Die Krähen bleiben in der Stadt

<strong>Die Gitter sollen</strong> Krähen davon abhalten, sich aus dem Mülleimer zu bedienen.
Die Gitter sollen Krähen davon abhalten, sich aus dem Mülleimer zu bedienen.

svz.de von
03. Juli 2012, 10:12 Uhr

Wittenberge | Krähen, darunter die vom Gesetzgeber auch sehr streng geschützten Saatkrähen, lassen bei ihrer Futtersuche auch den großen Innenhof der Gewoba hinter der Maxim-Gorki-Straße nicht aus. Einigen Anwohnern macht das Sorgen. Schließlich stehen auf dem Hof große Bäume. "Mich stören diese Vögel", meldet sich Gisela Steinke beim "Prignitzer" und berichtet von ihren und von den Befürchtungen einiger Anwohner, die Krähen könnten auch noch auf die Idee kommen, im Innenhof die Bäume zum Nisten zu nutzen. Deshalb erwarte sie, dass gegen die Krähen, egal, ob geschützt oder nicht, etwas getan wird.

Ein Vorschlag, der kaum Chancen auf Realisierung hat. Denn das Argument, die Vögel würden stören, reicht nicht aus, zumal, so sagen andere Mieter, nennenswerte Beeinträchtigungen beispielsweise durch Exkremente nicht festzustellen seien.

"Selbst wenn es auf dem Hof zwei, drei oder vier Nester geben sollte, könnte man noch nicht von einer Beeinträchtigung reden, die die Vergrämung einer geschützten Art, wie sie die Saatkrähen ja sind, rechtfertigen würde", sagt Peggy Heyneck, Leiterin Sachgebiet Umwelt im städtischen Bauamt. Die Entscheidung, ob Saatkrähen durch Vergrämungsmaßnahmen im Frühjahr am Brüten gehindert werden dürfen, trifft auf Antrag die untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung.

"Fachlich helfen wir natürlich gern weiter, sowie es uns möglich ist", sagt Heyneck. So auch in Bezug auf die Gewoba. Auch die Genossenschaft hat das Thema Krähen, nachdem die ersten Sorgen auftauchten, thematisiert. "Wir haben auf unserer Hauptversammlung zum Sachstand informiert", sagt Gewoba-Geschäftsführerin Petra Himburg. Fakt sei, Vögel suchen auf dem Hof wie auf sehr vielen Freiflächen in der Stadt nach Futter. Es gebe aber keine Nester auf den Bäumen im Hof.

Ob die Saatkrähen eines Tages den Innenhof für sich entdecken, kann sicher niemand mit Gewissheit sagen. Fakt ist aber laut Peggy Heyneck, dass die geschützten Vögel sehr hohe Bäume bevorzugen, ihre Nester gern auf Platanen und Linden bauen. Ausnahmsweise, wenn der Brutdruck zu groß sei, haben Krähen in wenigen Fällen auf Birken genistet. Besonders angetan haben es den schwarzen Rabenvögeln die Platanen im Park zwischen Perleberger Straße und Seniorenpflegeheim Stein-Hardenberg-Straße. "Wir sprechen hier von einer Brutkolonie mit zeitweise bis zu 180 Paaren", verdeutlicht die Umweltfachfrau die Größenordnung. Für diesen Park hatte die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vergrämungen genehmigt, allerdings auch nur so lange, wie die geschützten Tiere nicht mit der Brut begannen. An der Jahnschule durften die großen Linden auf dem Schulhof in diesem Jahr in der Krone dezimiert werden. Ein Baum allerdings blieb von der Säge verschont, die Krähen waren mit dem Nestbau schneller.

"Von Natur aus sind die Krähen Wald- und Wiesenvögel. Wenn sie in der Stadt aber bequem Nahrung finden, dann zieht es die Vögel natürlich in die Nähe der Menschen", sagt Heyneck. Mit anderen Worten, manches sogenannte Krähenproblem sei vom Menschen gemacht. Auf dem Schulhof beispielsweise finde sich das eine oder andere Pausenbrot. Kein Wunder, dass die Rabenvögel dort ihre Nester bauen. "Wir raten auch dazu, die gelben Säcke erst an dem Tag herauszustellen, an dem sie abgeholt werden. Krähen machen sich gern über den Inhalt her", erklärt die Umweltfachfrau. Sie rät auch, keine Lebensmittel in Abfallbehälter oder auf die Komposthaufen zu werfen. Derartige Nahrung halte die Vögel in der Stadt.

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