Schulpolitik : Die Idee vom Prignitz-Gymnasium

Bürgerdialog über die Zukunft der Region: Eine gemeinsame Schule würde die Qualität der Ausbildung steigern, sagen Schüler.

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23. November 2015, 08:00 Uhr

Auf das Jahr 2030 richteten sich die Blicke von Bürgern und Kommunalpolitikern vor einer Woche. Am vergangenen Samstag ging der Blick bis ins Jahr 2025. Beim ersten Prignitzer Bürgerdialog standen die seit Jahren immer wiederkehrenden Fragen im Mittelpunkt: Wo steht die Region heute, was sind ihre Stärken und Schwächen? Welche Potenziale gibt es, was fehlt, was ist erhaltenswert?

Und so gab es zumeist ähnliche und schon häufig gehörte Antworten. Allerdings mit einer Ausnahme: das Prignitz-Gymnasium. Diese Idee wurde selten zuvor so konkret formuliert. Schüler waren es, die diesen Vorschlag präsentierten. Bei immer weniger werdenden Schülern, leide die Qualität der gymnasialen Ausbildung, da die Gymnasien nur eingeschränkte Angebote unterbreiten können.

Beispiele zählten Daniel Pöhl und Jonas Henle für ihr Perleberger Gymnasium auf: „Wir haben keine Leistungskurse in Informatik, Chemie und Physik“, sagten die Schüler der zehnten Klasse. Auch Französisch werde das zweite Jahre in Folge nicht mehr für die neuen siebenten Klassen angeboten.
Es liege nicht am fehlenden Willen der Schule, sondern an der zu geringen Schülerzahl. Diese reiche für ein größeres Kursangebot nicht aus. „Aber wir Schüler bräuchten solche Leistungskurse als Vorbereitung auf unser Studium“, sagte Daniel Pöhl. Deshalb plädieren sie für ein gemeinsames Gymnasium mit Wittenberge. Dann wären gewiss auch weniger Schüler in den Klassen, nannten sie einen weiteren Vorteil und die Sekundarstufe I ab der elften Klasse müsse nicht um ihren Fortbestand fürchten, da sie automatisch mehr Schüler hätte.

Der Wittenberger SPD-Stadtverordnete Marcel Elverich kann die Argumente nachvollziehen. „Eine spannende Idee. Ein Gymnasium mit verschiedenen Standorten müsste doch zu organisieren sein“, sagte er. Elverich wolle das Thema an seine Kreistagsfraktion herantragen. Der Kreistag entscheidet über Anzahl der Gymnasien und ihre Standorte.

Alle anderen genannten Punkte, ergaben kaum neue Impulse. Bei der anstehenden Kreisreform mögen die Einsparpotenziale konkret benannt werden und es dürfe keine Vorentscheidung geben. Die bisher vom Land durchgeführten Veranstaltungen dienten der Information, „waren aber kein Bürgerdialog“, sagte Malte Hübner-Berger.

Dagmar Ziegler betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für die Region. Immerhin gebe es 600 landwirtschaftliche Betriebe in der Prignitz. Die Branche benötige mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Berichterstattung in den Medien, damit Jugendliche früh auf sie aufmerksam werden und so das Nachwuchsproblem gelöst werde.

Beim Thema Flüchtlinge erfuhr der erste Beigeordnete des Landrates Christian Müller im Gespräch, dass eine Homepage als zentrale Informationsquelle nicht ideal sei. Die Jugend verwies auf Twitter und Facebook, die ältere Generation möchte etwas Gedrucktes in den Händen halten.

Beim Thema Ältere Menschen wurde die Barrierefreiheit als wichtiger Wunsch formuliert. Schön wäre, wenn es Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs in Wohnungsnähe geben würde. Die Facharztversorgung mag zwar statistisch gesehen für die Prignitz ausreichend sein, aber wenn es nach den Wünschen der Arbeitsgruppe geht, muss zumindest in Wittenberge noch ein Augenarzt seine Praxis eröffnen.

Die große Politik wurde bei der Energiewende angesprochen. In der Region erzeugte erneuerbare Energie müsse vor Ort genutzt werden. Es dürfe nicht sein, dass Prignitzer Bürger den Ausbau der Stromtrassen finanzieren, mit denen Prignitzer Strom nach Süden geleitet wird.

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