Stadthafen Wittenberge : Drehkräne sind reif fürs Museum

Der grau-blaue Kran bringt rund 30 Tonnen auf die Wage, sein Kollege 40. Die Technik gilt als sehr robust.
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Der grau-blaue Kran bringt rund 30 Tonnen auf die Wage, sein Kollege 40. Die Technik gilt als sehr robust.

Historische Umschlagstechnik mit zwei Spezialfahrzeugen in einer Nachtaktion zum Blaulichtmuseum gefahren

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13. Februar 2015, 20:30 Uhr

Die letzten mobilen Zeugnisse für den jahrzehntelangen Hafenumschlag in der Bad Wilsnacker Straße haben gestern Nacht die Stadt verlassen. Für die beiden Raupendrehkräne beginnt ein neues Leben als Ausstellungsstücke im Blaulichtmuseum in Beuster (Altmark). Damit ist der 30 bzw. 40 Tonnen schweren Umschlagstechnik der Weg in den Schrott erspart geblieben. Obwohl die beiden Kräne weder Blaulicht noch Signalhörner aufweisen können, haben sie das Interesse von Ralf von Hagen als Chef des Museumsvereins geweckt. „Die Kräne passen in unser Profil, wir verstehen uns als Technikmuseum“, sagt er.

Mit seiner Leidenschaft für Blaulichtfahrzeuge, ja schwere Technik überhaupt, hat er auch seine Söhne infiziert. Und so war es hauptsächlich Sohn Christian von Hagen, der die beiden Kräne für ihre letzte Fahrt vorbereitete.

Diese letzte Fahrt hatte es allerdings in sich. Der Plan, die Raupendrehkräne nach Beuster zu holen, ist etwa ein Jahr alt, kam zustande, weil die Stadt Wittenberge nicht zwingend auf eine Schrottverwertung der Kräne bestand, sondern sie als Zeugnisse hiesiger Industriegeschichte eher im Museum sah.

Wie die Kolosse aber nach Beuster bringen?

Bei einer Stendaler Transportfirma mussten zwei Spezialfahrzeuge geordert werden. „Herkömmliche Tieflader reichen nicht aus, die Kräne sind zu hoch. Wir fahren mit Tiefbett-Tiefladern“, sagt Christian von Hagen, während er sich mit einem festgerosteten Bolzen abmüht. Der muss ’raus, damit das Führerhaus vom Kran abgesenkt werden kann. Harry Hoferichter hilft dem jungen Mann. Hoferichter ist aus Interesse bei dieser Aktion dabei. Er kennt Raupendrehkräne, hat solche und von noch größerem Kaliber beim Bau des Stendaler Kernkraftwerks gefahren. Sein Wissen fällt ins Gewicht, als Christian von Hagen die Hafenumschlagstechnik wieder in Gange bringt, um die Kräne auf die bereitstehenden Tieflader zu manövrieren. „Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn das letzte Stück Technik nun auch den alten Hafen verlässt. Es ist wirklich das Ende“, sagt von Hagen. Dankbar sind die Museumsleute auch der benachbarten Firma Golz in der Bad Wilsnacker Straße, die ihr Unterfangen nach Kräften – beispielsweise mit Starkstrom für den Antrieb – unterstützt. „Die Raupendrehkräne werden elektrisch betrieben. Sie verfügen aber auch über ein Dieselaggregat, das den Strom für den Antrieb erzeugen kann“, erklärt von Hagen.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit war es geschafft, standen die Kräne auf den Tiefladern. Dann hieß es warten. Erst um 22 Uhr durften die Trucks mit Genehmigung der Straßenbehörde und in Begleitung eines Polizeiwagens über den Stern Richtung Elbbrücke rollen.  

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