Diese Raupen fressen die Eichen kahl

<strong>Millionen Raupen kriechen</strong> an der B 195 vor Wentdorf  Eichenstämme hinauf. Hier wurde der Schädling nicht bekämpft, sondern nur innerorts.<foto>Hanno taufenbach</foto>
Millionen Raupen kriechen an der B 195 vor Wentdorf Eichenstämme hinauf. Hier wurde der Schädling nicht bekämpft, sondern nur innerorts.Hanno taufenbach

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15. Juni 2012, 10:57 Uhr

Prignitz | Gnadenlos fressen diese Raupen Eichen kahl. Millionen von ihnen kriechen derzeit an Baumstämmen entlang der B 195 zwischen Wittenberge und Wentdorf die Stämme hinauf. Auch für Menschen ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich: Die Härchen können teils heftige Allergien, Juckreiz oder Atembeschwerden auslösen. Der Kampf gegen die Raupen wirkt weder koordiniert noch effektiv. Eine Bestandsaufnahme.

Eines der ältesten Prignitzer Sportfeste fällt am Wochenende aus: Das Jahn-Sportfest in Lanz. Auf dem dortigen Sportplatz lassen es sich die Raupen in den Eichen gut gehen. Eine Volleyballmannschaft klagte nach einem Training über vermehrten Juckreiz und Ausschlag. Die Veranstalter mussten reagieren. Bitter, weil das Amt Lenzen genau diese Bäume wie auch die Eichen am Schulhof und im Bereich des Kindergarten im Frühjahr gespritzt hatte, um den Schädling zu bekämpfen.

"Wir vermuten, dass Raupen und Härchen durch den starken Wind am vergangenen Wochenende vom benachbarten Wald herüber geweht wurden" erklärt Harald Ziegeler, Hauptamtsleiter Lenzen-Elbtalaue. Außerdem sei im Wald nicht gesprüht worden. Er spricht von mehreren Problemen im Kampf gegen die Raupe. "Das Insektizid Dipel ES durfte in besiedelten Gebieten nicht vom Flugzeug aus gespritzt werden. Das ist das große Manko." Dort, wo die Kommune bekämpft hat, tat sie es vom Boden aus.

Der extrem starke Befall sei im Vorfeld nicht absehbar gewesen. "Als wir im Winter die Eiablagen in den Bäumen untersuchten, deuteten die Ergebnisse auf ein schwaches Auftreten der Raupen hin", so Ziegeler. In der Lenzerwische gebe es in diesem Jahr auch kaum Probleme. Dort wurde 2011 durch den Landesbetrieb für Straßenwesen bekämpft. Im Bereich Gadow hingegen findet sprichwörtlich eine Invasion der Raupen statt. Der frühere Oberförster Holger Galonska spricht von einem massenhaften Auftreten, wie er es selbst noch nie erlebt habe.

Dass in der Prignitz keine Waldbereiche besprüht wurden, bestätigt Gadows Oberförster Carsten Sander. "Der Befall ist nicht so stark, dass die Erholungsfunktion des Waldes eingeschränkt ist", sagt er. Auch eine ernsthafte Gefahr für langfristige Schäden an betroffenen Bäumen bestünde seiner Ansicht nach nicht. Spaziergänger und Forstarbeiter seien betroffen, aber dabei handele es sich um Einzelpersonen. "Bei einem Befall zum Beispiel in einem Stadtwald mit viel Publikumsverkehr, hätte man abwägen und neu entscheiden müssen", so Sander.

Er habe das Gefühl, dass vor allem Alleen betroffen seien und die Raupen von dort aus in die Wälder ziehen. Der Befall sei aber nicht stärker als im Vorjahr. 2011 und 2010 wurden allerdings vom Hubschrauber aus Flächen im Gadower Wald besprüht.

Fakt ist, dass an Straßen nur sporadisch bekämpft wurde. Der Landesbetrieb Straßenwesen hatte sich im Fall der B 195 entschieden, beispielsweise nur in den Ortsdurchfahrten Wentdorf und Cumlosen zu sprühen. Ergebnis: Vor den Ortseingangsschildern sind Bäume befallen, der Spinner kann sich von dort aus ungehindert weiter ausbreiten. Ähnlich ist es in Lenzersilge. Auch dort hatte der Landesbetrieb nur innerorts gesprüht. Ergebnis: Zwischen Lenzersilge und Laaslich können die Raupen ihrem zerstörerischen Werk nachgehen.

Keine Raupen vermeldet hingegen Günter Stoffers, Leiter der Kreisstraßenmeisterei. "Wir haben befallene Bäume von unten aus besprüht und das Mittel hat gut gewirkt", sagt er. Kontrollen hätten nur stellenweise einen sehr geringen Befall ergeben. "Wir sind mit unseren Maßnahmen zufrieden", so Stoffers.

Hilfreich aus seiner Sicht wäre es, die Regeln für eine Bekämpfung zu vereinfachen. Einerseits muss jährlich die Zulassung des Insektizids neu beantragt werden. Andererseits wäre eine Bekämpfung aus der Luft wünschenswert, da sie allgemein als am wirksamsten eingeschätzt wird. Landkreis und Kommunen hätten einen Hubschraubereinsatz begrüßt. Doch dazu hätte das Bundesministerium für Verbraucherschutz eine Genehmigung erteilen müssen, die es aber nicht gab.

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