zur Navigation springen
Der Prignitzer

20. November 2017 | 01:35 Uhr

Die lange Geschichte eines Mordfalls

vom

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2012 | 09:37 Uhr

Meyenburg | Es war nicht nur ein spektakulärer, sondern sogar ein historischer Fall: Der Überfall im Januar 1991 auf die Sparkasse Meyenburg gilt als der erste bewaffnete Raubmord in den neuen Bundesländern. Was damals geschah, warum einer der Täter zunächst auf freiem Fuß blieb, Jahre später aber doch verurteilt wurde, berichtet heute das MDR-Fernsehen ab 21.15 Uhr in der Sendung "Die Spur der Täter".

Am 17. Januar 1991 überfallen zwei Berufsverbrecher aus den alten Bundesländern die damals kaum gesicherte Sparkasse in Meyenburg und erbeuten etwa 11 000 DM. Zwei Stadtarbeiter bemerken das und versuchen, die Täter zu stellen. Doch die Bankräuber sind aggressiv, schlagen den ersten der Stadtarbeiter nieder und zertreten ihm mit einem gezielten Fußkick den Brustkasten. Mehrere Rippen brechen.

Der zweite Stadtarbeiter Horst-Dieter F. kann dem größeren der beiden Räuber eine der zwei Strumpfmasken vom Kopf reißen. Als er jedoch auch noch mit einem Kuhfuß dem Täter auf den Rücken schlägt, ziehen die Räuber ihre Waffen: Beide schießen und treffen Horst-Dieter F. Kurze Zeit später stirbt er an der dabei zerfetzten Hauptschlagader.

Die Täter flüchten mit einem zuvor gestohlenen VW Golf, der unweit der Autobahnauffahrt Pritzwalk einen Tag später gefunden wird. Ein weiterer Zeuge hatte zuvor noch versucht, mit seinem eigenen VW Jetta eine Straßensperre zu bilden und dem Golf GTi zu verfolgen, was sich aber als aussichtslos erwies.

Es gibt einen Toten, es gibt Projektile und Hülsen unterschiedlicher Kaliber. Es gibt Blutspuren von den Tätern, die abgerissene Strumpfmaske und sogar ein Phantombild. Doch der Fall kann trotz intensiver Ermittlungen zunächst nicht aufgeklärt werden.

15 Jahre später gibt es einen neuen Hinweis. Ein namentlich bekannter Zeuge will von einem Dritten angeblich Täterwissen zu dem Fall gehört haben. Polizei und Justiz rollen den Fall wieder auf. Der Hinweis erweist sich als reine Kneipenprahlerei, aber für die Neuruppiner Mordkommission ist dies Anlass, die Spuren- und Ermittlungslage vor dem Hintergrund neuer technischer Möglichkeiten noch einmal zu überprüfen.

Eine Expertin des Dezernates für Forensische Biologie am Brandenburger LKA findet im Frühjahr 2007 tatsächlich in einer in dem Golf aufgefundenen weiteren Strumpfmaske Hautschuppen und kann aus diesen das DNA-Profil eines in Niedersachsen erfassten Straftäters extrahieren. Ein zweiter Experte weist dann später noch nach, dass ein an diesem Golf gesicherter Handflächenabdruck auch vom Verdächtigen Klaus B. stammt.

1963 in Hamburg, hatte der von seinen damals 44 Jahren bereits mehr als zehn wegen verschiedenster Delikte eingesessen. Nach seiner Festnahme spielte er den Überraschten, stritt jegliche Beteiligung an dem Überfall ab und gab vor dem Perleberger Haftrichter gar zu Protokoll: "Bei Menschenleben hört bei mir der Spaß auf",

Und fast wäre er davon gekommen. Mit seinen Äußerungen und Erklärungen zu den DNA-Spuren hatte Klaus B. im November 2007 das Landgericht Neuruppin fast überzeugt, wie unsere Zeitung damals berichtete. Aus Sicht des Gerichts habe kein dringender Tatverdacht bestanden, der Mörder kam auf freiem Fuß.

Doch die Staatsanwaltschaft blieb hartnäckig. Im Februar 2008 das Urteil: lebenslang in diesem reinen Indizienprozess. Klaus B. scheiterte wenige Monate später mit seiner Revision am Bundesgerichtshof.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen