Die Lausitz sorgt sich um Vattenfall

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07. Oktober 2011, 08:16 Uhr

Jänschwalde | Steht die Braunkohle aus Brandenburg vor dem Aus? Ein Interview des Chefs des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall, Øystein Løseth, sorgte für einige Aufregung im Land. Der Manager hatte in einem Interview erklärte, das Unternehmen prüfe den Verkauf oder die Stilllegung von Kohlekraftwerken in Deutschland. Zwei davon stehen in Brandenburg: Schwarze Pumpe und Jänschwalde.

In Stockholm wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Anlagen mit ihrem hohen Ausstoß an Kohlendioxid nicht in die Firmenstrategie passen. Vattenfall will seine Emmissionen deutlich senken. Dabei geht es vor allem ums Geld. Ab 2013 steigen die Kosten für CO2-Zertifikate.

Nach kurzer Aufregung ist in der Lausitz mittlerweile klar: Vorerst bleibt alles beim Alten. "Über den Verkauf wird nicht geredet", sagte Thoralf Schirmer, Sprecher in Brandenburg. "Wir gehen davon aus, dass Braunkohle langfristig ein Energieträger bleiben wird."

Bei den beiden Anlagen im Land handelt es sich um Grundlastkraftwerke. Sie sollen eine sichere Stromversorgung gewährleisten. Nach dem beschlossen Ausstieg aus der Atomkraft, werde ihre Bedeutung zunehmen, so Schirmer. Zwar werden regenerative Energien zunehmend wichtiger, das Ende der Braunkohle sei damit aber nicht besiegelt.

In Jänschwalde plant Vattenfall für die Zukunft. 1,5 Milliarden Euro will der Konzern dort in eine Demonstrationsanlage für das so genannte CCS-Verfahren investieren. Mit dieser sollen die Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid erprobt werden. Das Gas soll in mehreren hundert Metern Tiefe verpresst werden. Entsprechende Anträge auf EU-Förderung waren gestellt. Doch der Bundesrat lehnte das Gesetz ab. Aber: "CCS bleibt eine Option für Jänschwalde", betonte Schirmer. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung etwas tut." Solange es aber rechtlich keine Sicherheit gibt, liegt das Projekt auf Eis. Vorerst.

Der Abbau von Braunkohle und die Verstromung sind das wirtschaftliche Rückgrat Südbrandenburgs. Allein in Brandenburg und Sachsen arbeiten 8000 Menschen für Vattenfall, 600 davon sind Auszubildende. Hinzu kommen Fremdfirmen und Lieferanten.

Auch die öffentlichen Kassen sind angewiesen auf die Steuerzuflüsse des Unternehmens. Als dieses wegen der Stilllegung von zwei Atomkraftwerken starke Gewinnrückgänge in seinen Bilanzen auswies und weniger Gewerbesteuer bezahlen wird, musste der Oberbürgermeister von Cottbus den Haushaltsnotstand ausrufen.

Vor allem die Gegner der Braunkohlewirtschaft fordern seit langem einen alternativen Entwicklungsplan für die Region. Die Anwendung von CCS ausschließlich in Brandenburg lehnt das Platzeck-Kabinett wegen der Proteste an den ostbrandenburgischen Speicherorten ab.

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