Dorfgemeinschaft in Aufruhr

In Lübzow stehen solche Kreuze gegen Massentierhaltung.
In Lübzow stehen solche Kreuze gegen Massentierhaltung.

Plane eines Biogasbehälters aufgeschlitzt, Protestplakat entwendet – Gegner und Befürworter zusätzlicher Schweinemast distanzieren sich

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24. August 2015, 13:23 Uhr

Was ist los in Lübzow? Leisten sich Gegner und Befürworter einer geplanten Erweiterung der Schweineaufzucht im Dorf jetzt nicht nur verbale Gefechte? Wer den Polizeibericht von Montag liest, bekommt womöglich den Eindruck: Die Plane eines Biogasbehälters wurde aufgeschlitzt, auf der anderen Seite ein Schild mit der Aufschrift „Keine weitere Tierfabrik in der Lübzower Schweiz“ samt Pfosten entwendet. Schaden in beiden Fällen: 150 Euro.


Ein Dorf ist gespalten


Weitaus größer dürfte allerdings der Schaden für die Dorfgemeinschaft sein. Landwirt Bernd Cord-Kruse versteht die Welt nicht mehr, wie er sagt, und möchte sich öffentlich nicht mehr äußern. „Ich will nicht noch Öl ins Feuer gießen“, mit der Sachbeschädigung drohe die Geschichte zu eskalieren. Er müsse vor allem an seine Mitarbeiter und an seine Familie denken.

Vier Lübzower wollen aber reden. Den Namen will allerdings nur Joachim Harnisch in der Zeitung wissen (die anderen liegen der Redaktion vor). „Seit 65 Jahren und länger wohnen wir hier, aber so etwas gab es nie. Man hat mittlerweile selbst Angst“, berichten zwei Frauen. Es gab immer einen guten Zusammenhalt, darauf war man stolz im Dorf.


Aufsteller vor der Kirche


Nach dem Erörterungstermin Ende Oktober vergangenen Jahres war es relativ ruhig im Lübzow geworden. Mit der Veröffentlichung zum Volksbegehren sei alles wieder hochgekocht, mutmaßen die Gesprächspartner. Rosa Kreuze gegen Massentierhaltung im Garten aufgestellt, dagegen sei wirklich nichts einzuwenden. Jeder könne auf seinem Grundstück tun und lassen, was er denke. Doch als das große Plakat mit der Aufschrift „Keine weitere Tierfabrik in der Lübzower Schweiz“ mit Genehmigung des Gemeindekirchenrates und auch seines Wissens über den Inhalt, wie Pfarrer Klaus-Dieter Hanack auf Nachfrage bestätigt, vor der Kirche aufgestellt wurde, da regte sich Widerstand im Dorf. Der Beschluss wurde daraufhin zurückgenommen, das Plakat auf einer privaten Wiese aufgestellt, bis es entwendet wurde.

„Ich würde mir mit solcher Aktion doch selbst am meisten schaden“, so der kurze Kommentar des Landwirtes Bernd Cord-Kruse. „Das geht auch zu weit, auf so eine Stufe stellen wir uns nicht“, betonen auch die Lübzower. Jeder habe das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch die BI. Und man wolle keinesfalls den Mitgliedern das Gefühl vermitteln, es ihnen auch nur im entferntesten absprechen zu wollen. Aber würde ein Landwirt sämtliche Seminare zu MSRA-Keimen besuchen oder an Studien zum sogenannten Schwanzbeißen teilnehmen, wenn ihm das Wohl der Tiere egal wäre, stellen sie als Frage in den Raum. Schlimm sei, dass inzwischen ein tiefer Graben durchs Dorf ginge. Man könne doch anderer Meinung sein und sich trotzdem noch Guten Tag sagen. Offensichtlich nicht, wie sie berichten.

Auch die BI distanziert sich von dererlei Aktionen. Man stehe als kleines Dorf hier nicht irgendeinem großen unbekannten Investor gegenüber, sondern dem Landwirt Cord-Kruse, mit dem man gerade auch in der Vereinsarbeit viele gute Erfahrungen verbinde. Insofern wolle man keinesfalls jetzt eine Schlammschlacht in der Öffentlichkeit, so die BI.


Unterschrift zum Volksbegehren


Mit dem Volksbegehren wollen sie nach außen zeigen, dass es die BI in Lübzow gibt, die sich gegen eine Massentierhaltung deutlich ausspreche. Und sie wollen andere animieren, die ebenso denken, auch ihre Unterschrift zu leisten. Immer wieder wurden sie mit dem Vorwurf konfrontiert, sich selbst auf Veranstaltungen, wie auch beim Erörterungstermin nicht zu äußern. „Weil wir es nicht können, wir sind keine Fachleute“, betonen ihre Vertreter, die ebenfalls nicht öffentlich genannt werden wollen. Vielmehr lasse man leise und vernünftig alles von Fachleuten aufbereiten. Ein solcher sei Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V., der sie auch als BI vertrete. „Dass Plakate beschädigt oder auch mal entwendet wurden, das gab es, aber Anlagen beschädigt, nein.“ Dass es Gegner oder Befürworter des Projektes waren, das halte er für absurd.

Worauf die BI setze sei vielmehr, dass man die Privilegierung als gewerblicher Betrieb anzweifle, sprich dass 50 Prozent des benötigten Futters selbst angebaut werden. Und die Nähe zum Wald, zu Biotopen nicht ausreichend oder keine Berücksichtigung in den Unterlagen zum Genehmigungsverfahren fanden.

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