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Beizverbot für Rapssamen : Die gelbe Pracht schwächelt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Weil die EU 2014 ein Beizverbot für Rapssamen verhängte, sind die Pflanzen angegriffen / Prignitzer Landwirte zweifeln am Sinn der Maßnahme

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erstellt am 07.Mai.2015 | 07:45 Uhr

Der Schädlingsbefall auf Rapsfeldern bereitet Bauern in ganz Deutschland, auch in Mecklenburg-Vorpommern und der Prignitz, in diesem Jahr besonders Sorgen. Wegen befürchteter Auswirkungen auf Bienen hatte die EU-Kommission 2014 die Anwendung bestimmter Mittel zur Behandlung des Saatgutes verboten. Konkret geht es um Beizmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide. Die Folge: Der Rapserdfloh und die Kleine Kohlfliege richteten im Herbst beträchtliche Schäden an, weil den Pflanzen ein wichtiger Schutz fehlt. Bauernverbände und die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen(UFOP) kritisieren das vorläufige Verbot der Rapsbeizung mit Neonikotinoiden scharf und fordern die Politik dringend auf, die insektizide Rapsbeizung wieder zuzulassen.

Auch Prignitzer Landwirte sind betroffen und können den tieferen Sinn der EU-Vorgabe nicht nachvollziehen. „Aufgrund des Beizverbotes haben wir im Herbst vergangenen Jahres zusätzliche Behandlungen mit Insektiziden vornehmen müssen. Das ist aus umweltschützerischer Sicht reiner Blödsinn, belastet unnütz die Natur“, ärgert sich Andreas Wilde. Sein Unternehmen, die Agrar GmbH Kleinow, baut auf einer Fläche von 160 Hektar Raps an. Von einem Totalausfall, wie er anderen Landwirten widerfuhr, blieben die Kleinower zwar verschont. „Aber, man sieht, dass sich die Pflanzen nicht so verzweigt haben, nicht so in der Blüte stehen, wie sonst. Stängel sind aufgeplatzt und bieten somit Eintrittspforten für weitere Schädlinge“, umreißt Andreas Wilde die aktuelle Situation.

Literweise Insektizide haben auch dem Unternehmen von Dirk Glaeser, der Agrarproduktivgenossenschaft eG Abbendorf, nicht viel gebracht. Ein Teil der Anbaufläche war so stark geschädigt, dass der Raps umgebrochen werden musste und darauf nun eine andere Kultur wächst. „Das betraf bei uns 50 Hektar. Im Schnitt bauen wir jährlich immer so um die 300 Hektar Raps an“, berichtet Glaeser. Bei den im Herbst ausgebrachten Insektiziden komme hinzu, dass deren Haltbarkeit und damit Wirkung nur von kurzer Dauer sei. Je wärmer, umso geringer die Wirkzeit, erläutert Glaeser. Gegen die Kleine Kohlfliege helfe das Mittel überhaupt nicht. Gerade in der Keimblattphase sei der zusätzliche Schutz für die Pflänzchen aber besonders wichtig. Der war zuvor stets mit dem Beizen des Saatgutes im Herbst gewährleistet.

Auch in der Agrargenossenschaft Karstädt treibt das Beizverbot den Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn. Geschäftsführer Lothar Pawlowski: „Den Rapserdfloh haben wir im Herbst mehrfach mit Pyrethroiden, einem Insektizid, bekämpft. Gegen die Kohlfliege kann man auf diesem Weg gar nichts machen. Wir haben allerdings gleich dicker gedrillt, also mehr Samenkörner auf die Flächen gebracht, um den Ausfällen zuvorzukommen.“ Das Unternehmen baut Raps derzeit auf 434 Hektar an. „Es ist unsere bedeutendste Frucht in der Getreidefruchtfolge“, macht Pawlowski deutlich. Bei günstiger Witterung rechnen er und seine Kollegen in der Region dennoch mit einer zufriedenstellenden Rapsernte, die aber unter den Erträgen der Vorjahre liegen wird. Die Unsinnigkeit der EU-Maßgabe, so Lothar Pawlowski, machte übrigens bereits eine Monitoring-Studie in großen Landschaftsräumen Mecklenburg-Vorpommerns 2013 und 14 deutlich. Gegenübergestellt wurden die Auswirkungen der Rapsaussaat mit Beize (13) und ohne (14) auf die Bienengesundheit. Ein signifikanter Unterschied war nicht erkennbar. Haupt-Feind der Bienen, so Pawlowski, sei nach wie vor die Varroa-Milbe.

2014 wurde das Kreuzblütengewächs brandenburgweit auf 135 000 Hektar angebaut; pro Hektar wurden 420 Tonnen geerntet. Im Landkreis Prignitz liegt die Anbaufläche für die Ölfrucht jährlich konstant bei etwa 18 300 Hektar.

 

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