Die Granate ist scharf

Um diese Granate hat es sich gehandelt. Fußgänger hatten sie in dieser Haustürnische entdeckt.
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Um diese Granate hat es sich gehandelt. Fußgänger hatten sie in dieser Haustürnische entdeckt.

Polizei stuft den zweiten Munitionsfund als ernsten Vorfall ein, der Staatsschutz ermittelt / Bürgermeister hofft auf schnelle Ergebnisse

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28. März 2019, 10:27 Uhr

Zündfähig. So lautet das Urteil der Experten über die am Mittwoch in Wittenberge gefundene Granate. Dabei handelt es sich um eine Infanteriegranate, bestätigt Dörte Röhrs, Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord. Ganz offensichtlich sei sie „mutwillig abgestellt“ worden, so Röhrs weiter. Fußgänger hatten sie in einem Hauseingang in der Johannes-Runge-Straße entdeckt, die Polizei alarmiert.

Was während des abendlichen Einsatzes noch Spekulation war, ist seit gestern der offizielle Ermittlungsansatz: Die Polizei geht von einem direkten Zusammenhang mit dem Fall von vor knapp zwei Wochen aus. In der Friedrich-Ebert-Straße wurde eine Granate unter einem Baum liegend gefunden. Auch sie war scharf, wurde auf einem Acker gesprengt. „Beide Granaten sind sehr ähnlich“, sagt Röhrs.

Der Vorfall werde ernst genommen. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz übernommen. Es handelt sich um einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Mehrere Ansätze werden verfolgt. Die offensichtlichen Ähnlichkeiten zum Vorgehen eines Brandstifters sehe auch die Polizei. Das sei aber nur eines von mehreren denkbaren Szenarien.

„Jemand kann die Munition auf seinem Grundstück gefunden haben, weiß selbst aber nicht, wie offiziell zu verfahren ist“, so Röhrs. Also platziert er sie im öffentlichen Raum. Oder ein Sammler wolle die Granaten los werden. All das seien Ansätze, die die Kripo diskutiere. Hilfreich wären weitere Hinweise aus der Bevölkerung. „Wer zu einem der beiden Fälle noch etwas sagen kann, wer jemanden kennt, der solche Munition eventuell besitzt, möge bitte die Polizei anrufen“, sagt Röhrs. Die Telefonnummer lautet: 03876 / 7150.

Nachdem die Beamten des Landeskriminalamtes die Granate gegen 23 Uhr sicher verpackt hatten, wurde sie für weitere Untersuchungen abtransportiert. Ob auswertbare Spuren entdeckt wurden, konnte die Polizei zunächst noch nicht sagen.

Einen schnellen Ermittlungserfolg wünscht sich Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann. Während beim ersten Fund abgesehen von einer Absperrung des Fundortes keine weiteren polizeilichen Maßnahmen veranlasst wurden, gab es am Mittwoch ein Großaufgebot an Einsatzkräften: Feuerwehr, Brand- und Katastrophenschutz, Sanitätsbereitschaft, städtische Mitarbeiter.

Im Gespräch war eine Evakuierung im Umkreis von 300 Metern. Davon wären 1700 Menschen betroffen gewesen, informierte Hermann. Da die Einsatzkräfte behutsam vorgingen, die Entwicklung abwarteten, waren zunächst nur etwa 200 Bewohner aus den direkt anliegenden Wohnungen von der Evakuierung betroffen.

„Aber im Hintergrund liefen alle Vorbereitungen für den Ernstfall. Notunterkünfte wurden festgelegt, eine mögliche Essensversorgung vorbereitet, zusätzliche Feuerwehren zur Unterstützung in Bereitschaft versetzt“, skizziert Hermann den betriebenen Aufwand. Hinzu kommt der stundenlange Einsatz für die ehrenamtlichen Kameraden der Feuerwehr. Sie unterstützten mit rund 40 Kräften am Einsatzort, in der Notunterkunft Allende-Halle und im Einsatzstab auf der Wache.

Während des Einsatzes gab es Zwischenfälle, berichtet die Polizei. So habe ein 36-Jähriger die Absperrung und mehrfachen Hinweise der Beamten missachtet. Er habe aggressiv reagiert, die Beamten beleidigt. Gegen ihn laufen Anzeigen.

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