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Walz führt durch die Prignitz : Drei Jahre und einen Tag unterwegs

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bäckergeselle Falk verschlug es auf der Walz kurz vor Ende seiner Pflichtzeit in die Prignitz

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Das Handy auf ein Brett genagelt, nur fünf Euro in der Tasche und den Nachnamen eingetauscht: So machte sich Falk Henke – alias Falk „Fremder reisender Bäcker auf Wanderschaft“ – vor knapp drei Jahren auf die Walz. „Wir sagen meist Tippelei zu dieser Reise“, bemerkt er. Tausende Kilometer ist der 30-jährige Bäckergeselle vom kleinen Dörfchen Wettesingen bei Kassel aus seitdem schon durch Deutschland gewandert. Gestern fand er Kost und Logis in der Alten Ölmühle Wittenberge.

Nicht nur zu Fuß ging es für ihn bisher voran, auch trampen ist erlaubt. Von der Autobahnauffahrt bei Schwerin nahmen ihn Dachdecker von BSS aus Reckenzin mit in die Prignitz. Von dort aus ging es nach Wittenberge. „Hier bin ich dann auf die Ölmühle aufmerksam geworden, weil das Gebäude so auffällig ist. Ein bisschen sah es zunächst wie ein ehemaliges Gefängnis aus“, schmunzelt er. Auch wenn er für eine Stadtbesichtigung nur wenig Zeit hatte, sei es doch sehr schön hier an der Elbe. Und er freut sich, dass die Menschen in der Region die Tradition der Wanderschaft noch kennen und ihn so freundlich empfangen haben.

Wenn er ihnen dann sagt, dass er kein Zimmermann, sondern Bäcker ist, staunen manche. „Es gibt 40 verschiedene Gewerke. So auch Konditoren, Sattler oder Schmiede. Wer einen Gesellenbrief hat, der darf auch auf Wanderschaft gehen“. Voraussetzung sei aber, dass man unverheiratet, kinderlos sowie straf- und schuldenfrei ist. Denn „die Walz darf nicht bedeuten, dass man sich aus der Verantwortung stiehlt“, klärt der junge Mann auf und ergänzt, dass die Zimmerleute komplett in schwarz unterwegs sind, die Lebensmittelgewerke am Pepita-Muster, die Schneider an der roten Weste zu erkennen seien.


Schweden und Frankreich warten noch


„Meine Mama würde auch gerne wissen, wann ich wiederkomme. Wir müssen mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein“, erzählt er. In drei Wochen wäre diese Zeit für ihn rum. Jedoch „möchte ich noch ein Jahr ranhängen, nach Frankreich und Schweden wandern“, blickt Falk voraus. Da er ohne eigenes Telefon und mit wenig Geld Kontakt in die Heimat halten muss, ist er zum guten alten Briefeschreiben zurückgekehrt. Und natürlich arbeitet er für seinen Unterhalt, hat unter anderem im Wendland zwei Monate eine kleine Biobäckerei betrieben, der der Pächter davongelaufen war.

Der Lohn aus dieser Arbeit ist auch dringend nötig, zum Beispiel für die freiwillige Krankenversicherung. „Ich hatte im letzten Jahr einen Leistenbruch.“ In Neubrandenburg musste er sich operieren lassen und war sechs Wochen außer Gefecht. Aber es sei alles gut verheilt.

Gestern ging es auch gleich weiter für Falk, nach Salzwedel. Eine Gesellenkollegin von ihm weilt dort und hat ihm von dem anhaltinischen Baumkuchen erzählt. Das will er natürlich gleich selbst ausprobieren. Und eine Bitte hatte er noch: „Schickt meiner Mutter ein Exemplar der Zeitung von heute, dann weiß sie, dass es mir gut geht.“ Machen wir gerne.



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