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Tierheime überfüllt : Die Prignitz hat ein Katzenproblem

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tierheime und Auffangstationen verzweifeln an den vielen Tieren – Virusinfektion könnte zur Gefahr werden

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Niedlich sind sie. Aber für Tierretter und Betreuer in der Prignitz entwickeln sich die Katzen zu einer kaum mehr zu bewältigenden Last. Ausgesetzt oder entwischt, machen sie inzwischen den Landkreis unsicher. Als Haus- oder Hofkatzen sorgen sie für reichlich Nachwuchs, für den es keine Abnehmer gibt. Die streunenden Tiere und die jungen Katzen alle in Tierheimen oder anderen Betreuungseinrichtungen unterzubringen, ist nach Angaben der Betreiber nicht möglich. Einziger Ausweg ist, sie zu kastrieren. Doch auch dafür sind das Geld und die Kapazitäten seit längerem knapp.

„Wir kastrieren regelmäßig nach unseren Möglichkeiten, auch wenn wir trotz jahrelanger Bemühungen keinen Vertrag mit dem Amt Bad Wilsnack/Weisen schließen konnten“, erläutert Cornelia Grothe von der SOS Hundehilfe Prignitz. „Bei Hauskatzen zahlen die Besitzer einen Obolus nach ihren Möglichkeiten, bei Streunerkatzen müssen wir die Kosten aus Spenden finanzieren. Die Zahl der Anfragen und Unterbringungswünsche steigt, aber um ihnen zu entsprechen fehlen uns die Möglichkeiten, wir müssen immer wieder ablehnen.“

Generell sieht Cornelia Grothe ein Jahr für Jahr wachsendes Katzenproblem, dem sich die kommunalen Behörden aber nicht stellten. Von den Tieren gehe keine Gefahr aus, sei immer wieder aus den Ämtern zu hören. „Das Problem ist aber da und wird immer größer, weil die Zahl der Tiere weiter zunimmt. Nötig wären Lösungen in der Region und darüber hinaus, aber diese sind nicht in Sicht“, so die Tierheimchefin.

Auch in der Tierauffangstation Kletzke fühlt sich das kleine ehrenamtliche Team zunehmend vom Katzenproblem überfordert. „Wir werden uns voraussichtlich von rund 20 Katzen trennen müssen, uns fehlen die Möglichkeiten, sie angemessen zu betreuen“, erläutert Lutz Thiele. „Der Pflegeaufwand ist nicht unerheblich, denn potenzielle Abnehmer suchen Hauskatzen. Das heißt, neben Fütterung und Sauberhalten der Unterkünfte müssen wir die Tiere zur Stubenreinheit erziehen. Denn das wird von Interessenten vorausgesetzt und auch geprüft“, so Lutz Thiele. „Aber um das zu erreichen, fehlt uns die Zeit.“ In Kletzke werden mittelfristig voraussichtlich nur alte und kranke Tiere bleiben, die keine Chance haben, ein neues Zuhause zu finden. Für den September wird eine größere Vermittlungsaktion vorbereitet, Interessenten und Unterstützer dafür angeschrieben.

„Das Katzenproblem ist schon seit Jahren akut“, betont auch Fred Poleska vom Tierschutzverein Wittenberge. „Zwischen 130 und 160 Tieren kastrieren wir pro Jahr. Der Bedarf ist riesig, von uns allein nicht zu decken.“ Auch Fred Poleska kennt die Aussage von amtswegen, das von den Katzen keine akute Gefahr ausgehe. Es müsse jedoch endlich eine Lösung gefunden werden, meint er. Das Problem könne nicht einfach immer weiter vertagt werden. Der Tierschutzverein könne über das bisherige Maß hinaus kaum mehr tun. Lösungsansätze müssten von den Behörden kommen.

Dass von streunenden Katzen keine Gefahr ausgehe, stimmt zudem nur bedingt. In einigen Regionen Brandenburgs breitet sich die hochansteckende Katzenstaupe aus. Die Prignitz ist nach Angaben der Kreisverwaltung noch nicht in stärkerem Ausmaß betroffen, greife die Krankheit jedoch auf die Region über, müssten die Kommunen Maßnahmen ergreifen. Wie diese angesichts der derzeit fehlenden Übersicht und der unzureichenden Kapazitäten in den Prignitzer Tiereinrichtungen aussehen könnten, ist jedoch derzeit noch vollkommen unklar.  

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