Bad Liebenwerda : Dieseldiebe fordern „Volltanken“

 

 

Dreiste Täter drohen Baufirma in Südbrandenburg

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25. August 2015, 21:00 Uhr

Die Diebe waren mit der Beute anscheinend nicht zufrieden. Zwar zapften sie laut Polizei 300 Liter Diesel aus mehreren Baumaschinen ab. Anschließend hinterließen sie auf der Baustelle an der Ortsumgehung der B183 in Bad Liebenwerda einen Zettel: In dem Schreiben drohten sie, die Scheiben der Radlader einzuschlagen, sollte nächstes Mal nicht ausreichend Treibstoff im Tank sein. Viele Baufirmen tanken angesichts der hohen Zahl von Diebstählen nur noch Tagesmengen.

Nicht nur die Geschäftsführung der Baufirma ist schockiert, auch die Polizei spricht von einem besonders dreisten Fall. „Das übertrifft alles, was wir bisher erlebt haben“, sagt Ines Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion Süd. Die Beamten hätten Ermittlungen aufgenommen. Nach ihrer Aussage bilden Kraftstoff-Diebstähle in Südbrandenburg keinen Kriminalschwerpunkt. Derzeit seien vor allem Buntmetalldiebe aktiv.

Für den Niederlassungsleiter des betroffenen Unternehmens Strabag in Senftenberg sind derartige Fälle alltäglich. „Viele Baufirmen in der Region bringen Dieseldiebstahl erst gar nicht mehr zur Anzeige“, sagt Lothar Weidner. Das Warten auf die Polizei koste wertvolle Zeit. „Wir können die Maschinen hier nicht stundenlang stillstehen lassen“, sagt er. Der Baufachmann klingt resigniert, wenn er sagt: „Wir fühlen uns hier völlig mit dem Problem alleingelassen.“ Damit die Abläufe durch die Kraftstoff-Diebstähle nicht noch gestört werden, bestellt Weidner immer abends schon einen Tankwagen. Das erinnert schon ein wenig an eine Bananenrepublik“, meint er sarkastisch. Auch ein Radlader im Wert von 25  000 Euro wurde ihm vor einigen Wochen gestohlen.

Ähnlich äußert sich Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. „Anzeigen sind für die von Diebstahl betroffenen Firmen oft nur noch Bürokratie, die nichts bringt“, sagt sie. Vor allem in Grenznähe sei die Kriminalität nach wie vor hoch. Vor wenigen Tagen hätten die Täter in einem Landwirtschaftsbetrieb zwei Traktoren auf rabiate Art und Weise gestohlen – sie durchbrachen einfach die Mauer. Dieseldiebstahl nimmt in Brandenburg seit Jahren zu: Die Zahl der Fälle stieg laut Polizeistatistik zwischen 2009 und 2013 um mehr als 60 Prozent auf rund 2000. Immer mehr Baufirmen engagieren daher Sicherheitsfirmen zur Bewachung der Baustellen. „Wenn immer wieder Materialien oder Maschinen fehlen, dann ist das für die Unternehmen schwer zu verkraften“, sagt Christiane Witek, Sprecherin der Fachgemeinschaft Bau Berlin-Brandenburg.

Auch Weidner hat an einem Wochenende einen Wachschutz für die Ortsumgehung angefordert. 1500 Euro habe ihn dieser Service gekostet. „Erwischt wurde natürlich niemand.“

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