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Der Prignitzer

24. November 2017 | 01:23 Uhr

Dreyer: "Ich bin eine Macherin"

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erstellt am 21.Apr.2012 | 01:57 Uhr

Cumlosen | Ab Montag kann in der Rolandswurt in Cumlosen die Ausstellung Quadrium besichtigt werden, bei der vier Künstler aus vier Bundesländern ihre Werke präsentieren. In diesem Jahr widmet sich die Exposition dem Thema "Lyrische Texturen". Der "Prignitzer" stellt die - ausschließlich weiblichen - Kunstschaffenden vor. Heute: Christiane Dreyer aus Bahlenhüschen (Mecklenburg).

Sie brachte alles ins Rollen: Als Horst Mencke, Initiator des Quadriums in der Rolandswurt, auf Christiane Dreyer traf, die er aus dem Parchimer Zeichenzirkel Anfang der 60er-Jahre kannte, stand das Motto des diesjährigen Quadriums fest: "Lyrische Texturen". Sie arbeitet mit strukturiertem Material - Wellpappe - und spielt Licht und Schatten gegeneinander aus. Die Wellpappe wird bemalt, in Streifen zerschnitten, auf dem Webstuhl wieder zusammengefügt und anschließend gefaltet. So entstehen sanfte Reliefe, die je nach Lichtquelle ein anderes Bild ergeben.

Mit dieser Wellpappenweberei hat die 68-Jährige aus dem kleinen Dörfchen Bahlenhüschen in der Nähe von Schwerin eine Nische in der Kunstszene gefunden, die bislang einzigartig sein dürfte. Sie lebt seit knapp 30 Jahren davon.

Bereits nach dem Abitur Anfang der 60er-Jahre hatte alles angefangen. "Ich wusste ganz genau, dass ich Handwerk und Kunst miteinander verbinden wollte. Ich habe es dann regelrecht ausprobiert", erinnert sie sich. Sie schnupperte in eine Töpferei und in einen Hutsalon hinein, war aber nicht zufrieden. Als sie als Hilfsarbeiterin in einer Weberei in Stralsund anfing, platzte der Knoten. "Ich wusste, das war’s". Es folgten die Lehre in der klassischen Handweberei, die Familiengründung und 1980 die Aufnahme in den Verband der Berliner Künstler. Dieser Glücksfall eröffnete ihr die Chance, von ihrer Kunst künftig leben zu können, denn öffentliche Aufträge sind auf die Verbandsmitglieder aufgeteilt worden.

In der Zeit des großen Umbruchs 1989/90 hatte sie sich längst auf die verwebte Wellpappe festgelegt. In der Mecklenburger Kunstlandschaft machte ihr das niemand streitig. "Ich war die einzige, die nicht kopiert wurde", erzählt sie. Irgendwann gelangte sie an einen Tiefpunkt. "Ich hatte keine Beziehung mehr zu meinem Bild, es war keine Herausforderung mehr." Doch andere Formen, sich künstlerisch zu betätigen, befriedigten sie nicht. "Ich muss alles in die Hand nehmen, dann komme ich auf Ideen. Ich bin eine Macherin", sagt sie. Es half. Sie begann Metallfäden zu verweben und schuf ein wundersames Kunstwerk, das die starre Struktur des Materials aufbricht und es in Verbindung mit zahlreichen anderen Metallfäden wie einen weichen Schal erscheinen lässt. Sie fand zu sich selbst zurück.

Heute gibt es für sie nichts "Erfüllenderes, als stundenlang am Webstuhl zu sitzen, ohne Zeitdruck, und im völligen Einklang mit mir selbst". Diese Ausgeglichenheit ist ihren Kunstwerken anzumerken.

Die Künstlerinnen

• Sabine Schultz, Sachsen-Anhalt (18. April, S. 17) • Erika John, Niedersachsen (19. April, S. 17) • Gabriele Hahn aus Babe aus Brandenburg (20. April, S. 15)

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