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Die Imker von Wittenberge : Die Herren über die Honigsammler

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor 100 Jahren schlossen sich 14 Imker in der Elbestadt zu einem heute noch existierenden Verein zusammen.

von
erstellt am 10.Feb.2017 | 12:00 Uhr

„Wie bekommen wir unsere Bienen ohne Zucker über den Winter?“ Eine Sorge, die vor 100 Jahren – es war mitten im Ersten Weltkrieg und Lebensmittel waren sehr knapp – Wittenberger Imker umtrieb. Klaus Drewes hat von diesen Sorgen in einem alten A 4-Buch, er nennt es Kladde, gelesen. Dieses Buch ist etwas Besonderes. Es hat 100 Jahre überdauert und kann damit noch heute Zeugnis von der Gründung jenes Wittenberger Imkervereins ablegen, dem Klaus Drewes heute vorsteht.

Drewes schlägt das Buch auf. In gestochener altdeutscher Schrift ist dort von einer Versammlung zu lesen, die am 11. März 1917 stattfand und von einem Herrn Hecht geleitet wurde. Auf dieser Zusammenkunft beschlossen 14 Bienenhalter, sich zu dem Verein zusammen zu tun. Ob Hecht auch Vereinsvorsitzender wurden, lässt sich den Aufzeichnungen nicht entnehmen. Aber jener Herr Hecht wurde im Juni 1917 wegen des Zuckers für die Bienen „bei maßgeblichen Stellen vorstellig“. Vergeblich, wie einem Eintrag in das Protokollbuch vom Juli jenes Jahres zu entnehmen ist. Einer andere Protokollnotiz aus jenem Jahr ist zu entnehmen, dass die Mitglieder im Imkerverein in einer großen Versammlung aufgefordert wurden, Honig für Lazarette und Krankenhäuser sowie Wachs für die Rüstungsindustrie abzugeben. Damals zählte der Verein knapp 26 Mitglieder.

Drewes weiß aus der alten Protokollkladde, dass die Imker Honig abgeliefert haben: 50 Kilogramm. Denn auf einer Versammlung vom 3. Februar 1918 wird darüber berichtet, dass das dafür bezahlte Geld an die Imker aufgeteilt wurde.

Im Jahr 1918 endet das Protokollbuch, das Drewes und vor ihm eine ganze Reihe anderer Vereinsvorsitzende sorgfältig hüteten bzw. hüten, abrupt. Eintragungen beginnen erst in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wieder und sind dann auch mehr sporadisch. Auf jeden Fall wuchs der Verein, hatte 1943 gut 70 Mitglieder, ein Jahr später schon über 80. Unter ihnen auch ein Otto Janeke, der 60 Bienenvölker hielt.

In diesen Größenordnungen halten die Imker im Verein heute keine Bienenvölker mehr, sagt Klaus Drewes. Er selbst besitzt acht Völker, das sind rund 400  000 kleine Honigsammler.


Politik gefordert


Momentan ruhen die Bienen. „Ab 12 Grad werden sie munter, fangen an, auszufliegen“, erzählt Drewes. Bei diesen Ausflügen leeren die Bienen übrigens nach der langen Winterpause erstmals wieder ihren Darm. Wer weiße Wäsche hängen hat, kann auf ihr dann an solchen Tagen die davon stammenden gelben Spuren entdecken, erzählt Drewes noch. Dann wendet er sich wieder der Vereinsgeschichte zu. 1989 gehörten dem Verein knapp 60 Mitglieder an. Derzeit sind es noch 15. „Das Problem heutzutage ist die Vermarktung des Honigs. Zu DDR-Zeiten wurde er aufgekauft. Man konnte Geld verdienen. Heute muss jeder Imker selbst sehen, dass und wie er Kunden für seinen Honig findet“, sagt Drewes. Aber das sei eben nur eine Seite der Medaille. Die andere, sehr bedeutende Seite: „Der Fortbestand der Natur hängt von den Bienen ab. Deshalb ist Imkerei nicht Selbstzweck und alles andere als nur Hobby.“ Drewes fordert für Imker die Unterstützung der Politik ein. Nicht umsonst gelte die Honigbiene als das drittwichtigste Haustier. Der Verein sorgt sich, dass es ihm an Nachwuchs, vor allem jungem, fehlt. Klaus Drewes ist der Imkerei treu geblieben, weil die Beschäftigung mit den Tieren und der Natur ihm Freude bereitet. Apropos Haustier: Stimmt es wirklich, dass die Bienen ihren Imker nicht stechen, weil sie ihn erkennen, schmunzelt Drewes. Nein, das sei ein Gerücht. Eine Biene lebt in der Saison sechs Wochen, „da hat sie vor lauter Arbeit gar keine Zeit zu etwas anderem“.  

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