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Schlittenhunde in Preddöhl : Die wollen doch nur laufen...

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Jugendhof Preddöhl International e.V. nutzten Kinder und Jugendliche die Ferien für Husky-Fahrten und lernten viel über die Tiere

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Es regnete in den Winterferien, aber wer seine schulfreie Zeit auf dem Jugendhof in Preddöhl verbringen will, der darf nicht zimperlich sein. In dieser Woche verlebte eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus Berlin Erlebnisferien in der Prignitz. Neben Pferden, Ponys, Eseln, Hühnern, Enten und Schafen leben zehn Huskys und zwei andere Hunde bei Lydia Lang, Ute Pemöller und Ulrike Froböse auf dem Hof. Und die Tiere müssen betreut, gepflegt und natürlich bespielt werden.

Ein bisschen in die Hundeseele gucken

Yukon, Inti, Sam, Tala, Nanuk, Amak, Eskil, Elvis, Sila und Lennox heißen die Schlittenhunde, die in der Kinder- und Jugendpädagogik eingesetzt werden. Bei jedem Wetter wollen die Tiere raus auf die Piste. Ihr Bewegungsdrang sei enorm. „Bis auf Lennox, der ist schon 16 Jahre alt und braucht nicht mehr mit auf Tour“, erklärt Ulrike Froböse den Kindern. Es geht locker zu, als sie die Kinder in den richtigen Umgang mit den Tieren einführt. Man muss die Gruppendynamik der Vierbeiner verstehen, um sie richtig zu führen. Denn zum Beispiel Inti und Amak seien im Moment nicht so gut aufeinander zu sprechen. Die Vierbeiner kommen alle aus Tierheimen, sind vom Alter und der Rasse her gut durchmischt, und sie sind sehr zutraulich und kuschelbedürftig. Ein ideales Gespann für einen Schlitten oder Wagen. Florian weiß, was die Huskys so besonders macht. „Sie müssen immer im Rudel leben“, sagt der Schüler. Froböse stimmt zu. „Die sind nicht dafür gemacht, den ganzen Tag alleine zu Haus rumzuliegen. Wenn wir zur Arbeit gehen, dann finden die das todlangweilig und fangen an, Quatsch zu machen“, erklärt sie. Wenn ihnen langweilig ist, dann könnten sie auch über Zäune springen. „Man darf sie draußen nicht von der Leine lassen, denn da ein Hund keine Verkehrsregeln kennt, wäre es für ihn auch gefährlich“, schmunzelt Froböse. Die Kinder haben der Einführung aufmerksam gelauscht und legen sich probeweise schon mal die Bauchgurte um, mit denen sie später die Huskys im Zaum halten werden. Dann geht es in kleinen Gruppen raus auf den Hof.

Routinierte Anspannung bei den Betreuerinnen. Der Wagen wird ausgeparkt und positioniert, die Hunde einzeln aus dem Zwinger geholt und paarweise an einer langen Leine vor das Gefährt gespannt. Auf dem Wagen hat Hundeführerin Lydia Lang Platz genommen, im Sitz hält sich die achtjährige Alma ganz fest. Angst hat sie nicht. „Ich bin nur etwas aufgeregt“, sagt sie. „Wenn sie die Rute absenken und die Ohren nach hinten legen, dann sind die Huskys im Rennmodus“, erläutert Lydia Lang. Ute Pemöller gibt den Leithund und damit das ganze Gespann, frei.

Auf ein Signal schießen die Huskys los. Es geht durch Matsch und Regen. Sie können dabei bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen. Ute Pemöller fährt mit einem Auto vorweg, muss auch schon mal Spaziergänger anhalten und sie bitten, ihre Hunde kurz an die Leine zu nehmen. Dann ein Boxenstopp am Waldrand. Die 13-jährige Anna wusste, was auf sie zukommt und hat sich eine alte weiße Jacke angezogen. Sie bekam die Matschstrecke ab. „Ich glaube, ich bin sonst höchstens einmal im Jahr so schmutzig“, sagt sie und schmunzelt. Da immer nur ein Kind auf dem Hundewagen mit Lydia Lang mitfahren kann, gibt es alle paar Kilometer einen fliegenden Wechsel.

Durch die Wagentour zwischen Preddöhl und Triglitz haben die Hunde etwas Energie gelassen und sind anschließend nicht mehr so kribbelig. Jetzt können die Kinder mit ihnen „nordisch Wandern“. Immer zu zweit und mit einem Geschirr an einer langen Leine führen sie die Huskys mit ihren Bauchgurten. Wie wichtig es ist, gemeinsam Verantwortung füreinander zu übernehmen, lernen sie so nebenbei. „Ihr seid zu dritt ein Mensch-Hunde-Team“, sagt Ulrike Froböse. So ein Hund habe einen eigenen Kopf und könne die Aufregung und Energie der Kinder über die Leine spüren, etwa wenn irgendwo auf dem Feld ein Hase entlang hoppelt. Klare Befehle wie „Halt, Langsam, Nein oder Lauf“ wirken wahre Wunder, versichert sie.

Eine barrierefreie Oase im Osten der Prignitz

„Wir arbeiten seit mehr als 25 Jahren mit Menschen mit Behinderung. Irgendwann wollten wir Naturerlebnisse für Beeinträchtigte anbieten“, erklärt Ute Pemöller. Im Jahr 2002 hat sie mit Lydia Lang durch einen glücklichen Zufall das Gehöft in Preddöhl entdeckt, mit öffentlichen Mitteln und Spenden barrierefrei umgebaut, und seit 2008 gibt es dort Erlebnisferien, die sie ehrenamtlich betreuen. Gerade sind sie in Kontakt mit einem Rollstuhlbauer, der einen Schalensitz für den Hundewagen anfertigt. Damit können auch spastisch Gelähmte eine Ausfahrt machen.

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