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Der Prignitzer

18. November 2017 | 00:28 Uhr

Dreschen wie vor 80 Jahren

vom

svz.de von
erstellt am 27.Aug.2012 | 10:32 Uhr

Mellen | Heiko Krull und Reinhold Jacobs sind überwältigt. Mit solchem Ansturm haben sie nicht gerechnet. Doch kaum öffnet sich am Sonnabend der Krullsche Hof für das erste Mellener Hof- und Kartoffelfest, strömen die Leute in Scharen durch das Tor, begutachten die alte Landtechnik, die Krull ausgestellt hat, und die er wenig später mit seinen fleißigen Helfern vorführt. Dreschen wie zu Großelterns Zeiten war schwere Handarbeit, wie vor allem die jungen Besucher schnell feststellen. Andere fachsimpeln derweil mit Jacobs über das Thema Kartoffeln, denn der Mellener arbeitet seit 1971 in der Kartoffelzüchtung.

Kartoffeln und Getreide gehören für die beiden Mellener zum dörflichen Leben wie vieles andere auch, was unbedingt erhalten werden müsse. Jacobs mag das ganze Gerede über demografischen Wandel und Aussterben des ländlichen Raumes nicht mehr hören. "Wir leben auf dem Dorf und möchten weiter hier leben. Es muss endlich eine andere Diskussion in die Gesellschaft kommen, dörfliche Werte müssen erhalten werden", mahnt er an. Mit dem Fest am Sonnabend wollen die Mellener einen Beitrag dazu leisten. "Gleichzeitig ist es ein Test, denn wir tragen uns mit der Absicht, einen Verein zu gründen", erzählt Krull. Nicht nur der Vereinsname steht schon fest, nämlich Verein zur Erhaltung von Brauchtum und historischer Landwirtschaft in der Westprignitz. Auch eine ganze Reihe von Gründungsmitgliedern gebe es. "Und mit dem Fest stellen wir fest, welche Resonanz das Thema findet", fügt Krull hinzu.

Offensichtlich eine große, wie der Zuspruch deutlich macht. Denn die vielen Besucher sind nicht nur wegen der frisch zubereiteten Kartoffelpuffer und der anderen Leckereien aus der hauseigenen Vermarktung gekommen. Und es sind längst nicht nur die Älteren, die sich auf diese Weise mit dem dörflichen Leben beschäftigen, mit Jacobs auch auf heimatgeschichtliche Entdeckungstour gehen beim Spaziergang auf den Pfaden der kleinen Dott.

Die Besinnung auf das ländliche Leben, auf Ruhe und Natur erfasst gestresste Großstädter ebenso wie junge Familien. Dabei verändern sich nicht selten Dorfbilder, weil vor allem die jüngeren Bewohner keine Landwirtschaft mehr betreiben, sondern in der Stadt ihrem Beruf nachgehen. Auch deshalb sei es wichtig, alte Traditionen lebendig zu halten, sind sich die beiden Mellener einig. Und sie stehen mit ihrem Anliegen nicht allein.

So wird sich der Tag des offenen Denkmals am 9. September im Landkreis Prignitz nicht nur dem Thema Holz widmen, sondern auch dem Erhalt dörflicher Strukturen. Denn nicht nur alte Traditionen im Sinne von Landtechnik und dörflichem Leben gelte es zu erhalten, sondern auch die alten, nicht selten unter Denkmalschutz stehenden Häuser und Gehöfte.

Doch zurück zu den beiden Mellener Enthusiasten. Es gibt nämlich noch einen ganz besonderen Grund, weshalb sie gerade in diesem Jahr zum ersten Hof- und Kartoffelfest einluden. Ist es doch das 300. Geburtsjahr von Friedrich dem Großen. Jacobs ist ein großer Verehrer des Preußenkönigs, "denn er hat nicht nur die Kartoffel gefördert, sondern überhaupt viel für die Förderung der Landwirtschaft getan".

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