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Türnotöffnungen in Perleberg : Die Wehr stellt keine Rechnung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zu durchschnittlich 25 Türnotöffnungen im Jahr werden die Kameraden der Perleberger Wehren gerufen / Wer bezahlt den Einsatz?

von
erstellt am 24.Mai.2016 | 04:45 Uhr

Zu elf Türnotöffnungen wurden die Kameraden der Perleberger Wehren in diesem Jahr bereits gerufen. An die 25 derartige Alarmierungen sind es durchschnittlich im Jahr. Wer bezahlt so einen Einsatz? Redakteurin Doris Ritzka sprach mit Uwe Schleich, zuständig für Feuerwehren und Katastrophenschutz bei der Stadt.

Schlüssel vergessen oder die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel steckt von innen. Was tun?

Uwe Schleich: Den Schlüsseldienst anrufen, denn für so einen Fall ist die Feuerwehr nicht zuständig. Für uns liegt die Betonung auf Notöffnung, sprich, in der Wohnung besteht Gefahr für Leib und Leben. Insofern werden wir auch über die Leitstelle alarmiert.

Eine Gefahrensituation, das heißt …?

Die Person in der verschlossenen Wohnung ist nicht ansprechbar bzw. kann sich nicht bewegen, um die Tür selbstständig zu öffnen. Dieses Szenario trifft in 99 Prozent der Fälle zu. So ist es zumeist auch der Rettungsdienst, der uns im Rahmen der Amtshilfe anfordert.

Allerdings kann eine plötzlich zugeschlagene Tür auch zum Notfall werden. Nämlich dann, wenn sich ein Kleinkind allein in der Wohnung befindet, das Essen auf dem Herd droht, durch den Topf zu brennen, das Bügeleisen eingeschaltet auf dem Plättbrett steht. In einem solchen Fall ist es nicht nur richtig, sondern auch ratsam die Feuerwehr zu rufen. Aber wir kontrollieren auch, ob wirklich eine Notsituation bestand. Wenn nicht, gibt es Ärger und unter Umständen eine Rechnung.

Wer zahlt aber eine Türnotöffnung?

Im weitestens Sinne der Steuerzahler. Die Feuerwehr verschickt keine Rechnungen. Die Rettung von Menschenleben ist ihre originäre Aufgabe. Wie gesagt, die Betonung liegt auf Notöffnung.

Im guten Glauben, dem Nachbarn könnte was passiert sein, wird der Notruf gewählt. Anschließend stellt sich jedoch heraus, dass der Bewohner verreist war. Was dann?

Hier wurde im guten Glauben gehandelt, insofern fallen auch keine Kosten an. Niemand muss Angst haben, dass ihn der Einsatz teuer zu stehen kommt, wenn er eine Gefahrensituation befürchtet und die Feuerwehr ruft.

Die Feuerwehr hat die Lizenz zum Einbruch?

Ja, wir öffnen bei Gefahrensituationen die Türen. Und nein, nicht so ohne weiteres. Denn auch die Polizei ist immer mit an Ort und Stelle. Möglichst zerstörungsfrei versuchen wir zu Werke zu gehen. Doch das ist immer abhängig von der Zeit, die wir haben. Ist Eile geboten, dann wird die Tür auch mit Gewalt geöffnet.

Und wer verschließt sie wieder, wenn der vermeintliche Patient ins Krankenhaus kommt?

Das ist Sache des Eigentümers bzw. des Vermieters. Nachts jenen zu erreichen, ist allerdings oft schwer möglich. So versuchen wir, die Wohnung vor unbefugtem Zugang zu sichern. Dafür haben wir spezielle Schlösser, die wir meist anschließend auch wieder zurückbekommen. Geht das nicht, muss die Wohnung bewacht werden. Auch das gab es schon, aber ist eher die absolute Ausnahme.

Ist es da nicht ratsam, einen Schlüssel für den Fall der Fälle beim Nachbarn zu deponieren?

Wäre eine Möglichkeit, die aber Vertrauen voraussetzt: Schlüssel in einen verschlossenen Briefumschlag und mit der Unterschrift praktisch versiegeln. Familienangehörigen einen Schlüssel zu geben, auch das sollte man in Betracht ziehen. Doch für Alleinstehende ist all das schwierig. Der demografische Wandel macht sich auch hier bemerkbar. Wenn man allein lebt und nicht mehr so gut zu Fuß ist, sollte man sich zumindest nachts immer Licht anschalten, wenn man aus dem Bett muss. Denn ein Sturz kann verheerend sein, wenn ihn keiner mitbekommt.

Nicht immer findet man den Bewohner lebend vor. Warum dann trotzdem eine Türnotöffnung?

Den Tod kann nur ein Arzt bestätigen, doch dazu muss der erst einmal in die Wohnung. Zudem könnten sich auch noch weitere hilfsbedürftige Personen in dieser aufhalten.

Bei einem Verdacht also unbedingt den Notruf wählen. Und dann wird geholfen, oder?

Ja, aber auch der Feuerwehr kann man helfen. Genaue Angaben erleichtern vieles. Ist die Person hinter der verschlossenen Tür ansprechbar. Gelangt man vielleicht auch anderweitig in die Wohnung, sprich durch eine offene Balkontür oder ein offenes Fenster. Das sind wichtige Informationen für die Kameraden.

Die Polizei plant eine Hausdurchsuchung. Wird da auch die Feuerwehr angefordert?

Bei einer geplanten nicht. Da ist Zeit für einen Schlüsseldienst. Muss eine solche aber von jetzt auf gleich erfolgen, dann schon.    

Vielen Dank

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