum der 50 Hertz Transmission GmbH werde genutzt für den Umschlag. Jetzt gehe es um eine Befestigung der Fläche. Geplant ist noch mehr: Bau einer Ladestraße und Ladekante, Einfriedung mit Schiebetoren und Beleuchtung der Fläche. Bahn und Straße könnten dann professional für den Umschlag genutzt werden. Einer der größten Kunden sei die Kartoffelstärkefabrik Avebe in Dallmin.


Eigene Unternehmen stärken


„Der Vertrag mit Avebe gilt für mehrere Jahre“, sagt Staeck. Der Umschlag erfolge unabhängig von der Gemeinde, private Firmen agieren. Sie hätten sich an die Gemeinde gewandt und gebeten, die Infrastruktur weiter zu verbessern. „Wir sind verpflichtet, für unsere ortsansässigen Unternehmen gute Rahmenbedingungen zu schaffen“, begründet Udo Staeck.

Ein Bauantrag läuft, über die Wirtschaftsfördergesellschaft sei ein Fördermittelantrag an die Landesinvestitionsbank (ILB) gestellt worden. Dann seien die Kommunen im RWK informiert worden.


Kritik an fehlender Information


„Wir waren vorab nicht informiert, haben dann erst auf Nachfrage davon erfahren“, bestätigt Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Zumindest der Gleisanschluss wäre eine Verdopplung dieses Angebots in der Region. „Die möglichen Risiken für den Hafen können wir nicht abschließend beurteilen“, sagt er. Ebenfalls lasse sich nicht beurteilen, wie sinnvoll mehrere Standorte so nah beieinander sind oder ob es eventuell auch Synergien geben könnte.

Deshalb habe man sich im RWK gemeinsam darauf verständigt, einen externen Gutachter zu beauftragen das ergebnisoffen zu untersuchen. Diese Entscheidung begrüßt Hendrik Fischer, Staatssekretär im Potsdamer Wirtschaftsministerium. Dieses Gutachten werde für die ILB maßgeblich bei der Entscheidung über den Fördermittelantrag sein. Grundsätzlich werde nicht gefördert, wenn dadurch eine „Kanabilisierung“ drohe. Der Umschlag in Karstädt liege in der Tat sehr nah am Hafen, der eine Millionenförderung erhielt.

Udo Staeck sehe in dem Prozess keine Dramatik. „Wenn wir eine Konkurrenz zum Hafen darstellen, bekommen wir keine Fördermittel. Dann werden wir mit den beteiligten Firmen einen Kompromiss suchen.“ Vielleicht würde eine kleinere Fläche gepflastert werden, aber Staeck macht deutlich: Auch ohne Förderung wird Karstädt investieren.

Wittenberge habe die Trimodalität, Bahn, Straße, Elbe. In allen Gesprächsrunden im RWK sei stets betont worden, dass es dem Hafen gut gehe. Warum sollte ein Umschlag in Karstädt ihn jetzt gefährden, erst recht, da ja bereits umgeschlagen werde, unter anderen Granitsteine für den Bau der A 14. „Und wenn der Umschlag in Karstädt preisgünstiger als in Wittenberge ist, können wir nichts dafür“, sagt Staeck.


Kommunikation verbessern


Bedenken und Sorgen hätte man intern im RWK ansprechen und klären können. „Wir können uns auch mal die Haare raufen.“ Aber stattdessen habe sich Dr. Hermann gleich an das Wirtschaftsministerium gewandt. „In meinen Augen ist das unredliches Verhalten, das werfe ich ihm vor“, sagt Udo Staeck.

Über wirtschaftliche oder politische Meinungsverschiedenheiten müsse man intern sprechen, sagt RWK-Sprecher Lutz Lange. „Persönliche Vorwürfe sind weder angebracht noch hilfreich“, erklärt Lange. Die Studie sei eine Chance, das beste für den RWK zu erreichen. „Wir werden ihr Ergebnis abwarten“, so Lange. Der Prozess zeige, wie wichtig Kommunikation ist.

„Wir haben gelernt, dass wir uns noch intensiver abstimmen müssen“, so Lange. Das betreffe auch den Landkreis und die Wirtschaftsinitiative Westprignitz.

 

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