zur Navigation springen
Der Prignitzer

20. November 2017 | 22:24 Uhr

Die Nacht des kostbaren Flickwerks

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Museen öffnen zu später Stunde in Perleberg die Türen und präsentieren ihre Ausstellungsobjekte / Originalurkunden als Prunkstücke

von
erstellt am 30.Okt.2014 | 15:37 Uhr

Eine Stadt, vier Standorte, ein Name – Perleberger Museumsnacht. Zum siebten Mal konnten jetzt alle Interessierten regionale Geschichte zu später Stunde erleben. Zwischen 19 und 24 Uhr öffneten zwei Museen sowie die St. Jacobi-Kirche und das Perleberger Rathaus unter dem diesjährigem Motto „Flickwerk“ ihre Türen.

Dass damit keineswegs geringwertige Objekte gemeint sind, wurde bereits während der offiziellen Eröffnung im Oldtimermuseum deutlich. „Mit dem Wort ,Flickwerk‘ verbindet man immer auch Werkstätten sowie reparieren und ergänzen. Dies trifft ebenso auf unsere Museumsgegenstände zu“, formulierte es Bürgermeister Fred Fischer, der sich zu diesem Anlass Prof. Dr. Rüdiger Bähr an die Seite geholt hatte. Der Magdeburger Universitäts-Professor und seine Studenten sind Teil einer Kooperation, die in naher Zukunft die Dampfmaschine aus dem ehemaligen Dampfsägewerk überprüfen und den Perlebergern als Fachleute zur Seite stehen sollen.

Doch an diesem Abend zeigte sich der Magdeburger Professor angetan von der Stadt. „Mit dem Rathaus und dem Wasser erinnert Perleberg etwas an Lübeck. Es ist heute zwar das erste, aber sicher nicht das letzte Mal, dass ich hier bin“, erklärt Dr. Bähr noch, bevor er sich, ebenso wie die übrigen Besucher wieder den Exponaten der Oldtimeraustellung widmet.

Einer von ihnen ist auch ein junger Mann aus Berlin, der in der Halle eine besonders persönliche Entdeckung macht: „Ich bin zu Besuch und betrachte gerade den DKW hier. Das war das erste Auto meines Vaters und er hat immer davon geschwärmt. Ich habe so einen noch nie irgendwo gesehen“, kommt auch er – wie einst sein Vater – ins schwärmen.

Allgemein waren diese nächtlichen Stunden voller ungewöhnlicher und manchmal auch einmaliger Ansichten. So wurden im Stadt- und Regionalmuseum nur an diesem Abend die zwei Originalurkunden gezeigt, die als älteste Zeugnisse für die Existenz Perlebergs als Stadt im Rechtssinn gelten – die Abschrift des Dokuments zur Erteilung der Privilegien für die Schustergilde vom 27. März 1239 sowie die sieben Monate jüngere Urkunde zum Salzwedeler Recht.

„Diese Stücke habe alle Kriegswirren überlebt. Die Stadt kann sich glücklich schätzen sie zu haben, deshalb werden sie noch heute Nacht in den Tresor zurückgelegt“, erklärt Frank Riedel vom Stadtmuseum. Die Dokumente werden dann, wie Bürgermeister Fischer im Vorfeld ankündigte: „erst wieder in 20 Jahren, wenn überhaupt, noch einmal herausgeholt“.

Ebenso eindrucksvoll war der Blick, den Christian Dammaß in den oberen Stockwerken des Perleberger Rathauses erhielt. Hinter schweren Eisentüren offenbarte sich ein Gefängnis. „Dass hier eine Zelle ist, war mir nicht bekannt. Schön, dass das Rathaus in diesem Jahr an der Museumsnacht teilnimmt“, so der Spiegelhagener. Gleichzeitig bringt Martina Hennies ein Stockwerk höher den Besuchern die Rathausuhr näher. Die Organisatorin war mit der Resonanz an diesem Abend zufrieden, doch steht die Zukunft der Veranstaltung in den Sternen: „Am Donnerstag folgt die Auswertung mit allen Beteiligten, erst dann werden wir entscheiden ob und wie es weiter geht.“

Worte, die Wolfgang Schröder wie viele andere wohl nicht gerne hören würde. „Die Erläuterungen sind allgemein toll, aber am schönsten war für mich die Turmbesteigung in der St. Jacobi-Kirche. Ich war noch nie dort oben. Bei der Museumsnacht entdeckt man immer etwas neues, auch als Perleberger“, resümiert der Prignitzer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen