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Bauarbeiten in Perleberg : Die grüne Lunge schwächelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die alten Linden am Grahlplatz müssen dem Straßenbau weichen / Baubeginn im zweiten Quartal anvisiert

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Das Ergebnis stand schon zu Beginn der Ausführungen des Bauamtes fest: Die Linden am Grahlplatz werden gefällt. Durch vorherige Ausschusssitzungen waren die Abgeordneten bereits informiert, so dass sich Fragen auf der Stadtverordnetenversammlung Donnerstagabend weites gehend erübrigten. Das Bauamt fasste die Gründe zusammen.
Die betroffenen Bäume parallel zur Wittenberger Straße und entlang der Einbahnstraßen des Grahlplatzes seien 80 bis 100 Jahre alt. Einige weisen Schäden auf, wie Fotos dokumentieren. Diese Bäume seien ohnehin akut gefährdet bzw. würden einen erheblichen Pflegeaufwand erfordern, informierte Sachbearbeiterin Antje Hartwig.

Auch beim Blick auf die Kronen einzelner Linden zeige sich, dass sie nicht mehr vital seien. Totholz und regelmäßiger Rückschnitt sind die Folge. Hartwig betonte, dass gerade in diesem Bereich hohe Sicherheitsanforderungen gelten. Fußgänger und Schüler gehen hier entlang. Die Stadt dürfe kein Risiko eingehen, auch nicht was die Sicherheit der Kraftfahrer betrifft.

Argument auf Argument folgte. Ein Plädoyer für die Bäume war nicht darunter. Die Baumaßnahmen würden sie noch weiter schwächen. Und wenn sie doch stehen bleiben, beschädigen ihre Wurzeln mittelfristig den neuen Gehweg. Das sehe man an anderen Stellen in der Stadt.

Wenn überhaupt, war dieser letzte Fakt ein Widerspruch in der Argumentationskette. Wenn die Bäume so schwach und ihre Lebenserwartung so niedrig ist, mag es für Laien schwer vorstellbar sein, dass ihr Wurzelwerk so mächtig wächst, dass eine Gehwegpflasterung beschädigt werde.

Abschließend ging Antje Hartwig auf die Optik ein. Eine generelle Neubepflanzung schaffe eine attraktive Sichtachse. Hingegen würde eine mittelfristige Mischung aus Altbestand und Jungbäumen weniger attraktiv aussehen.

Auf Nachfrage der Abgeordneten bestätigte das Bauamt, dass nur Bäume entlang des Gehweges gefällt werden, nicht aber die Bäume, die direkt auf dem Platz stehen. Insgesamt werden im Zuge der Baumaßnahme Marienplatz, Wittenberger Straße und Grahlplatz 72 Bäume abgenommen. Geplant ist ein Ersatz 1:1. Einige seien bereits gepflanzt worden.

Während einige Abgeordneten den Argumenten des Bauamtes folgten und einräumten, sie hätten ihre anfängliche Meinung geändert, blieb Hartmut Schneider (SPD) ein Gegner der Fällung. „Stück für Stück machen wir die grüne Lunge unserer Stadt kaputt“, sagte er. Bei drei Gegenstimmen wurden die Baupläne beschlossen. 

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