Stromtrasse : Die große Stromtrasse kommt

Gebaut wird abschnittsweise von Umspannwerk zu Umspannwerk.
Foto:
Gebaut wird abschnittsweise von Umspannwerk zu Umspannwerk.

50Hertz erneuert Leitung von Güstrow bis nach Wolmirstedt und nutzt aktuelle Linienführung

von
05. April 2017, 04:45 Uhr

Zwischen Güstrow und Wolmirstedt bei Magdeburg entsteht eine neue Stromtrasse. Das Unternehmen 50Hertz wird in zwei Etappen eine 380 kV-Leitung auf der 196 Kilometer langen Strecke errichten. Morgen gibt es dazu eine Informationsveranstaltung in der Perleberger Kreisverwaltung. Die wichtigsten Eckpunkte erfragte unsere Redaktion bereits zuvor.

Grund für den Neubau ist die Zunahme der regenerativen Ideen, bestätigt Projektsprecher Dr. Dirk Manthey. „Im Norden wird ein Großteil des Stroms produziert, aber im Süden nach Abschaltung der Atomkraftwerke benötigt.“ Die geplante Leitung ist Bestandteil des Netzausbaus in ganz Deutschland.

Zahlen untermauern die Notwendigkeit des Neubaus. Die bisherige 220-kV-Leitung stammt aus dem Jahr 1958 und habe damit ihre durchschnittliche Lebensdauer von 80 Jahren annähern erreicht. Außerdem stoße sie an ihre Kapazitätsgrenze. „Die Übertragungsfähigkeit beträgt 410 Megavolt/Ampere (MVA) pro Stromkreis und wird auf 2400 MVA steigen“, sagt Manthey. Sinnbildlich ersetzt die neue Leitung ein komplettes Atomkraftwerk, veranschaulicht er die abstrakten Zahlen.

Der Neubau soll nach dem Prinzip Rück- vor Neubau möglichst umweltschonend erfolgen. „Wir nutzen die bestehende Trasse und die vorhandenen Waldschneisen, wollen diese möglichst nicht verbreitern“, erklärt Projektleiter Rocco Hauschild.

Punktuell soll die Trassenführung optimiert werden. „Wir wollen die Ortsnähe verringern oder Vogelnistplätzen ausweichen“, nennt er Beispiele. Für den Bereich Perleberg betrifft das unter anderem Groß Buchholz. „Dort planen wir einen Schwenk weg von der Ortschaft in Richtung B 5“, sagt Rocco Hauschild.

In Wittmoor verlaufe die Trasse zwar auch ortsnah, aber der Bereich sei begrünt und für ein Ausweichen fehlen geeignete Flächen. Die exakten Details werden im Planfeststellungsverfahren definiert. Das soll im Herbst starten.

Mit dem Baustart rechnet 50Hertz ab 2020, beginnend im Süden. Abschnittsweise werden die Leitungen zwischen den Umspannwerken außer Betrieb genommen. Das sei vorteilhaft, denn die anderen Abschnitte können die Stromversorgung aufrecht erhalten.

Die stärkere Leitung erfordere höhere Masten. Der Bodenabstand der Leitungen steigt von jetzt 8,50 Meter auf zwölf Meter. Für große landwirtschaftliche Fahrzeuge sei das gewiss ein Vorteil. Ein weiter Vorteil: „Wir benötigen weniger Masten.“ Aktuell stehen zwischen der Landesgrenze in Mecklenburg bis nach Perleberg 55 Masten. Wie viele es künftig sein werden, könne Rocco Hauschild erst sagen, wenn der exakte Trassenverlauf feststeht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen