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Der Prignitzer

22. November 2017 | 21:44 Uhr

Dreister Überfall auf Laubenbesitzer

vom

svz.de von
erstellt am 13.Aug.2012 | 06:12 Uhr

Perleberg | Es war ein schöner Samstagabend am 11. August - er endete mit einem riesigen Schreck. Aber, der Reihe nach: Eine Perleberger Familie hatte sich gemütlich in der Gartenlaube in der Sparte "Sophiengrund" versammelt, bei einer Flasche Wein das Hockey-Olympiafinale mit dem Sieg des deutschen Teams geschaut, war danach zu Bett gegangen. Und wurde um 1.20 Uhr Sonntag früh jäh aus dem Tiefschlaf gerissen: Ein schwarz gekleideter, junger Mann gelangte durch die unverschlossene Tür in einen der beiden Räume, hatte das Innere mit dem Display seines Handys ausgeleuchtet, offenbar auf der Suche nach Wertgegenständen bzw. Geld. Davon wurde die Laubenbesitzerin wach. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer kleinen Enkelin lag sie im Bett, blinzelte in Richtung des Eindringlings. Der brüllte unvermittelt: "Polizei, Polizei! Aufstehen! Alles ’raus!" Geistesgegenwärtig schrie die Laubenbesitzerin in Richtung ihres ebenfalls in der Laube befindlichen Hundes: "Fass!"

Der ansonsten eher gutmütige Vierbeiner schaffte es, den Einbrecher in die Flucht zu schlagen. Der Mann verschwand über den Zaun. Die sofort herbeigerufene Polizei kam, "allerdings nicht auf direktem Wege. Die Beamten meldeten sich noch mal von unterwegs, dass sie sich zunächst um weitere aufgelaufene Fälle kümmern müssten", erinnert sich der Laubenbesitzer. Er fügt sogleich hinzu, dass er den Einsatz der Polizei keinesfalls kritisieren wolle. Im Gegenteil: "Die Beamten haben sich super verhalten, haben uns beruhigt", so das Einbruchsopfer. Der "Prignitzer" hatte gestern Gelegenheit, mit der betroffenen Familie zu sprechen. "Der Täter war beim Eintreffen der Polizei natürlich weg", bedauert der Perleberger.

Das Ehepaar übernachtete gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn in der Laube. Die wiederum wurden vom Geschrei des Täters geweckt, eilten ins andere Zimmer hinüber, konnten aber nichts mehr ausrichten. Der Einbrecher entkam unerkannt. Letztendlich, so die Einbruchsopfer, sei es wohl gut gewesen, dass niemand sich wehrte, dass eine direkte körperliche Konfrontation mit dem Täter ausblieb. "Wer weiß, was dann passiert wäre", so die Familie.

Dass der unbekannte Täter nicht mit den schlafenden Besitzern gerechnet hatte, wie es dem Polizeibericht zu entnehmen ist, denken die betroffenen Perleberger im Übrigen nicht. "Wir sind davon überzeugt, dass die Tatorte bewusst danach ausgesucht werden, ob dort Menschen sind", meint der Laubenbesitzer. Schließlich könnten Täter nur so relativ sicher sein, dass dort, wo sich Personen befinden, auch Bargeld zu holen sei oder andere Wertgegenstände. "Das finde ich besonders beängstigend an dieser Sache und auch an ähnlichen Vorfällen, über die ja schon berichtet wurde beziehungsweise, die uns bekannt sind", ergänzt das Einbruchsopfer. Der Verdacht der Betroffenen erhärtet sich auch insofern, als dass vor deren Laube in der Nacht zu Sonntag zwei Autos, eines davon unmittelbar an der Auffahrt, sowie drei Fahrräder standen. Überdies müsse der Einbrecher die Situation in der Laube zuvor ausgekundschaftet haben, sind sich die Opfer sicher.

Entgegen des möglicherweise subjektiven Eindrucks der Betroffenen, dass Delikte dieser Art seit ungefähr zwei Jahren drastisch zugenommen hätten, sieht die Kriminalpolizei, die in diesem Fall ermittelt, keinen Schwerpunkt. "Demzufolge gibt es auch keine Sonderkommission und daher keine Vergleichsreihen, die Vermutungen bestätigen könnten, dass es sich zum Beispiel immer um ein und denselben Täter handelt oder auch um eine Gruppe von Tätern", äußerte Sprecherin Katy Gollnick von der Polizeiinspektion Prignitz gestern auf Nachfrage unserer Redaktion. Das könnte allerdings daran liegen, dass nach Einschätzung der betroffenen Familie vielfach gar nicht erst Anzeigen bei der Polizei erstattet werden. "Vielleicht haben die Leute einfach resig niert", denken sie. Die Überfallopfer möchten ihre Mitmenschen auf diesem Wege ermuntern, Vorfälle dieser oder ähnlicher Art immer anzuzeigen. Und sie möchten sie sensibilisieren, vorsichtiger als bisher zu sein: "Es gibt sehr viel mehr Angst und Verunsicherung, als man das nach außen hin in Perleberg vielleicht denkt."

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