Gesundheitsreport : Die Seelen sind krank

Psychische Erkrankungen nehmen in der Prignitz rasant zu

svz.de von
09. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Prignitzer Arbeitnehmer strotzen nicht vor Gesundheit. Sie sind häufiger und länger krank als im Landes- und im Bundesdurchschnitt. Das zeigen die Zahlen der Krankenkasse DAK. Gestern stellte deren Bezirksleiter Benjamin Wiersch den diesjährigen Gesundheitsreport in Perleberg vor.

Seit Jahren nimmt der Krankenstand zu und stieg 2013 erneut an auf 5,4 Prozent. Basierend auf den 16 000 DAK-Versicherten sind täglich 54 Arbeitnehmer krankgeschrieben. Im Land Brandenburg sind es nur fünf Prozent und in der Stadt Potsdam gar nur 4,4 Prozent.

Ungebremst scheint der Vormarsch seelischer Erkrankungen zu sein. Bei ihnen gab es prozentual den höchsten Anstieg im vergangenen Jahr: um 104,3 Prozent. Damit sind sie die dritthäufigste Erkrankung und liegen mit 14,3 Prozent nur noch knapp unter den Erkältungen (14,7 Prozent). Dieser Anstieg lässt sich im ganzen Land beobachten.

„Depression ist unter den psychischen Erkrankungen die häufigste Form“, sagt Wiersch. Aber auch Burnout gehöre dazu. Während man bei einer Erkältung meist nur wenige Tage arbeitsunfähig sei, nehmen die Fehlzeiten bei psychischen Erkrankungen deutlich zu. Für die DAK sei gerade das ein Grund für ihr Angebot des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Daran nehmen aus der Prignitz mehrere Betriebe teil, so Wiersch. Gemeinsames Ziel sei es, die Belastungen der Mitarbeiter zu reduzieren, Prävention auszubauen.

In diesem Zusammenhang verweist der Bezirksleiter auf die Studie „Rushhour des Lebens“. Sie widmet sich den 25- bis 40-Jährigen in deren Lebensphase Beruf und Familie besonders hohe Anforderungen stellen. Bundesweit wurden 3000 Männer und Frauen repräsentativ befragt.

Ein Ergebnis zeigt, dass erwerbstätige Eltern nicht mehr unter chronischen Stress als Berufstätige ohne Kinder leiden. Dennoch sei das Spagat zwischen Beruf und Familie anstrengend, oft machen Eltern Abstriche bei sich. Sie geben an, nicht genug Zeit für sich selbst zu haben, andere haben das Gefühl, den Anforderungen ihrer Arbeit nicht gerecht zu werden.

Daher seien familienfreundliche Arbeitgeberangebote besonders erwünscht. Wunsch und Realität klaffen aber in Brandenburg weit auseinander. 80,3 Prozent würden sich über einen Betriebskindergarten freuen, aber nur 15,3 Prozent steht einer zur Verfügung.

In allen erfragten Punkten werden Elternwünsche nur unzureichend erfüllt: 79 Prozent wünschen sich Gleitzeit, 35,8 Prozent haben sie. 56,3 Prozent möchten von daheim arbeiten, aber nur 20,9 Prozent können das. Größte Annäherung gibt es bei der Teilzeit: 62,1 Prozent wollen sie, 59,6 Prozent steht sie zur Verfügung.

„In Sachen Familienfreundlichkeit haben Arbeitgeber in Brandenburg zum Teil noch Nachholebedarf“, zieht Benjamin Wiersch ein Fazit. Das betreffe insbesondere die Kinderbetreuung. Der Widerspruch zwischen dem Wunsch der Eltern und der Realität erschwere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so Wiersch.


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