EU Förderpolitik : Die Großen gehen bei Fördermitteln leer aus

Die Frankiermaschine Postbase ist der Exportschlager des Unternehmens Francotyp. Mehrere Bereiche des Betriebs sind komplett digitalisiert.
Die Frankiermaschine Postbase ist der Exportschlager des Unternehmens Francotyp. Mehrere Bereiche des Betriebs sind komplett digitalisiert.

EU unterstützt bei Digitalisierung nur kleinere Betriebe. Wirtschaftsfördergesellschaft sieht aber Spielräume

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24. Februar 2018, 08:00 Uhr

Die Digitalisierung in der Wirtschaft schreitet voran und fragt nicht nach den Standorten eines Unternehmens. Der Zugang zu schnellem Internet kann über die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes entscheiden. Damit muss sich beispielsweise Francotyp Postalia in Wittenberge auseinandersetzen.

Der Frankiermaschinenhersteller hat im Gewerbegebiet Nord keinen Anschluss an das schnelle Netz. „Wir arbeiten mit einer Richtfunkantenne auf dem Dach“, sagt Geschäftsführer Thomas Schoknecht. Deren Nutzung sei teuer und das System anfällig, vor allem bei schlechtem Wetter. „Zeitweilig kommt es dadurch zu Produktionsausfall“, sagt Thomas Schoknecht.

Die Lösung wäre eine Datenleitung, die im Stadtgebiet beginnend ins Gewerbegebiet hinein verlegt werden müsste. Davon würden alle ansässigen Betriebe profitieren. Für ein Einzelunternehmen es eine teure Investition, so Schoknecht. Und Francotyp würde keine Förderung für diese Investition bekommen.

Genau das ist ein Problem, bestätigt Uwe Büttner, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz. Klein- und mittelständische Unternehmen mit bis zu 250 Arbeitsplätzen würden für Investitionen in Digitalisierung bis zu 50 Prozent Förderung erhalten. Dabei sei es unerheblich, ob es um einen Netzanschluss , um die Umstellung der Produktion oder Schulung der Mitarbeiter gehe. Aber Francotyp als Gesamtkonzern ist zu groß, fällt aus der Förderung heraus. Die EU sage pauschal, Konzerne können solche Investitionen aus eigener Kraft realisieren.

Kleine Betriebe hingegen brauchen laut EU Unterstützung. Grundsätzlich sieht das Büttner nicht anders. „Für sie ist das zwingend erforderlich.“ Aber er sehe zugleich die Notwendigkeit, dass große Betriebe wie Francotyp, Austrotherm oder die IOI Oleo GmbH in Wittenberge laufend in Digitalisierung investieren müssten und dafür zumindest auch anteilig Fördermittel bekommen sollten.

„Gewiss sind sie finanzstark, aber sie bekennen sich zu dieser Region, haben wichtige Arbeitsplätze geschaffen. Dafür steht ihnen eine Anerkennung zu“, meint Büttner. Die EU habe das nicht völlig ausgeschlossen, die Richtlinien zur Förderung würden einige Schlupflöcher enthalten.

„Genau darüber sprechen wir mit dem Wirtschaftsministerium in Potsdam, suchen nach einem Spielraum“, so Büttner. Ihm schwebt ein Modellprojekt vor. Nicht 50 Prozent Förderung, sondern 30 oder auch nur zehn. Minister Albrecht Gerber stehe dem aufgeschlossen gegenüber. Das hatte er gegenüber den Firmen bei seinem Besuch auf dem Neujahrsempfang des Wachstumskerns bekräftigt.

Die gleiche Problematik betrifft die Investitionsförderung. Auch bei dieser bis zu 30-prozentigen Förderung fallen die genannten Betriebe durch ihre Größe aus der Förderung heraus. Kleinere werden durch die EU unterstützt, wenn sie durch die Investition Arbeitsplätze schaffen. „Große Unternehmen sichern eher ihre Arbeitsplätze durch Investitionen in die Produktionsanlagen“, sagt Büttner. Aber sie seien zugleich ja auch ein Anker für kleine Firmen. „Ohne Bahnwerk hätte ein Spediteur weniger Aufträge“, nennt Büttner ein Beispiel aus Wittenberge. Deswegen plädiert er auch in diesem Fall für eine abgestufte Förderung. Selbst wenn diese eher symbolisch wäre, wäre es eine Wertschätzung gegenüber den Unternehmen.

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