Die neue Woll-Lust greift um sich

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Heike Littmann (l.) mit Teilnehmern des aktuellen Häkelkurses der Kreisvolkshochschule Prignitz in ihrem Handarbeitsstübchen in der Wilsnacker Bahnstraße.Birgit Hamann

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25. Januar 2013, 06:25 Uhr

Bad Wilsnack | Zwei junge Männer aus Oberfranken beflügelten die seit Jahren anhaltende Strick- und Häkelwelle in Deutschland mit ihren handgehäkelten "Myboshi"-Mützen - ein Muss für alle Mützenträger. In die Kurse und Handarbeitstreffs von Heike Littmann aus Bad Wilsnack "verirrte" sich indes noch nie ein Mann. Auch der aktuelle Häkelkurs der Kreisvolkshochschule Prignitz, der am Mittwoch in der Kurstadt begann, ist wieder rein weiblich besetzt.

Heike Littmann hat wenig Zeit, darüber nachzugrübeln. Ihre Lehrgänge, die sie seit 2010 für die Volkshochschule gibt, sind gut besucht. Für den Häkelkurs meldeten sich so viele Interessierte an, dass Ende März gleich noch ein weiterer startet. Die Gründe für den Boom sind aus Sicht der Expertin vielfältig: "Man kann kreativ sein, man erschafft sich selbst individuelle Stücke. Und gerade Stricken ist ja bekanntermaßen auch sehr entspannend, beinahe wie Yoga." Hinzu komme, dass man heute aus einer Vielfalt an Garnen, aber auch an Techniken, Modellen und Anleitungen auswählen könne. "Bei mir hat es ja hier mal mit dem Strickfilzen begonnen", beschreibt sie die Anfangszeit der Volkshochschulkurse. Und momentan steht eben Häkeln hoch im Kurs.

Dass man sich bei Littmanns zum Stricken und Häkeln, auf einen Plausch, trifft, ist allerdings keine Erfindung der Neuzeit und auch keine der Volkshochschule. Seit rund zwölf Jahren gibt es hier die Dienstags-Runde. Um die zehn Frauen aus Bad Wilsnack und Umgebung frönen gemeinsam ihrem Hobby und zahlen in eine gemeinsame kleine Kasse ein, aus der sie einmal im Jahr einen Ausflug finanzieren.

Dass die Maschinenbauzeichnerin, die in der Wittenberger Zellwolle lernte und arbeitete, ihr Hobby einst zum Broterwerb machen würde, ist für Heike Littmann eine Erfüllung. "Ich bin froh, dass es sich so ergeben hat", sagt die 43-Jährige, die seit ihrer Kindheit strickt und häkelt. 1997 übernahm sie das Handarbeits- und Kurzwarengeschäft, das unter anderem auch Tee, Schokolade, Geschenkartikel, Spielwaren, Strümpfe, Schreib- und Miederwaren im Sortiment hat, in der Bad Wilsnacker Bahnstraße von ihrer Mutter. Diese wiederum hatte es 1991 eröffnet. "Mutti strickt schon ewig", meint Heike Littmann. Sie selbst habe die Fertigkeit aber nicht von ihrer Mutter gelernt, sich statt dessen sehr viel autodidaktisch angeeignet. "Und: Ich habe nie aufgehört zu stricken." Wie viele Teile sie bisher anfertigte, wieviel Kilometer Wolle sie verhäkelte und verstrickte, das kann sie nicht einmal erahnen. Natürlich würde sich die Wilsnackerin gern nur auf den Handel mit Wolle und Garnen sowie aufs Stricken und Häkeln - auch im Auftrag von Kunden - verlegen. Allerdings reichen die Umsätze mit solch einem spezialisierten Angebot nicht aus, insbesondere im Sommer, "obwohl ich auch in der warmen Jahreszeit gern stricke, dann am liebsten mit Baumwolle", fügt Heike Littmann an. Hinzu kommt, dass der Stundenlohn bei Auftragsarbeiten sehr gering ist. "Sonst wären die Stücke gar nicht verkäuflich", sagt die Geschäftsfrau, die sich zusätzlich zu ihrer langen Arbeitswoche der Vermittlung von Handarbeitskenntnissen widmet. Dazu gehört schon einiges an Enthusiasmus. "Meine Woche im Laden hat nicht selten 60 Stunden", sagt Heike Littmann. Die Erfolge ihrer "Schüler" jedoch gleichen vieles aus. Zahlreiche Wiederholer in den Kursen zeigen der Wilsnackerin, dass sie mit ihrem Angeboten offenbar den Nerv der Zeit trifft.

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