Fasching : Domina schwingt die Peitsche

Biene Maja, Heidi und Co.: Die „Reetzer Raketen“ erinnerten in ihrem Tanz an die Helden ihrer Jugend. Fotos: Reik Anton
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Biene Maja, Heidi und Co.: Die „Reetzer Raketen“ erinnerten in ihrem Tanz an die Helden ihrer Jugend. Fotos: Reik Anton

Wer steckt im Domina-Kostüm? Büttenredner Rainer Bartel strapaziert die Lachmuskeln

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24. Januar 2016, 12:35 Uhr

„Ruhe ihr Muschis. Jetzt rede ich!“ Klare Ansage, die da von der Domina des Reetzer Faschingsclubs am Sonnabend ins Publikum gebrüllt wurde. Um ihrem Befehl Nachdruck zu verleihen, ließ sie ihre Peitsche durch den mit 120 Gästen gut gefüllten Saal der Gaststätte Muhs zucken.

In Lack und Leder – und immer ein bisschen anzüglich – heizte die junge Frau dem Publikum ein. Natürlich suchte sich die Domina ein „Opfer“ aus, dem es dann richtig an den Kragen ging. Diesmal traf es ausgerechnet den Präsidenten der Karnevalsgesellschaft Berge: Manuel Schlegel. Kurzerhand wurde er auf die Tanzfläche geholt, wo er eine Leine um den Hals bekam und eine Runde durch den Saal geführt wurde. Als er dann noch die Augen verbunden bekam, stand ihm der Angstschweiß auf der Stirn.

Doch für Manuel Schlegel nahm es ein glückliches Ende. Er überlebte die Vorstellung und bleibt seinen Bergern erhalten. Als dann Ricardo Perlich, Präsident des Reetzer Faschingsclubs und Moderator des Abends, das Geheimnis lüftete, wer die Domina eigentlich war, herrschte kurzzeitig Erstaunen. Denn die Domina entpuppte sich quasi als Domino. Unter der mit Federn geschmückten Perrücke verbarg sich der erst 15-jährige Otto.

Spätestens nach diesem Beitrag tobte der Saal, standen die kostümierten Gäste teils auf den Stühlen und Tischen. Maßgeblichen Anteil daran hatten auch die Partylieder von „Uwe und seinen Freunden“, die wussten „Jetzt ist der Teufel los, bei uns geht richtig was ab“. Das bewiesen auch die „Reetzer Raketen“, die mit ihrem Tanz den Helden ihrer Kindheit ein Denkmal setzten. Egal ob Heidi, Paulchen Panther, Pippi Langstrumpf oder Bibi Blocksberg – sie allen waren Teil der bunten Tanzdarbietung.

Auch wenn der Reetzer Faschingsclub – weil er kein Karnevalsverein ist – weder über ein Prinzenpaar noch über einen Elferrat verfügt, eine Bütt darf nicht fehlen. So war es an Rainer Bartel, dem Mann für alle Fälle, die aktuellen Entwicklungen auf die Schippe zu nehmen.

Ein Credo verfolgt er dabei: „Politisch sollte es nicht werden. Ich konzentriere mich auf Alltagsbegebenheiten“, sagte er vor der Vorstellung. Ein Beweis: „Ich muss euch sagen, meine Frau liebt mich nicht mehr. Früher haben wir gemeinsam ,Verbotene Liebe’ oder ,Sturm der Liebe’ geguckt. Seit drei Monaten sehen wir nur noch ,Tiere suchen ein neues Zuhause’ oder ,Bauer sucht Frau’.“

Bei manchen der Kandidaten denke er: „Bevor du eine findest, gibt deine Kuh eher ein Glas Latte macchiato.“ Dann mokierte sich Rainer Bartel über die Missverständnisse, die er bei Arzt- oder Restaurantbesuchen erlebe. „Immer wenn der Kellner fragt, ob ich einen Tisch bestellt habe, sage ich: ,Nee, ich will essen’.“ Und wenn mein Doktor fragt, wie mein Stuhl ist, antworte ich: ,Weicher als ihr Sofa’.“

Spitzfindigkeiten wie diese belohnte das Publikum mit lautem Applaus. „Ich hole mir meine Anregungen beim Fernsehen. Meine Lebensgefährtin ist die erste Kritikerin für meine Bütten“, erzählte Rainer Bartel. Es sei wichtig, die Pointen schnell folgen zu lassen, damit die Zuschauer bei der Stange bleiben. „Kurz und knapp muss es sein.“ Auch der Auftritt der jüngsten Faschingsfans war ein voller Erfolg. Die Vier- bis Elfjährigen „Reetzer Minis“ gaben alles und wurden mit einer Zugabe belohnt.

„Es ist toll, dass wir 60 Aktive haben, die unser Programm mitgestalten. Kein schlechter Wert bei einem 220-Seelen-Dorf“, sagte Präsident Ricardo Perlich. Um das gut zweieinhalbstündige Programm zu sehen, kommen die Gäste aus der ganzen Prignitz nach Reetz. Zum ersten Mal dabei war Madlen Krüger aus Berge. „Ich lasse mich mal überraschen. Wenn es mir gefällt, komme ich vielleicht wieder“, so die Frau, die als Teufelchen verkleidet war. Schnell hatte auch sie den Schlachtruf auf den Lippen: „In Reetz, da geht’s!“

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