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Magie in der Moorscheune : Die Rückkehr des Zauberers

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Thomas Thompson begibt sich mit Partnerin Sia, Meister Eckarts und dem „SchaubudenZauberVariete“ an die Stätte seiner Jugend

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Eine Prise Nostalgie, etwas Grusel, viel verblüffende Zauberei und jede Menge Zuschauer, die sich auf die Darbietungen einlassen wollten, waren das Grundgerüst des „SchaubudenZauberVariete“, das gestern und am Samstag die Boberower Moorscheune erfüllte. „The Sideshow Charlatans“ – die Zauberkünstler Sia und Thomas Thompson – hatten sich Meister Eckarts Kuriositätenkabinett als Verstärkung eingeladen und präsentierten ihre „falschen Wunder von echten Schwindlern“.

Doch nur wenige der Zuschauer in den Reihen wussten, dass mit Thomas Thompson nicht nur ein über Deutschland hinaus bekannter Künstler auf der Bühne stand, sondern auch ein echter Prignitzer. „Ich bin in Pritzwalk zur Schule gegangen und auch in der Region aufgewachsen“, erzählt er im Gespräch mit dem „Prignitzer“. Doch wie wurde aus dem Pritzwalker Schulkind der Zauberer Thomas Thompson?

„Bei uns zuhause herrschte schon solch ein Klima. Mein Großvater hatte immer zwei Kunststücke parat und auch ich hatte schon mit fünf Jahren, noch bevor ich lesen konnte, mein erstes Zauberbuch, mit dem ich anhand von Bildern einfache Tricks lernte“, erzählt Thompson. Mit Zauber-Gags sei er auch im Betrieb des Vaters aufgetreten, bevor das Hobby beinahe komplett verschwand. Erst während
des Lehramtsstudiums der Mathematik sei dieser Bereich zur Wissensvermittlung wieder etwas in den Vordergrund getreten. „Ich kannte ja die Grundlagen und zum Beispiel viele Griffe für Karten. Dann hat sich das immer weiter entwickelt, ich habe Stücke komponiert und wenn man dann keine Auftritte hat, dann sucht man sich welche.“

Die Lösung dafür fand er in der Straßenzauberei, mit der er am Wochenende und in den Semesterferien durch Potsdam zog. „Hier habe ich dann gemerkt, dass man damit auch tatsächlich Geld verdienen und es als Beruf ausüben kann“. Doch bis es dazu kam, fehlte noch ein entscheidender Schritt. In einem Austauschsemester in Finnland lernte er Sia kennen. Die beiden wurden ein Paar und sie folgte ihm nach Deutschland. Auch wenn sie bis dahin nie gezaubert hatte, sprang der Funke schnell über und das Duo „The Sideschow Charlatans“ war geboren.

„Damit erschloss sich eine vollkommen neue Welt der Zauberei – Tricks, die nur zu zweit funktionieren oder dadurch noch spannender werden“, erzählt Thompson. Seit fünf Jahren treten die Beiden nun öffentlich auf, haben mehrere Straßen- und Kleinkunstpreise gewonnen und sind im kompletten deutschsprachigen Raum mit ihren Kunstücken unterwegs.

Bis so ein Trick jedoch zur Attraktion wird, sind meist viele Hürden zu nehmen. „Es gibt hier nur „top oder Flopp‘, denn beim Zauber geht am Anfang immer alles schief. Von der Idee bis dahin, wo man wirklich zufrieden ist, dauert es meist zwei Jahre.“ Wichtig bis dahin ist es trotzdem, den Trick vor und mit den Zuschauern zu proben, denn die sind bei dem Duo oft ein wichtiger Teil des Geschehens. Kleine Rückschläge werden hingenommen und überspielt. „Das geht dann schon in Richtung Mentalmagie, Psychologie, jemanden täuschen – alle Menschen funktionieren hier gleich schwer oder einfach und jeder möchte sich unterhalten lassen. Trotzdem ist es jeden Abend ein neuer Test.“

Vor allem dann, wenn man in seiner Heimat auftritt. „Ich weiß ja wie zurückhaltend die Leute hier sein können. Hier muss man einfach abliefern, um auch nur eine verhaltene Reaktion zu bekommen“, erzählt Thompson. Denn obwohl das Zaubererduo jährlich bis 200 Auftritte absolviert, waren die Prignitzer bisher nur selten Zeugen davon.

Alte Weggefährten unter den Zuschauern zu entdecken sei hingegen nicht mehr hinderlich. „Es ist zwar immer etwas besonderes, aber dafür liegen genug Jahre dazwischen und Erfolg gibt auch immer Sicherheit“, formuliert der Zauberer, der auch derzeit nochzwischen den Auftritten seinen Ruhepol in der Prignitz genießt und in Rambow lebt.

Von dort und aus der Umgebung hatte sich dann auch gleich eine neunköpfige Frauengruppe aufgemacht, um den Zauberer Thompson einmal mit eigenen Augen zu erleben. „Genau deshalb sind wir heute gekommen“, erzählt die Groß Gottschowerin Andrea Schulz.

Dass sie nicht nur sehen, sondern auch selbst agieren durfte, hätte sie im Vorfeld jedoch nicht gedacht. Zusammen mit Meister Eckarts, der sich ganz den Jahrmarktsensationen und der Fakirkunst verschrieben hat, ließ sie Kraft ihrer Gedanken eine Kokosnuss schwarz werden und wurde anschließend Zeuge, wie der meister Glas aß und Nägel in seine Nase schlug. „Die Leute wollen sich gruseln. Ich will sie schockieren und damit aus dem Alltag reißen“, erzählt der Künstler aus Ulm, der das Prignitzer Duo auf internationalen Festivals kennenlernte und nun zum ersten Mal die Heimat Thompsons erlebte.

Dieser freute sich auch sichtlich über die bekannten Gesichter im Publikum und kündigte an, seine Heimat auch einmal wieder dienstlich zu besuchen. Dann sicher auch mit neuen Tricks, denn „wir suchen ständig nach neuen Ideen und irgendwann muss man damit dann raus auf die Bühne.“

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