zur Navigation springen
Der Prignitzer

25. November 2017 | 10:57 Uhr

Die Prignitz verliert ihre Schulräte

vom

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2012 | 10:47 Uhr

Perleberg/Potsdam | Die Prignitz verliert das Staatliche Schulamt Perleberg. Was unsere Zeitung bereits vor Wochen berichtete und vom Ministerium damals noch dementiert wurde, ist seit gestern Realität: Ab 2014 sollen vier Regionalstellen die bisherigen sechs regionalen Schulämter ablösen, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) gestern. "Wir wollen mit weniger Personal eine vergleichbare Qualität der Schulaufsicht sichern", so die Ministerin.

Als Standorte sind Neuruppin, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel vorgesehen. Ziel sei es, die Zahl der Mitarbeiter von jetzt mehr als 300 bis 2015 auf rund 260 zu senken. Insgesamt könnten dadurch fast zwei Millionen Euro im Jahr eingespart werden, hieß es.

Das bezeichnet der Prignitzer Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecher der CDU, Gordon Hoffmann, als "unglaubwürdig". Schon die erste Reform mit der Reduzierung auf vier Schulämter habe keine Einsparung gebracht. Das Gegenteil ist der Fall: "Die Zahl der Schulräte sank, aber die der Mitarbeiter insgesamt stieg an und damit auch die Personalkosten", sagt Hoffmann und verweist auf einen Evaluationsbericht, der dem Bildungsministerium vorliegt.

Aus Hoffmanns Sicht spricht pädagogisch nichts für eine Konzentration. "Schulräte sollten dort sein, wo sie gebraucht werden - an den Schulen." Künftig aber werden sie dort noch viel weniger sein, befürchten er und weitere Kritiker. Wenn schon konzentrieren, dann bitte die reinen Verwaltungsaufgaben, lautet der CDU-Vorschlag. "Werden die Schulräte davon entbunden und das würde gehen, hätten sie für ihre eigentliche Aufgabe mehr Zeit zur Verfügung", so Hoffmann.

Für die Prignitz und ihre Kreisstadt ist die Entscheidung ein herber Schlag, eine erneute Schwächung des berlinfernen Raums. Das Amtsgericht Perleberg verbleibt als einzige Landesbehörde in der Region. Hoffmann wisse nicht, was gegen Perleberg und für Neuruppin spreche.

Die Lage dürfte es ja nicht sein, denn mit Frankfurt (Oder) verbleibt ein Schulamt in äußerster Randlage und einem riesigen Einzugsgebiet. Mit dem Umzug nach Neuruppin verliert der Landkreis zudem einen großen Mieter in seinen Räumlichkeiten. Offen ist, was aus den hiesigen Angestellten wird.

Der Beamtenbund und Tarifunion Brandenburg (dbb) äußerte vor allem Kritik an der Umsetzung des Vorhabens. Die Gewerkschaft sei in die Reform der Schulämter bislang nicht genug eingebunden gewesen, teilte sie mit. Münch erklärte dazu, dass Schulämter, Gewerkschaften und Personalräte mit am Tisch gesessen hätten. Man habe mit Verdi und der Lehrergewerkschaft GEW sowie dem Lehrerverband gesprochen. Auch der dbb solle künftig mit eingebunden werden. Gewerkschaften und Personalräte hatten sich in den vergangenen Monaten wiederholt dafür eingesetzt, die regionale Schulaufsicht und -verwaltung in Form der sechs staatlichen Schulämter zu erhalten. Eine zentrale Behörde hatten sie abgelehnt. Auch um die Mitspracherechte hatte es Streit mit der Landesregierung gegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen