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Der Prignitzer

20. November 2017 | 18:35 Uhr

Die Prignitz – das unentdeckte Paradies

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Uwe Neumann über die touristischen Vorzüge der Region und warum sie zu den letzten Geheimtipps in der europäischen Reisebranche zählt

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 13:35 Uhr

20 Jahre Landkreis Prignitz nahm die Kreisverwaltung zum Anlass, vergangenes Jahr eine Broschüre herauszubringen. Neben wenigen obligatorischen Eckdaten lernen die Leser interessante Persönlichkeiten kennen, die den Kreis mit ihren Ideen, ihrem Einsatz in diesen zwei Jahrzehnten geprägt haben. Mitgearbeitet an der Broschüre haben Redakteure unserer Zeitung. Einige der Beiträge wollen wir Ihnen vorstellen.

Heute: Uwe Neumann und der Tourismus

Wenige Menschen, keine Großindustrie, kaum Verkehr. Die Prignitz mag ihre Schwächen haben, aber sie hat fraglos eine ganz große Stärke: „Einen total geilen Naturraum, einen Raum, wo man seine persönliche Ruhe finden kann.“ Für Uwe Neumann ist genau das die Antwort auf die Frage: Warum soll ich in die Prignitz reisen? Mühelos stellt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes eine siebentägige Tour zusammen:

Zum Anfreunden mit der Prignitz eine Wanderung durchs Rambower Moor, am besten während der Kranichzeit. Eine Radtour an der Elbe mit Abstechern in historische Stadtkerne. Einen Tag lang in der Kristalltherme Bad Wilsnack die Seele baumeln lassen, bevor es aufs Wasser geht: aktiv im Kanu oder passiv im Stepenitzkahn bzw. auf dem Fahrgastschiff. Burgen und Schlösser zum Abschluss.

Schon sind sieben Tage vorbei und der Gast ist weder Pollo gefahren noch hat er einen Bruchteil unserer Museen und Denkmäler gesehen. Ein Wiederkommen ist vorprogrammiert.

Weltweit suchen Touristen nach den letzten unberührten Paradiesen, nach unentdeckten Flecken und dem wirklich wahren Geheimtipp für die nächste Reise. Die Prignitz kann all das bieten. Noch immer ist sie eine der großen Unbekannten. Statt Bettenburgen und verbauter Sicht aufs Wasser bietet sie eine unglaubliche Vielfalt von individuellen Unterkünften. Die Unesco hat die Flusslandschaft zum Welterbe erklärt. Selbst der Abenteurer und Tierfilmer Andreas Kieling war fasziniert von der Elbe und hat gesagt: „Das hier ist Naturtourismus pur. Bewahrt euch das.“ Worte aus dem Munde eines Mannes, der die ganze Welt bereist hat und Grizzlys mit Lachsen im Maul filmte.

Wir Prignitzer selbst sehen unsere Schätze vielleicht nicht. „Wir leben mit ihnen“, sagt Neumann. Der Storch erfreut uns, bringt uns aber nicht ins Schwärmen. Für die Mehrheit der Deutschen ist es umgekehrt: Sie kennen Störche nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern. Sie in die Prignitz zu locken, ist also nicht abwegig, aber auch nicht einfach, gesteht Uwe Neumann.

Die Prignitz hat keine touristische Vorgeschichte. Damit fangen die Schwierigkeiten an. Historisch war sie ein Begriff, aber wer dachte 1990 bei seiner Urlaubsplanung an sie? „Sie existierte nicht in den Köpfen der Menschen, ja nicht einmal in den Köpfen der Prignitzer, abgesehen von einzelnen Vorreitern wie Bärbel Mann“, so Neumann. Es gab kein Netzwerk. Gerade mal zwei Personen waren im Landkreis beruflich mit Tourismus beauftragt. Entsprechend bescheiden waren die Anfänge.

„Erste Flyer druckten wir in A 4 auf farbigen Papier, das wir einmal falteten. Es gab keine Adresslisten von Anbietern, keine Bettenübersicht und an ein Urlaubsjournal war noch gar nicht zu denken.“ Bis zur Eröffnung der ersten Touristinformation musste eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden. Einzig und allein das Thema Radtourismus spielte sofort eine Rolle. 15 Routen entstanden, zu denen es zwar eine Karte, aber vor Ort keine Ausschilderung gab.

Heute hat sich viel verändert. Die Zahl der privaten Bettenanbieter hat sich seit 1998 von 54 auf 95 fast verdoppelt. Ebenfalls die Gästezahlen. Selbstverständlich gibt es Wegweiser, Broschüren, Internetauftritte, GPS-Radtouren und via Internet kann von unterwegs das Zimmer gebucht und schon mal die Speisekarte des Restaurants studiert werden. In Berlin zeigt das permanente Marketing zunehmend Erfolge. „Wir werden dort immer bekannter, die Berliner kommen zu uns.“ Die Hamburger hingegen seien verhaltener, hätten ja auch weniger Berührungspunkte mit der Region. Aber auch in der Hansestadt wird die Prignitz immer häufiger als Ausflugsziel entdeckt. Die jüngste Eröffnung eines Prignitzer Büros in Hamburg Altona und das Fahrgastschiffprojekt „Kurs Elbe“ werden diesen erfreulichen Trend weiter fördern.

Aber Neumann weiß, dass Berlin und Hamburg allein nicht ausreichen. „Wir haben nicht mehr Mittel, um anderswo intensiv werben zu können.“ Das Geld sei knapp, um so wichtiger sind Mundpropaganda und für diese sei eine sehr gute Qualität der Angebote Voraussetzung. Nur Gäste die sich wohl fühlen, werden die Region weiterempfehlen. Deshalb werde der Tourismusverband weiter auf eine Qualifizierung der Tourismusanbieter drängen.
Die Gästezahlen werden weiter steigen, das Angebot noch besser werden. Daran hat Uwe Neumann keinen Zweifel. Die genannten Stärken der Region werden langfristig eine noch größere Rolle spielen, weil sich die Reiseinteressen in diese Richtung entwickeln. Immer mehr Urlauber suchen Ruhe statt Trubel und immer mehr sind dankbar, wenn sie nicht weit fahren oder fliegen müssen, um diese zu finden.

Wenn Uwe Neumann auf dem Elbdeich steht und sein Blick in die Ferne schweift, hat er eine Vision: In dieser gibt es noch mehr regionale Produkte in der Gastronomie und entlang der Radwege. Anbieter sprechen mit einer Sprache, geben zwischen Wittstock und Lenzen auf die gleichen Gästefragen die gleichen Antworten. Alle Unterkünfte, alle Veranstaltungen sind online buchbar. Immer mehr Touristen kommen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz. Werbung hat ihre Neugier auf die Prignitz geweckt, die mit ihrer Weite und Einsamkeit den Menschen in Süddeutschland fremd und exotisch anmutet, die entdeckt werden will. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, der Zeit braucht. „Aber wir werden sie empfangen und sie werden von der großen Unbekannten fasziniert sein“, ist Uwe Neumann fest überzeugt.  

Bisher erschienen:

Lothar Wedel, 30.12. 2014, S. 12








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