PR, PER oder PK? : Die Heimat auf dem Kennzeichen

Jens Henneberg vom STK-Schilderdienst in Wittenberge könnte sofort die Kennzeichen der Altkreise prägen – dafür muss aber der Kreis die Voraussetzungen schaffen.
Jens Henneberg vom STK-Schilderdienst in Wittenberge könnte sofort die Kennzeichen der Altkreise prägen – dafür muss aber der Kreis die Voraussetzungen schaffen.

336 „fremde“ Nummernschilder sind in der Prignitz gemeldet / Nachfrage nach Altkennzeichen steigt langsam

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14. August 2015, 22:00 Uhr

Für viele Autofahrer sind die ersten  Buchstaben auf dem Kennzeichen ein Bekenntnis zur Heimat, und bisher war jeder Umzug in ein anderes Zulassungsgebiet und mit der schmerzhaften Trennung von den geliebten Initialien verbunden. Zudem bedeutete  die Neugliederung der Kreise im Jahre 1993 den Abschied von PER und PK. Seit der Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung zum 1. Januar 2015 ist zumindest  Ersteres Geschichte, und jeder kann sein Kennzeichen beim Umzug behalten.

„Von den in der Prignitz insgesamt 71000 zugelassenen Fahrzeugen, darunter 45000 Pkw, fahren inzwischen 336 mit einem anderen Kennzeichen als PR herum“, sagt Anja Meißner, Sachbereichsleiterin Ordnung und Verkehr bei der Kreisverwaltung. „Das hat uns selber überrascht, dass es schon so viele sind.“ Möglich sei die Mitnahme aber nur, wenn bei einem Umzug kein Halterwechsel stattfindet.

Die meisten in der Prignitz gemeldeten auswärtigen Kennzeichen kommen derzeit aus dem Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin, gefolgt von  B für Berlin und KY für Kyritz. Ebenfalls häufig sind HVL für den Kreis Havelland und LWL für Ludwigslust. „Neben dem Lokalpatriotismus, der sich für viele Autofahrer mit dem Kennzeichen verknüpft, gibt es aber auch einen ganz praktischen Vorteil für jene, die ihr altes Kennzeichen behalten: die Ummeldung ist preiswerter“, sagt Meißner. Anstatt 27,40 Euro würden nur 17,20 Euro fällig. „Wer sparen will behält einfach sein altes Nummernschild.“

Was in der Prignitz bislang nicht möglich ist, sich aber andernorts in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die Ausgabe von ehemaligen Kennzeichen für Städte und Altkreise. Beispiel Sachsen: Auf zwölf Kürzel hatte die Landesregierung im Zuge von Gebietsreformen die Kennzeichenkombinationen reduziert, inzwischen sind dort 45 ehemalige Orts- und Regionskürzel zu haben. So können  Eilenburger anstatt  des Kennzeichens TDO für den Kreis Nordsachsen – die Buchstaben stehen für die Städte Torgau, Delitzsch und Oschatz – wieder ihr  Kürzel EB ordern, die Torgauer TO und die Delitzscher DZ.

„In Brandenburg konnten die Landkreise bis zum 1. Oktober 2014 einen Antrag stellen, Altkennzeichen wieder auszugeben“, sagt Anja Meißner. In der Prignitz habe man aufgrund geringer Nachfrage die Notwendigkeit nicht gesehen. „Acht Landkreise haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, und das Land ist sehr offen, wenn Kreise auch nach Ablauf der Frist mit derartigen Anliegen auf die Verwaltung zukommen.“

So sind beispielsweise die Kombinationen FI für Finsterwalde, SRB für Strausberg, SEE für Seelow oder das eingangs genannte KY für Kyritz wieder auf Brandenburger Straßen zu sehen.

Was die Prignitzer Altkreiskennzeichen PER und PK angeht, hängt die Zukunft vom Bürgervotum ab. „Sollten die Bürger der Verwaltung durch Nachfragen einen Auftrag erteilen, kann das im Kreistag besprochen und  umgesetzt werden“, sagt Meißner. Es ergebe sich daraus keine Mehrbelastung für die Kollegen in der Zulassungsstelle. „Ob da ein Auto mit PR, PER oder PK registriert wird, ist egal.“

Auch aus polizeilicher Sicht spreche nichts gegen die Kennzeichenvielfalt. „Für uns ist entscheidend, dass einem konkreten Kennzeichen eine konkrete Adresse zugeordnet werden kann und sich die richtigen Kennzeichen am richtigen Fahrzeug befinden“, sagt Toralf Reinhard, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord.

Bei den Schilderdiensten, die die Kennzeichen prägen, ist bisher auch keine Nachfrage nach Altkennzeichen zu spüren. „Wir können die alten Kürzel sofort aufprägen, sofern diese Anfrage kommt“, sagt Horst Stary vom STK-Schilderdienst in Wittenberge.

 Stary selbst sieht Möglichkeit der Kennzeichenmitnahme etwas kritischer. „Es ist ja so, dass wenn ein Auto mit  fremdem Kennzeichen, dass einige Tage hier herum steht, die Menschen  aufmerksam werden und genauer hinschauen, ob sich da nicht etwas Verdächtiges tut. Nun kann es aber sein, dass dieses Auto mit dem fremden Kennzeichen hier gemeldet ist. Da ist der Fehlalarm ja vorprogrammiert."


Wie stehen Sie, liebe Leser, zu den Altkreiskennzeichen? Sind Sie für eine Wiedereinführung oder halten Sie nichts von der Kennzeichen-Nostalgie? Um an der Umfrage teilzunehmen, machen Sie bei unserer TED-Aktion mit. Wählen Sie zum Abstimmen die Rufnummer hinter der jeweiligen Aussage, der Sie zustimmen. Der Anruf kostet 14ct aus dem Festnetz. Die Rufnummern sind von Samstag, 8 Uhr bis Montag, 8 Uhr geschaltet.

Würden Sie ihr Auto mit einem PER oder PK-Kennzeichen versehen?

Ja, ich würde mein aktuelles PR-Kennzeichen sofort gegen eins der Altkreiskennzeichen tauschen.
(TED-Rufnummer 0137/100808-1)

Ja, ich würde tauschen, aber nur, wenn ich mir ein neues Auto zulege und sowieso ummelden muss.
(TED-Rufnummer 0137/100808-2)

Nein, ich bleibe bei PR und halte nichts von der Kennzeichen-Nostalgie.
(TED-Rufnummer 0137/100808-3)

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