Bendeliner Landwirtschaftshistorie : Dreschen mit Pferdekraft

 

 

In Bendelin gab es Landwirtschaft historisch zu erleben. Göpel und Dreschkasten gehörten dazu

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10. August 2015, 12:00 Uhr

Um einen Pferdegöpel in Aktion fotografieren und filmen zu können, kommt man auch gern aus der Wuppertaler Gegend nach Bendelin in die Prignitz. Edwin Rotzal ist seit 32 Jahren mit der Kamera unterwegs, hält Zugtiere in stehenden und bewegten Bildern fest, dokumentiert für die Nachwelt landwirtschaftliche Historie.

Rotzal hat seine Kameras im Anschlag. Aber es wird noch dauern, bis er an diesem Samstag in Bendelin zu seinen ersten Aufnahmen kommt. An den beiden sanften Mutterstuten Luna und Lucie von Lothar Toppel aus Damelack (OPR) liegt es nicht. Die Kaltblüter nehmen gelassen, was um sie herum geschieht. Aber das Göpelwerk muss sicher aufgebaut werden. Und das erweist sich selbst für so alte Hasen wie es Harald Koherr, Trecker-Jörg, also Jörg Hennig, und die zahlreichen anderen Bendeliner und Söllenthiner sind, als zeitaufwendiger als gedacht. Und als dann die Pferde ihre ersten Runden drehen, verschiebt sich die Welle, die die Kraft an das Treibrad und damit an den Breitdreschkasten überträgt. Lothar Toppel führt seine Pferde beiseite. Das Göpelwerk wird gerichtet.

„Ich kann mich erinnern, dass gleich nach dem Krieg bei uns nebenan in Karlsruhe noch so ein Göpel in Betrieb war“, erzählt Kurt Kopp. Der Mann ist gebürtiger Zichtower. Wie so manch anderer verfolgt er auf dem Gelände der ehemaligen Badeanstalt in Bendelin die Vorführung alter Landtechnik.

Harald Koherr weist auf ein Schild, das mitten auf dem Veranstaltungsgelände steht. „Hei-Mu-Ko“ steht dort geschrieben. Die Abkürzung für Joachim Heise, Günter Muxfeld und ihn selbst, also Harald Koherr. Vor Jahren haben sich die drei Männer aus Söllenthin bzw. Bendelin „aus Liebe zu alter Landwirtschaftstechnik“ zusammengefunden, sie hegen und pflegen die historischen Landtechnik und organisieren regelmäßig Vorführungen. Joachim Heise ist in diesem Jahr verstorben. „Die Vorführungen wird es auch künftig geben“, sagt Koherr voller Überzeugung.

Viel Zeit für ein Gespräch hat er nicht. Aber schnell sagt er noch einige Worte zu dem Breitdreschkasten, der über den Pferdegöpel angetrieben werden soll. Der Dreschkasten ist einer von dreien bei der diesjährigen Technikvorführung und der älteste, nämlich Baujahr 1897. „Der hat Spreu und Weizen noch nicht getrennt.“ Dagegen sei der „Flöther“-Dreschkasten aus den 30er Jahren, der einige Meter entfernt steht, schon richtig modern.

Egal, ob Dreschkästen, Strohpressen oder auch die beiden Mähdrescher E 175 Baujahr 1965 bzw. 1966, „sämtliche Technik, die hier steht, funktioniert auch“, sagt Karsten Krüger und es schwingt etwas Stolz mit in seinen Worten. Der Chef eines großen Landwirtschaftsbetriebes sitzt nicht nur im Kreistag und in der Gemeindevertretung, sondern ist auch Ortsbürgermeister. Und da freut es ihn schon, „dass sich ein harter Kern und dazu viele andere aus unserem Dorf und den umliegenden Orten“, für so eine Sache engagieren. An den Mähdreschern steht der Amtsvorgänger von Krüger. Es ist Hermann Wulff. Für ihn verbinden sich mit den Erntemaschinen aus dem Kombinat „Fortschritt“ zahlreiche Erinnerungen, war er doch jahrelang Ökonom in der LPG Pflanzenproduktion Glöwen.  

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