Mehr Unterstützung von Politik gefordert : Die Prignitz hat vier neue Meister

Kämmerpräsident Jürgen Rose im Gespräch mit Friseurmeisterin Kathrin Hahn aus Bad Wilsnack, die seit jeher sehr gern ausbildet. Das werde aber immer schwieriger, da kaum Bewerber da sind und die Anforderungen an die Betriebe höher werden.
Kämmerpräsident Jürgen Rose im Gespräch mit Friseurmeisterin Kathrin Hahn aus Bad Wilsnack, die seit jeher sehr gern ausbildet. Das werde aber immer schwieriger, da kaum Bewerber da sind und die Anforderungen an die Betriebe höher werden.

Handwerker wollen verstärkt auf duale Ausbildung setzen und fordern mehr Unterstützung durch die Politik

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23. November 2015, 17:20 Uhr

209 neue Meister haben am Samstag in Potsdam die Zeugnisse für den erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung erhalten. Unter ihnen befanden sich auch vier Prignitzer. Metallbauermeister Bastian Owczarzak aus Gülitz-Reetz wurde als einer der 13 besten Absolventen aller Gewerke ausgezeichnet.

„Schade, dass in diesem Jahr so wenige Prignitzer dabei waren“, sagte Florian Block, der den Meisterbrief als Maurermeister erhielt. „Ein Grund könnte der hohe Aufwand für die dreijährige Weiterbildung sein mit den ständigen langen Fahrten nach Götz, was viel Zeit und einschließlich der Übernachtungen auch einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeutet. Würde die Weiterbildung an einem näher liegenden Standort erfolgen, wäre vielleicht auch das Interesse größer.“

Fast jedes Wochenende hat der 27-Jährige in den vergangenen drei Jahren für seine Meisterausbildung investiert. Eine besondere Motivation habe er dafür nicht gebraucht, sei schließlich mit dem Bauen und dem Handwerk in der Familie groß geworden. „Schwer war für mich vor allem die Theorie. Die Praxis habe ich ja täglichen auf den Baustellen“, erläuterte Block. Als Meister wird er im auf Altbausanierung spezialisierten Familienbetrieb Andreas Block GmbH mehr Aufgaben übernehmen, beispielsweise in der Arbeitsvorbereitung.

Zum 31. Oktober gehörten aus der Prignitz 1221 Betriebe der Handwerkskammer Potsdam an. Dazu zählen nach Kammerangaben 94 Maurer- und Betonbauer, 74 Friseure, 52 Tischler, 50 Metallbauer, 45 Dachdecker, je 14 Bäcker und Fleischer, zehn Straßenbauer und vier Zweiradmechaniker.

Ihren Problemen und Wünschen, der aktuellen Wirtschaftslage, Geschäftsstrategien und der Fachkräftesituation widmete sich kürzlich die Handwerkskammer im Rahmen der Aktion „Vorstand vor Ort“. Es gab bei Betriebsbesuchen und einer Abschlussveranstaltung rege Diskussionen zur Ausbildung, da viele Gewerbe unter einem Mangel an Kandidaten für Lehrstellen und Fachkräften leiden.

Die Handwerker forderten daher, die duale Ausbildung wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und nicht nur das Studium als lukrativen Zukunftsweg zu propagieren. Insbesondere die Politik habe lange Jahre auf dieses Ziel gesetzt und die Entwicklung damit in die falsche Richtung getrieben. Das duale Studium, bei dem Studenten gleichzeitig in einem Betrieb lernen, soll in Zukunft beide Bildungsansätze stärker verbinden.

Kritik gab es nach Kammerangaben an der überbordenden Bürokratie. Diese halte Betriebsinhaber zunehmend von der eigentlich fachlichen Arbeit ab, für die Handwerksmeister und Gesellen doch ausgebildet seien und die sie in der Regel viel lieber machen als „Papierkram“, konstatierte unter anderem Fleischermeister Uwe Berendt aus Wittenberge.

Friseurmeisterin Kathrin Hahn aus Bad Wilsnack vertrat die Ansicht: „Die Zeiten, in denen das Handwerk goldenen Boden hat, werden wieder kommen“. Einen Grund dafür sieht sie im Fachkräftemangel: Vor einigen Jahren lernten 40 Lehrlinge in der Berufsschule der Regionen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin, derzeit gebe es nur noch sieben Azubis. Es sei heute bereits schwer, einen Handwerker zu bekommen.

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