Stadtentwicklung : Die „Gesunde Stadt“ vermarkten

Der Fußgängertunnel zwischen Kur- und Altstadt wurde von vielen Wilsnackern als Barriere empfunden. Die Studenten integrierten den Weg unter den Bahngleisen als hellen, freundlichen Werbeträger in ihre Konzepte. Auch ein Logo für die Gesundheitsstadt mit dem Motto „Kur & Kultur“ entwickelten sie.
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Der Fußgängertunnel zwischen Kur- und Altstadt wurde von vielen Wilsnackern als Barriere empfunden. Die Studenten integrierten den Weg unter den Bahngleisen als hellen, freundlichen Werbeträger in ihre Konzepte. Auch ein Logo für die Gesundheitsstadt mit dem Motto „Kur & Kultur“ entwickelten sie.

Studenten der Busines School Berlin Potsdam entwickeln Marketingkonzepte für Bad Wilsnack / Großes Interesse bei Bürgern

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27. November 2014, 08:00 Uhr

Der Tunnel als Grenze zwischen Kur- und Altstadt, als Mauer in den Köpfen, als unwirtlicher Korridor, den Einheimische und Gäste gleichermaßen scheuen: Der Fußgängertunnel unter den Bahngleisen hindurch ist nur ein Punkt von vielen, an denen die Stadt nach Einschätzung von zwei Studentengruppen der Business School Berlin Potsdam ansetzen muss, um ihre Außenwirkung zu verbessern. Seit Mitte des Jahres waren die angehenden Kommunikationsmanager mehrfach nach Bad Wilsnack gekommen, hatten touristische Potenziale und ihre Vermarktung analysiert sowie Touristen und Bürger der Stadt zu Vorzügen und Nachteilen befragt. Ihre Erkenntnisse haben sie in zwei Kommunikationskonzepten zusammengefasst, zu deren Präsentation am Dienstagabend im Kulturausschuss der Stadt nicht nur Stadtverordnete, Bürgermeister sowie Vertreter des Tourismus anwesend waren, sondern auch zahlreiche Einwohner der Stadt.


Gesundheit und Kur besser vermarkten


Die Quintessenz war bei beiden Gruppen die gleiche: Bad Wilsnack gelingt es bislang nicht, seine Qualitäten als Kur- und Gesundheitsstadt zielgerichtet und fokussiert zu vermarkten und sie mit seiner historischen Bedeutung als Wallfahrtsort und schöner Bausubstanz zu verbinden. „Eines der Hauptprobleme ist die Trennung der Kur- und der Altstadt durch die Bahngleise“, bemerkte Student Thomas Hadasch. „Den Tunnel empfinden viele als unwirtlich, dabei bietet sich hier die Chance, mit einer passenden Wandgestaltung auf die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt hinzuweisen.“ Die Gruppe um Hannah Caliebe ging sogar einen Schritt weiter und schlug vor, die Wilsnacker an der Tunnelgestaltung zu beteiligen. „Es könnten sich Leute zusammenschließen und ein Stück Tunnelwand ,kaufen‘ und dann nach ihren Ideen gestalten. Auf diese Weise bekommen die Bürger einen Bezug zum neuen Image ihres Heimatortes“, sagt Caliebe.

Als weiteres zentrales Problem ermittelten die Studenten die Mobilität in der Stadt. Insbesondere die Gäste der Rehaklinik gelte es, in die Altstadt zu holen, allerdings müsse dabei berücksichtigt werden, dass viele von ihnen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Während die Gruppe um Thomas Hadasch die Etablierung einer „Moorbahn“, also eines einer Lokomotive ähnlichen Zugfahrzeuges mit Anhängern aussprach, schlugen ihre Kommilitonen einen Fahrservice mit einem Kleinbus vor – optimaler Weise betreut von Ehrenamtlern.

Einig waren sich beide Gruppen auch bezüglich der Bewertung der Außendarstellung Bad Wilsnacks: Zu viele Flyer, keine einheitliche Optik, mitunter wenig übersichtliche Beschilderung und eine – vorsichtig formuliert – langweilige Internetseite. An dieser Stelle sei am schnellsten und zudem am kostengünstigsten Abhilfe möglich, schätzten sie ein. Denn ein Zeit- und Kostenplan gehörte gleichfalls zur Aufgabenstellung für die Studenten.

In die Diskussion nach der Präsentation schalteten sich auch zahlreiche Besucher ein und äußerten ihre Meinungen. So kritisierte eine Frau, die Stadt habe sich viel zu lange auf den Kurgästen als Besucher ausgeruht, die Werbung für andere Klientel sei vernachlässigt worden. Ein anderer Wilsnacker merkte an, dass die Kooperation mit der Bundesgartenschau in Havelberg regelrecht verschlafen worden sei.


Lob von Stadt und Tourismusexperten


Uwe Neumann vom Tourismusverband Prignitz dankte den Studenten und lobte ihren Mut, den Finger in die Wunde zu legen und mit unverstelltem Blick von außen nicht nur Probleme zu benennen, sondern auch Lösungsvorschläge zu unterbreiten. „Es tut schon ein bisschen weh, wenn man hört, dass es an der Kommunikation hapert. Aber genau solchen Input brauchen wir, um besser zu werden.“ Darüber hinaus sei das Konzept eine gute Grundlage, um damit künftig Fördermittel einzuwerben. „Ohne Konzepte gibt es kein Geld“, so Neumann. Bürgermeister Dieter Spielmann dankte den Studenten für ihre Arbeit und lud sie ein, auch künftig den Gestaltungsprozess zu begleiten.

Prof. Thomas Thiessen, Rektor der Business School, schloss, dass die Kurstadt hervorragende Voraussetzungen mitbringe, um die Konzepte künftig auch umzusetzen. „ Geld ist immer ein Problem, klar, aber hier stimmen die Grundvoraussetzungen. Es gibt viele Menschen, die etwas bewegen wollen. Wenn es gelingt, diese Aktivitäten zu bündeln, ist schon viel erreicht.“ Gerne nähmen er und seine Studenten die Einladung an, sich auch künftig einzubringen.

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