Die Geschichte der „lüben“ Leute

Das Kirchenbuch mit den Rechnungen u.a. für die drei Familien.
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Das Kirchenbuch mit den Rechnungen u.a. für die drei Familien.

Klein Lüben begeht 600-Jahrfeier mit Festgottesdienst und Tanz / Festredner Dr. Uwe Czubatynski zeigt Kirchenbuch aus dem Jahre 1648

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12. Juli 2015, 11:34 Uhr

Auch wenn Klein Lüben wahrscheinlich mindestens 200 Jahre älter ist, als es die nachweislich, schriftliche Ersterwähnung 1415 bezeugt, war diese trotzdem Grund genug, den 600. Geburtstag am Samstag mit Festgottesdienst, Musik, Videobeiträgen und einer großen Kaffeetafel gebührend zu feiern.

„Das Wetter passt schon einmal, der Start war auch super und wir hoffen, dass es bis in die Nacht hinein geht“, so Mitorganisatorin Jana Schütte. Und dichtes Gedränge herrschte nicht nur am reich gedeckten Kuchenbuffet, sondern auch im Festzelt. Eigentlich sollte zur gleichen Zeit auch die Gaststätte des Dorfes wieder nutzbar sein, doch bleibt dieses Thema ein Wermutstropfen. „Da gibt es gewisse Schwierigkeiten mit den Eigentumsverhältnissen. Es ist schade, denn wenn nicht bald etwas passiert, leidet das Gebäude“, so Schütte und Bad Wilsnacks Bürgermeister Dieter Spielmann ergänzte an die Besucher gewandt: „Wir hätten gern eine Klärung erzielt, das ist jedoch nicht gelungen. Aber es ist noch nicht beendet und sie sind alle aufgefordert, sich Gedanken für eine spätere Nutzung zu machen.“

Doch ginge es an diesem Tage vor allem um die vergangenen 600 Jahre Ortsgeschichte von Klein Lüben. „Lüben steht ja für lieb oder wert und das spricht auch für die Leute, die hier leben“, so Bürgermeister Spielmann. Und vor allem diese und deren Geschichten standen dann auch im Mittelpunkt der Veranstaltung.

So erklärte Redner Dr. Uwe Czubatynski, dass man Glück habe, dieses Fest begehen zu können. Entscheidender Faktor war ein Triglitzer Pastor, der die Urkunde aus dem Jahre 1415 im 19. Jahrhundert abschrieb und so die Existenz von Klein Lüben bestätigte. Anschließend zog er auch Verbindungen in die heutige Zeit. So sind im Kirchenbuch aus dem Jahre 1648, das Czubatynski im Original mitgebracht hatte, Rechnungen von drei Familien zu finden, die noch heute in Klein Lüben leben – Familie Nickel, Lent und Zander.

Einer von dieser Nachfahren ist wohl auch Reinhard Zander: „Bei solchen Festen ist immer der einzelne gefragt und zum Glück gibt es immer genug Mitstreiter, sonst schläft das Gemeindeleben ein“, so der Feuerwehrchef. Dass mal etwas los war, darüber freuten sich die Klein Lübener und deren Gäste. „Wir kommen eigentlich aus Scharleuk, ich bin aber zwischen 1951 und 1955 hier zur Schule gegangen und es ist toll, heute Bekannte zu treffen, die man jahrelang nicht mehr gesehen hat“, erzählt Brunhilde Winter.

Noch nicht ganz so lange, doch ebenso mit dem Dorf verbunden, ist Dorothea Nölke. „Meine Mutter ist hier geboren und ist dann 1953 in die Bundesrepublik ausgewandert. Trotzdem habe ich auch zu DDR-Zeiten immer meine Ferien hier vollbracht und mich gefreut, als wir dieses Haus hier übernommen haben“, erzählt sie. Auch wenn sie in Frankfurt am Main lebt und mehrere Male im Jahr extra die 500 Kilometer anreist, sei es doch ein Gefühl von Heimat. Ähnlich formuliert es auch ihr Mann Uwe, der als Berufsfotograf schon viele Impressionen des Dorfes über die Jahre sammelte und am Samstag vorführte: „Die Ruhe und Gelassenheit hier überzeugt uns, es ist unser Refugium.“

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