Dröhnen der Bässe brachte Anwohner um den Schlaf

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29. Juni 2012, 09:35 Uhr

Perleberg | "Suburb" - Open-Air-Event am Wochenende auf dem Flugplatz. Die Resonanz darauf ist gelinde gesagt sehr unterschiedlich. Während die Organisatoren und Teilnehmer von einer super Party sprechen, zeigen sich Perleberger eher genervt.

"Zwei Nächte fast keinen Schlaf. Selbst bei geschlossenen Fenstern hörte man noch das Dröhnen der Bässe vom Flugplatz her, es drang förmlich durchs Mauerwerk", berichtet unser Leser Eberhard Priewe aus dem Ulmenhof. F. Fritz aus Perleberg sandte uns folgende E-Mail: "Vielen Dank an die Stadtverwaltung, die die Genehmigung für die tolle Mucke auf dem Militärflugplatz gegeben hat. Am 8. und 9. Juni ging es jeweils 22 Uhr los und endete 7 Uhr am anderen Morgen. Zwischendurch gab’s immer mal eine lautstarke Probe, wie am Samstag, 14 Uhr. Wir haben jedenfalls keine Nacht geschlafen. Da haben’s doch Tiere besser. Es wird strengstens drauf geachtet, dass es allen Arten von Fröschen, Spinnen, Raupen, Mäusen, Ameisen, Hunden, Katzen, Zecken, Kühen, Schweinen, Vögeln, Käfern, Maulwürfen, vor allem Fledermäusen gut geht."

"Es stimmt, wir haben diese Veranstaltung genehmigt unter bestimmten Auflagen insbesondere hinsichtlich der Lautstärke", bestätigt auf Nachfrage Thomas Kolbow vom Ordnungsamt der Stadt. Der Veranstalter habe daraufhin richtig Geld in die Hand genommen und eine staatlich anerkannte Fachfirma beauftragt, die vom Gesetzgeber erlaubten Dezibel einzumessen. "Am Tage sind 70 zulässig, nachts 55 Dezibel", so Veranstalter Roy Hartung. Die technischen Anlagen wurden dann ordnungsgemäß versiegelt. Ein so genannter Limiter oder Begrenzer sorgte automatisch dafür, dass die Werte nicht überschritten werden konnten. "Wir lagen eher darunter und hatten uns sogar entschieden, dass die 55 Dezibel auch tagsüber gelten", erläutert Hartung. Man habe eigentlich alles richtig gemacht. Insofern motiviere derartige Kritik nicht gerade zum Weitermachen. "Auf der anderen Seite aber die vielen Fans, die am Wochenende auf dem Openair-Event viel Spaß hatten. Teilweise sind sie 150 Kilometer dafür gereist, weil hier in der Prignitz der Jugend etwas geboten wird. Insofern werben wir auch für unsere Heimat", betont der Organisator.

Es seien alles Perleberger bzw. Prignitzer, die diese Veranstaltung organisieren, knapp 30 an der Zahl. "Wir möchten ganz einfach dort, wo wir zuhause sind, Akzente für die Jugend, für die Prignitz setzen", beschreibt Roy Hartung das Anliegen dieses Events, das einmal im Jahr stattfinde, an 52 Wochenenden sei Ruhe.

Entsprechend der Landesrichtlinie seien an zehn Tagen und Nächten bestimmte Ausnahmen wie diese zulässig, fügt Ordnungsamtsleiter Thomas Kolbow an. "Und wir wollen, dass auch die Jugend Zuhause ihren Spaß hat. Gewiss, es ist eine Gratwanderung", räumt Kolbow ein, denn auch ihn erreichten gestern morgen etliche Anrufe von erbosten Perlebergern.

"Wir nehmen die Kritik der Bürger sehr ernst", unterstreicht Kolbow. Mit dem Veranstalter sei man bereits übereingekommen, gemeinsam nach einem Kompromiss zu suchen, der sowohl für die Anwohner wie auch für die Jugend annehmbar sei. "Von der Lautstärke her, hat der Veranstalter alles Mögliche bereits veranlasst. Und wenn man mal in die eigene Zulassung schaut, dann wird man sehen, dass der Lärmpegel für ein vorbeifahrendes Auto weitaus höher ist. Das eigentlich Problem sind aber wohl die Bässe. Da müssen wir schauen, was man hier machen kann. Der Veranstalter jedenfalls gibt sich überaus kooperativ", so Kolbow.

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