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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 18:15 Uhr

Die Kanzlerin spazieren geschoben

vom

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 06:10 Uhr

Karstädt | Als Marie-Luise Sauer (verheiratete Buth) aus Karstädt und weitere 13- bis 15-Jährige im Jahr 1955 Kindermädchen spielten, dachte keine von ihnen daran, dass aus dem einjährigen Baby, das da im Kinderwagen lag, einmal eine Bundeskanzlerin wird und diese jetzt gar eine dritte Amtszeit antritt.

"Ich gehörte damals der Jungen Gemeinde in Karstädt an und zur Jugendarbeit fuhren wir nach Quitzow ins Pfarrhaus", erzählt Marie-Luise Buth. Evangelischer Pfarrer und für Jugendarbeit zuständig war dort damals Horst Kasner (1926-2011), der 1954 mit seiner Frau und der gerade geborenen Tochter Angela in die DDR übersiedelte. Laut Wikipedia werden als Gründe für den Umzug "Wünsche des Hamburger Bischofs Hans-Otto Wölber vor dem Hintergrund des damaligen Pfarrermangels innerhalb der DDR genannt, dem die westdeutschen Landeskirchen entgegenwirken wollten".

Die Jugendarbeit mit Spielen, Bibelarbeit, Singen und weiteren Angeboten machte den Mitgliedern der Jungen Gemeinde viel Spaß. Zwischendurch blieb für die Mädchen Zeit, das Baby der jungen Pfarrersfamilie auszufahren. "Erst auf der Goldenen Konfirmation meiner Jugendfreundin Christine Zabbè, die heute in Wittenberge wohnt, erfuhr ich, wen wir damals im Kinderwagen chauffierten", schmunzelt Marie-Luise Buth. Die heute 73-Jährige hatte den weiteren Werdegang der Familie Kasner nach dem Wegzug aus Quitzow aus den Augen verloren. Horst Kasner siedelte nach Templin über, wo er beim Aufbau eines Seminars für kirchliche Dienste, später Pastorenkolleg, als Weiterbildungsstelle der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg mitwirkte und

hier tätig wurde. Durch Heirat wurde aus Angela Kasner 1977 Angela Merkel (Scheidung 1982; zweite Ehe 1998 mit Joachim Sauer). Es liegt Marie-Luise Buth fern, groß Aufhebens zu machen mit der Angela-Begegnung vor 58 Jahren.

Erst durch viel Überreden ließ sie sich bewegen, über das Kinderwagen-Promi-Erlebnis zu erzählen. Womit sie aber nicht hinterm Berg hält: "Angela Merkel hat als Bundeskanzlerin meine Sympathie und Anerkennung. Ich steh’ zu ihr, das hat weniger mit dem Kinderwagen-Erlebnis zu tun, sondern mit ihrer Sachlichkeit. Sie kämpft sich durch und verfolgt standhaft ihren Kurs. Dass sie jetzt als Frau eine dritte Amtsperiode antritt, ist schon eine besondere Leistung", wertet die Karstädterin das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl.

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