Strenge Auflagen für Piloten : Drohnen sind in der Prignitz rar

Für Drohnenpiloten gibt es seit kurzem neue Regeln.
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Für Drohnenpiloten gibt es seit kurzem neue Regeln.

Der „Prignitzer“ hat sich umgesehen, wo die Fluggeräte unterwegs sind.

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10. Januar 2018, 21:00 Uhr

Sie schwirren durch Parks oder über Wiesen und andere Grundstücke. Sie fliegen autonom ohne Pilot an Bord. Die Rede ist von Drohnen – unbemannten Flugobjekten die durch eine Fernsteuerung gelenkt werden.

Doch mit dem Wildflug ist es seit Oktober vorbei. Strenge Auflagen regeln, was Piloten dürfen und was nicht. So müssen alle Flugmodelle über 250 Gramm künftig mit einer wasser- und feuerfesten Plakette, auf der Name und Adresse aufgeführt sind, gekennzeichnet sein. Im Ernstfall kann so der Halter einfach festgestellt werden, erklärt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Liebhaber schwererer Flugobjekte, ab einem Gewicht von zwei Kilogramm, müssen zudem ein Kenntnisnachweis vorlegen können. Dieser erfolgt durch eine Pilotenlizenz oder eine Eignungsprüfung. „Drohnen über zwei Kilogramm, werden hauptsächlich gewerblich genutzt. Die Copter von Hobbyfliegern wiegen meistens nur bis zu 1,7 Kilogramm“, erklärt Stephan Fick. Er ist mit seiner Firma „Datenverarbeitungs-, Informationssystem-, Vermessungs-Gesellschaft mbH“ (DIV) aus Hohen Neuendorf die nächste Anlaufstelle für Interessierte aus der Prignitz, die diese Prüfung absolvieren wollen.

Anerkannt wird sie vom Luftfahrt-Bundesamt, abgenommen durch einzelne Modellflugvereine und spezialisierte Ingenieurbüros. In ganz Deutschland sind es derzeit 21 Anlaufstellen. Nach eigenen Angaben, darf die Firma von Stephan Fick, als einzige in Brandenburg diese Prüfung abnehmen. „Es gibt 60 Fragen aus den drei Teilbereichen, die erfahrene Piloten eigentlich alle beantworten können. Jeweils 75 Prozent müssen richtig beantwortet werden“, so der Experte. Ein Praxistest ist nicht vorgeschrieben.

Die Prüfung kostet 199 Euro. Interessierte können sich mit Fachliteratur oder online auf die Themenfelder Meteorologie, Navigation und Luftverkehrsrecht auf die etwa einstündige Prüfung vorbereiten, erklärt Fick.

Sofern eine Drohne mehr als fünf Kilo wiegt, muss eine Aufstiegsgenehmigung durch das Luftfahrt-Bundesamt vorhanden sein. Ein Drohnen-Pilot, der in der Prignitz, so eine Genehmigung besitzt, ist Detlef Benecke aus Wittenberge. Er ist seit rund fünf Jahren leidenschaftlicher Drohnenpilot und nutzt seinen Copter hauptsächlich gewerblich.

Er findet gut, dass es nun strengere Regeln gibt. „Viele Besitzer sind bislang einfach so drauflos geflogen, ohne nachzudenken“, so der Unternehmer. Das funktioniere aber nicht. Jeder der eine Drohne fliegt, müsse sich im Klaren sein, dass er, wenn es schlecht läuft, auch Leute verletzen kann.

Um keine Flugzeuge oder Hubschrauber zu beeinträchtigen, darf eine Flughöhe von 100 Metern nicht überschritten werden. Außer die Drohnen werden auf Modellflughäfen gestartet. Dem Modellflugverein aus Groß Pankow sind Drohnen bislang jedoch nicht begegnet, erklärt der zweite Vorsitzende, André Käding, auf Nachfrage.

„Drohnen sind eher für Kameraverliebte, nicht aber für Modellflugpiloten.“ Die Verordnung regelt außerdem, dass über öffentlichen Gebäuden nicht geflogen werden darf, dazu gehören zum Beispiel Bundes- und Landesbehörden. Auch auf Autobahnen oder über Zugstrecken ist das Fliegen untersagt.

Über Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften gilt weiterhin ebenfalls absolutes Flugverbot. „Dieses Verbot gab es schon vor der neuen Verordnung“, erklärt Stephan Fick. Eine Ausnahme ist wenn Organisationen wie Feuerwehr, THW oder DRK eine Drohne benötigen, um ihre Einsätze zu bewältigen, so das Bundesministerium.

Ein Betriebsverbot über Wohngrundstücken ist laut Stephan Fick nicht neu: „Das Filmen des Nachbarn, der nackt im Garten liegt, war vorher schon verboten“, erklärt er. Das sei nämlich ein Eingriff in die Privatsphäre, fügt Fick hinzu.

Verstöße gegen die neue Ordnung zu ahnden ist schwierig, erklärt die Polizeidirektion Nord. Gleiches gilt für das Polizeipräsidium Potsdam, erfuhr „Der Prignitzer“ auf Nachfrage. Ein Sprecher erklärte, dass die Drohnen häufig vom Tatort verschwunden seien, bevor Beamte da wären. Stephan Fick ist darüber nicht verwundert. Solange die schwarzen Schafe nicht erwischt werden, machen sie weiter. „Ähnlich wie beim Parken im Halteverbot.“

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