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Ortsdurchfahrt Reetz : „Die Zahlen sind schockierend“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Reetzer zählten das Verkehrsaufkommen auf ihrer Ortsdurchfahrt / Trotz vieler Temposünder keine Chance auf einen stationären Blitzer

Was die Reetzer seit Jahren beobachten, haben sie nun schwarz auf weiß. Tausende von Pkw, Lkw und Sattelschlepper brettern tagtäglich durch ihren Ort, die wenigsten halten sich dabei an das Tempolimit. Ein spezielles Messgerät, das sich die Gemeinde für 200 Euro angeschafft hat und gegenüber der Gaststätte Muhs installiert wurde, hat Anfang März zehn Tage lang das gesamte Verkehrsaufkommen an der Verbindungsstraße Karstädt – Putlitz gezählt und die Geschwindigkeit aller Fahrzeuge erfasst. Die Ergebnisse wurde auf der Gemeindevertretersitzung in Reetz am Donnerstag vorgestellt. Sie übertreffen sogar noch die Erwartungen der Abgeordneten.

„Die Zahlen sind schockierend. Ich hätte nicht gedacht, dass der Verkehr so massiv ist“, so die Reaktion von Thomas Breitlauch, Bürgermeister von Gülitz-Reetz. Andere Gemeindevertreter stimmten ihm zu. So rasen Pkw mit bis zu 135 Stundenkilometern durch den Ort. Nicht mal ein Drittel aller Fahrzeuge hält sich an das Tempolimit. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei knapp 75 km/h. Täglich sind allein rund 1600 Brummis zwischen Karstädt und Putlitz unterwegs, nachts sind es immer noch rund 130.

Der Einsatz eines Mess- und Zählgerätes ist ein weiterer Versuch, eine Lösung für viel zu schnelle Brummis im Dorf und gegen den Verkehrslärm zu erzwingen. Alle bisherigen Vorstöße der Gemeinde und des Amtes Putlitz-Berge für eine Geschwindigkeitsbegrenzung, für bauliche Veränderungen, die zum langsam Fahren zwingen und für einen stationären Blitzer blieben erfolglos. Zwar stünde nun ab und zu ein mobiler Blitzer im Ort, doch „erstens nur tagsüber und zweitens ist er schon von weitem sichtbar“, so die einhellige Meinung. Mit der Auswertung der Verkehrsdaten haben die Reetzer nun ein starkes Argument im Kampf um mehr Ruhe im Dorf in der Hand. Dachten sie zumindest. Denn Jürgen Nüsse, Leiter der Kreisunfallkommission, holte die Abgeordneten am Donnerstagabend auf den Boden der Tatsachen zurück. Den Verkehrsexperten hatte man eingeladen, um ihm die Dringlichkeit des Problems zu verdeutlichen.

„Reetz gehört nicht zu den Unfallschwerpunkten im Landkreis“, machte er unmissverständlich klar. In den vergangenen drei Jahren habe es 71 Verkehrsunfälle in der Gemeinde Gülitz-Reetz gegeben, davon 37 im Zusammenhang mit Wild. Innerorts gab es in drei Jahren lediglich fünf Unfälle. Die letzten tödlichen seien eindeutig auf Missachtung der Vorfahrt zurückzuführen, nicht auf Geschwindigkeitsüberschreitungen. „Unsere Priorität liegt klar bei den drei Städten Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge. Dort haben wir 400 bis 500 Unfälle pro Jahr“, so der Leiter der Verkehrsunfallkommission.

Überdies sei Nüsse der falsche Ansprechpartner, wie er erklärte. „Die Entscheidung, ob ein stationärer Blitzer installiert wird, obliegt letztendlich der Bußgeldstelle.“ Verantwortlich für die Landesstraße zwischen Karstädt und Putlitz ist zudem der Landesbetrieb Straßenwesen als zuständiger Baulastträger. Ohne dessen Einwilligung geht gar nichts. Nüsse versprach, sich mit den ausgewerteten Daten an die Behörde zu wenden. Er wolle „einen Antrag stellen, dass versuchsweise ein Tempo-30-Schild für Lkw aufgestellt wird.“ Damit gaben sich die Gemeindevertreter zufrieden. „Wir müssen ja irgendwo anfangen“, so die Meinung der Abgeordneten.

Die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung wollen sie nicht aufgeben. Dabei müsse es gar nicht zwingend ein stationärer Blitzer sein. „Die allerbeste Lösung wäre ein Kreisverkehr“, findet Breitlauch. Von seiner zunächst präferierten Lösung – der Bau einer Verkehrsinsel – riet Nüsse ab: „Das bringt nicht viel. Beispiel Meyenburg: Da fahren die Lkw einfach ungebremst über die Schwelle. Das wäre für euch noch lauter“, sagte er den Reetzern.

Noch vor den Kommunalwahlen im Mai soll es eine weitere Gemeindevertretersitzung geben. Dazu wolle man Vertreter der kreislichen Bußgeldstelle, der Verkehrsüberwachung der Polizei sowie des Landesstraßenbetriebes einladen.

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erstellt am 06.Apr.2014 | 08:00 Uhr

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