Die Kinder der Sophienstraße

Sie kamen zum Treffen, und es gab eine Menge zu erzählen.
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Sie kamen zum Treffen, und es gab eine Menge zu erzählen.

Wiedersehen für einige nach vielen Jahren und Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit in den Wittschen Blöcken

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18. Juli 2014, 10:55 Uhr

Die Sophienstraße, genauer gesagt die Wittschen Blöcke, das ist ihre Kindheit. „So um die 50 Kinder waren wir damals, die jüngsten konnten gerade mal laufen, die ältesten waren so um die 15,16 Jahre alt“, erinnert sich Doris Leuschner. Sie ist es auch, die vor Jahren die Idee hat zum Treffen der Kinder der Sophienstraße. Dem ersten folgt ein zweites, an dem auch die etwas jüngeren Jahrgänge teilnehmen. Zum Stadtjubiläum trafen sie sich nun wieder, und da wurde natürlich in Kindheitserinnerungen geschwelgt.

Der Innenhof war ihr Spielplatz. Über die Bullenwiese ging es in die Badeanstalt, gerodelt wurde beim Weinberg, erzählt Dieter Schwarz. Sie waren alles andere als Stubenhocker, vielmehr wurde um jede Minute gefeilscht, wenn es nach oben gehen sollte. „Unser Vater war bei der Bahn. Wenn der das Signalhorn ertönen ließ, hieß das, die Schwarzen müssen nach Hause. Und alle anderen folgten.“

„Wir hatten eine schöne Kindheit. Niemand hatte viel, etliche waren auch Flüchtlingsfamilien, also mussten wir uns was einfallen lassen“, so Brigitte Zander, geborene Sczech. Die Trauerweiden auf dem Hof wurden zu Schaukeln, die Holzmieten waren ideale Verstecke, und aus dem Neue Mühler Wald holten die Jungs Baumstämme. „Auf der Stepenitz haben wir sie geflößt und dann daraus ein Reck gebaut. Das war unser erstes und einziges Spielgerät, aber unser ganzer Stolz“, weiß Dieter Schwarz.

Derweil wurden die Keller zum Theater. „Alle gängigen Idole, wie Theo Lingen und Marika Rökk, haben wir nachgespielt. Wir hatten unser eigenes Theater“, berichtet Doris Leuschner.

Bei „Hans kik um de Eck“ hatten alle einen Mordsspaß und „wenn Opa Kopplow mit seiner Trillerpfeife die Stare verjagt hatte, dann saßen wir in den Kirschen“, gesteht Ute Schumacher, geborene Gerloff. Nie habe sie gern ein Dirndl getragen, außer, wenn es in die Kirschen ging. „Da passten eine Menge rein.“

Heimlich wurde im Keller die erste Zigarette probiert. Und noch heute muss jeder lachen, wenn die Rede auf Monis Brühwürfelsuppe kommt, die alles andere als genießbar war.

Zur Schule ging es gemeinsam – die Mädchen in die Wilsnacker Straße und die Jungs in die Knabenschule, heute Rolandschule. „Auf dem Weg kam man bei Oma vorbei. Und die hatte immer Schokolade oder Bonbons für uns“, erinnert sich Christa Porep, geborene Raab. Und wenn dann die Erwachsenen von der Arbeit kamen, traf sich alles vor dem Haus, wurde auf den Stühlen geschnattert und getratscht. Der Schriftsteller Jürgen Borchert, der übrigens auch ein Kind der Sophienstraße war, hat in seinem Feuilleton Klappersteine, diese Situation trefflich beschrieben.


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