Die Waschbären sind unter uns

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21. Mai 2013, 06:26 Uhr

Prignitz | So putzig Waschbären auch anzuschauen sind, den Bewohnern der Elbdörfer sind sie schon lange ein Dorn im Auge, ihnen gehen die Tiere gehörig auf die Nerven. Sie stehlen Obst und Eier, zerreißen Müllsäcke, machen die Hunde wild und treiben auf Dachböden ihr Unwesen. Die Anzahl der geschossenen Tiere im Hegering Abbendorf erhöht sich kontinuierlich: Waren es im Jagdjahr 2010/2011 noch 223 Waschbären, sind es jetzt, ein Jahr später, bereits 242, informiert Hegeringleiter Peter Ehrhorn. Er spricht von einer Waschbärenplage und hat den Tieren den Kampf angesagt.

"Die Waschbären machen fast das ganze Jahr über Probleme. Sobald das Thermometer in den Plusbereich klettert, sind sie wieder da, und zwar mitten unter uns", macht Ehrhorn deutlich. So hätten sie seinem Nachbarn über Nacht alle Pflaumen vom Baum geholt. Gelbe Säcke werden mittlerweile hoch oben an Verkehrsschilder geknotet, wo sie die Tiere nicht erreichen können. "Außerdem klauen sie gerne Hühnereier aus den Nestern", weiß Peter Ehrhorn. "Da hilft es auch nicht, die Stalltür zu schließen, denn die Bären sind sehr geschickt und bekommen sie trotzdem auf." Schießen darf Ehrhorn die Waschbären laut Bundesjagdgesetz nur außerhalb von Ortschaften, weshalb er alternativ auf seinem Hof in Zwischendeich so genannte Lebend-Fangfallen aufstellt.

Neu ist das Problem nicht: Eine Zunahme der Waschbären-Population in Brandenburg sei seit den frühen 90er Jahren zu beobachten. "1992 tauchten die ersten Waschbären in unserer Gegend auf", erinnert sich Ehrhorn. Seitdem stieg die Zahl der erlegten Tiere mit jedem Jahr weiter an, wie auch Jörg Smolinski, Mitarbeiter in der unteren Jagdbehörde des Landkreises, bestätigen kann: "Vor allem seit 2009 hatten wir einen enormen Zuwachs in der Prignitz." Doch waren es damals noch 768 erlegte Waschbären, stieg die Zahl zuletzt auf 1447. Davon ausgehend könne man durchaus von einer Waschbärenplage sprechen, zumindest was bestimmte Teile der Region betreffe, teilt Smolinski die Einschätzung Ehrhorns. Allerdings gebe es das Problem nicht nur hier, sondern brandenburgweit. "Der Waschbär ist ein enorm anpassungsfähiges Tier, kann sich geeignete Lebensräume schnell zu eigen machen." Prognosen könne Smolinski zwar keine treffen, er könne sich aber vorstellen, dass die Population in den kommenden Jahren noch weiter ansteige, wenn dagegen nichts unternommen werde. "Die einzige wirksame Möglichkeit ist es, ausreichend Tiere zu erlegen", stellt Smolinski klar. Waschbären stünden nicht unter Naturschutz, Schonzeit sei lediglich während der Aufzucht ihrer Jungen.

Mit Abstand am meisten Bären verenden im Jagdrevier Garsedow, woran laut Peter Ehrhorn maßgeblich die gute Fangjagd des Lütjenheider Jägers Thoralf Theek beigetragen hat. "Damit die Population eingedämmt wird, müssten aber viel mehr Tiere geschossen werden", meint Ehrhorn. Er plädiert für eine Prämie, um Jägern einen Anreiz zu schaffen. Dieser Vorschlag wurde allerdings aus Kostengründen von der unteren Jagdbehörde abgelehnt.

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