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Der Prignitzer

25. November 2017 | 12:36 Uhr

Bärbel Mann : Die Mutter des Tourismus’

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit 27 Jahren schmiedet Bärbel Mann touristische Ideen für die Reiseregion Prignitz – ein Portrait über die Freundin der Kleinen Dott

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 15:51 Uhr

Wenn ein Plakat überschrieben „DDR – Kleinstädtisches Flair“ Aufsehen erregt und Journalisten anlockt, muss das eine ganze Weile her sein. Mehr als ein Vierteljahrhundert. Genau wurden es im Januar 27 Jahre. 1990 stand Bärbel Mann mit diesem Plakat von der 600-Jahr-Feier Bad Wilsnacks auf der Reisemesse in Hamburg. Es war die Geburtsstunde des Prignitzer Tourismus. Man könnte auch sagen, Bärbel Mann ist die Mutter des Tourismus’ in unserer Region.

Um Worte ist Bärbel Mann nie verlegen. Allenfalls bei der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Oder wenn der Landkreis ihr eine Replik des Dreikönigsrings aus Meyenburg schenkt. Eine kleine Geste, die sie zu Tränen rührte. Heute trägt sie ihn am Finger.

Wir sitzen in der Stube ihres Bad Wilsnacker Elternhauses in der Lindenstraße. Kein Raum, kein Platz an dem nicht etwas steht, liegt oder hängt. Es wirkt ein wenig wie in einem vollgepackten Heimatmuseum, aber wenn Bärbel Mann die Dinge zur Hand nimmt, werden sie lebendig, kann sie zu allem eine Geschichte erzählen. Und wenn sie redet, hört man ihr gerne zu.

Als sie 1981 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Eberhard von Eberswalde zurück in die Stadt ihrer Kindheit zog, plante Wilsnack seine 600-Jahr-Feier. Ihre Erfahrungen mit der 750-Jahr-Feier in Eberswalde waren frisch. „Ich riskierte eine große Klappe und wurde Vorsitzende der Arbeitsgruppe.“ Bärbel Mann schrieb am Drehbuch mit, profitierte von den vielen Geschichten, die ihr Opa einst über die Stadt und Umgebung erzählt hatte.

Einmal begonnen, mochte sie nicht aufhören. Bärbel Mann organisierte Ausstellungen, Gesprächsabende, Lesungen, Konzerte. Zunächst im Haus des Gastes für die Kurpatienten später in Gaststätten und Cafés der Stadt. Zusammen mit ihrem Mann stellte sie fünf kleine Wanderungen zusammen, schilderte die Routen aus.

Die Grenzen nach Westdeutschland waren noch keine vier Wochen geöffnet, da fuhr sie nach Bad Bevensen. „Ich wollte Anregungen bekommen.“ Das erste was sie erfuhr, ließ sie erschrecken: „Man muss um Kurgäste werben. Das war für uns neu, wir bekamen sie in der DDR zugewiesen.“ Nicht weniger wichtig der zweite Tipp: Kur und Tourismus miteinander kombinieren. Ein Rezept, das sie aufgriff und welches bis heute konsequent angewendet wird.

Bärbel Mann lernte schnell. Auch dass die Presse wichtig und hilfreich sein kann. „Man muss sich verkaufen.“ Das tat sie sofort mit Erfolg auf jener Reisemesse in Hamburg mit dem erwähnten Plakat. Bad Wilsnack kam erstmals bundesweit in die Medien und sie erhielt Einladungen zu weiteren Messen.

Manchmal muss man ohne groß zu fragen, handeln. Dieser Maxime folgte sie 1991 auf der Internationalen Tourismusmesse Berlin. Eine riesige Karte stellte den zehntausenden Besuchern das neue Bundesland Brandenburg vor – aber unvollständig, wie Bärbel Mann sofort bemerkte. Die Prignitz fehlte. „Ich nahm einen Filzstift, trug die Elbe, Wittenberge, Perleberg und Bad Wilsnack ein. Die Leute mussten erfahren, dass es uns gibt.“ So einfach kann Marketing sein.

Sie suchte und fand Mitstreiter. Im Gespräch fällt immer wieder Dr. Wolfgang Neuberts Name. Der Gründer der KMG-Kliniken ließ ihr viel freie Hand, unterstützte finanziell. Hans Borchert aus Lanz, Professor Bernhard von Barsewisch aus Wolfshagen oder Jürgen Srajer aus Abbendorf. Sie alle gehören zu den Akteuren der ersten Stunde. Die größeren Städte waren weniger leicht für touristische Ideen zu begeistern. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif dafür, zum Beispiel in Wittenberge. „In dem damaligen Zustand konnte man die Stadt nicht vermarkten“, sagt Bärbel Mann.

Zwei Projekte wuchsen ihr besonders ans Herz: die Plattenburg und die Kleine Dott. Auf der Burg organisierte sie den ersten Fremdenverkehrstag mit einem mittelalterlichen Programm: Tänzerinnen, Gaukler, Musiker – die Geburtsstunde des heutigen Spektakels, welches im nächsten Jahr seine 20. Auflage erlebt.

Die Romanfigur der Kleinen Dott symbolisiert für Bärbel Mann wie nichts anderes die Prignitz. „Sie ist die wahre Identifikation.“ Ihre wundersame Reise auf dem Rücken des Reihers Gurian führt sie nicht nur zu den wichtigsten Plätzen der Prignitz, sondern weit darüber hinaus. „Die Kleine Dott verbindet Regionen miteinander, sie steht für gemeinsames Handeln, für Partnerschaften und Verbündete.“ Alles, was eine touristische Region braucht.

Dass nicht die Dott, sondern ein stilisierter Storch das Wappen des Tourismusverbandes ziert, bezeichnet sie als einen Fehler. Vergeblich habe sie für die Kleine Dott gekämpft. Vergessen ist das kleine Mädchen aus der Feder von Tamara Ramsay aber nicht. Dafür sorgen Bärbel Manns Lesungen, die sie bis heute unermüdlich hält.

Sie referiert über die Geschichte ihrer Heimatstadt, über das Wilsnacker Moor. Sie führt Reisegruppen durch die Wunderblutkirche, schreibt das jährliche Drehbuch für das Theaterstück zum Pilgertag.

Der Tourismus habe ein Niveau erreicht, an das selbst sie 1989 nicht zu glauben wagte. Ob Radwege, Hotels oder Tauchturm auf der Ölmühle – das Angebot ist reich und teils exklusiv. Für Wilsnack hat sie dennoch viele Ideen. „Uns fehlt eine Konditorei und ein Eiscafé.“ Der Lindenplatz biete ungenutzte Potenziale, Bänke vor den Häusern und Bürger, die sich mehr für ihre Stadt engagieren.

Wer Bärbel Manns Worten lauscht, beginnt nachzudenken. Sie wirft Samen aus, aus denen touristische Anziehungspunkte werden können. Ihre Kraft scheint unerschöpflich zu sein. Bärbel Mann ist und bleibt eine Botschafterin der Prignitz, die Mutter des Tourismus’.

 

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