Baugeschichte : Drei Eigenheime für Villa Tannenhof

Ganz oben linke Ecke die Villa Tannenhof, damals noch einetagig. Die Villa im Vordergrund ist heute die Awo-Kita in der Koloniestraße. Die Aufnahme muss um 1905 entstanden sein.  Repro: Jens Nering
Ganz oben linke Ecke die Villa Tannenhof, damals noch einetagig. Die Villa im Vordergrund ist heute die Awo-Kita in der Koloniestraße. Die Aufnahme muss um 1905 entstanden sein. Repro: Jens Nering

Ende des Hauses des Rittmeisters Klaus von Kotze, neues Kapitel beginnt

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24. April 2015, 12:00 Uhr

Die Villa Tannenhof gibt es nicht mehr. Nach 131 Jahren wurde sie nun abgerissen, machte Platz für Neues. Entstehen sollen hier drei Einfamilienhäuser, ist von Architekt Klaus Röpke zu erfahren. Er wurde mit dem Abriss beauftragt, wie auch mit der Festlegung der Größe der Grundstücke und der Klärung der Zuwegungen. Ein Kaufinteressent gebe es bereits, darüber hinaus gab es Anfragen, so Klaus Röpke. Da laut Bebauungsplan so deklariert, müsse der Grünstreifen im vorderen Bereich des Anwesens erhalten bleiben. So reiche der Platz für drei Bauplätze. Erhalten bleibe die alte Garage, so auch der Wunsch des Kaufinteressenten.


Lukrativer Standort


Der Standort ist zweifelsohne lukrativ. Die Villa war einst auch ein Hingucker, als Rittmeister Klaus von Kotze sie im Jahre 1884 erbauen ließ. Allerdings war sie da nur einetagig und grenzte direkt an den damaligen Reit- und Exerzierplatz. Mit der Scheunenstraße, heute die Quitzower, führte hier bereits eine richtige Straße entlang. Die heutige Hopfenstraße und die Dergenthiner waren zu jener Zeit noch Feldwege. Beide Straßen werden 1930 erstmalig namentlich in Verzeichnissen genannt, weiß Hobbyhistoriker Jens Nering zu berichten. Die Kreisringbahn ratterte hingegen ab dem 6. Dezember 1911 hier vorbei, fand er heraus.

Um 1910 wurde die Villa um- und ausgebaut. Oberforstmeister von Kotze ließ ein Stockwerk auftragen, in dem er dann mehrere Gästezimmer mit Bädern einrichtete. Das Landhaus war augenscheinlich aber nicht sein ständiger Wohnsitz, denn im Einwohnerverzeichnis aus dem Jahre 1911 wird hier ein Hermann Tietz geführt. Jener war Gärtner bei von Kotze. 1916 erwarb dann Walter Otto das Grundstück samt Bebauung und friedete es ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg bewirtschaftete die Witwe von Otto das Anwesen und ließ Notwohnungen herrichten. 1921/22 kaufte die Perleberger Versicherungsgesellschaft das Gebäude, und ab 1934 gehörte es der Terraingesellschaft Groß-Berlin. Fünf Jahre später ließ jene das Dachgeschoss ausbauen und weitere Wohnungen hier schaffen. 1953 war die Villa Internat der Fachschule für Landwirtschaft, 1960 zog die Deutsche Grenzpolizei hier ein, und später zogen bis 2001 die Grenztruppen. Dann stand die Villa leer.

Deckentäfelungen im Erdgeschoss und Treppenaufgang, diverse Einbauschränke erinnerten noch an die Landhauszeit. Doch herrenlose Gebäude üben scheinbar eine magische Anziehungskraft aus. Als der spätere Besitzer um 2009 das Anwesen kauften, war von all dem nichts mehr vorhanden. Stattdessen entdeckte er im Keller einen Fluchttunnel. Zirka zehn Meter lang, führte er über eine Luke ins Freie. Während im Haus die Grenztruppen Büro- und Unterkunftsräume hatten, war der Keller zu einem Nachrichtenbunker umgebaut worden. „Die Fenster waren dicht, der Keller war mit Luftschutztüren gesichert“, wusste er damals dem „Prignitzer“ zu berichten.

Zwischenzeitlich wurde der Tunnel dann geschlossen, erhielt das Anwesen wieder einen neuen Besitzer. Mit dem Abriss endet die Geschichte der Villa Tannenhof, ein neues Kapitel dieses Areals wird nun aufgeschlagen.  

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