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Historikerin erforscht Alltagsgegenstände aus Kunststoff : Die Geheimnisse der DDR-Plaste unter der Lupe

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"Plaste und Elaste aus Schkopau" - dieser DDR-Werbeslogan ist wie wohl kein zweiter sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland bekannt. Katja Böhme ist seit gut zwei Jahren den Geheimnissen der DDR-Plaste auf der Spur.

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erstellt am 01.Dez.2011 | 11:06 Uhr

Eisenhüttenstadt | "Plaste und Elaste aus Schkopau" - dieser DDR-Werbeslogan ist wie wohl kein zweiter sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland bekannt. "Vermutlich liegt das daran, dass die entsprechende Reklame einst auch an den Transitstrecken der DDR stand", sagt Katja Böhme. Die Berliner Historikerin ist seit gut zwei Jahren den Geheimnissen der DDR-Plaste auf der Spur. Das chemische Erzeugnis Kunststoff hieß im Westen "Plastik", im Osten hingegen "Plaste" - warum diese Unterschiede gemacht wurden, hat aber auch sie noch nicht herausgefunden.

Fakt ist jedoch, dass jener Kunststoff nach dem II. Weltkrieg zum Symbol fortschrittlichen Lebensstils wurde - da praktisch, hygienisch und vor allem preiswert. Letzteres war für die DDR mit ihren knappen Ressourcen und einer aufstrebenden Chemischen Industrie ausschlaggebend. So scheint es in der Nachbetrachtung nicht verwunderlich, dass die SED-Führung auf der Chemiekonferenz von Leuna 1958 beschloss, mit dem sogenannten Pro-Kopf-Verbrauch chemischer Erzeugnisse den Westen zu überholen.

Die Folge war eine wahre Flut an Konsumartikeln aus Plaste: Binnen eines Jahrzehnts wurde der komplette DDR-Haushalt- und Freizeitbereich quasi plastifiziert. Durch das reichhaltige Erbe arbeitet sich nunmehr Historikerin Böhme - im Eisenhüttenstädter Dokumentationszentrum für DDR-Alltagskultur hat sie für ihre Forschungen einen schier unerschöpflichen Fundus. "Schätzungsweise gibt es hier 90 Prozent der Produktpalette aus den damaligen Betrieben, die Kunststoff-Artikel herstellten", erzählt die 29-Jährige. Und von denen, so hat sie recherchiert, gab es immerhin 800 - vom kleinen Familienbetrieb bis zum großen Kombinat. "Das Erstaunliche ist, dass gerade die kleineren Firmen bis heute existieren." Und zwar mit wachsendem Erfolg, wie der Retro-Trend beweist. "Da entstehen ganze Läden mit den berühmten Gockel-Eierbechern, Kaffeefiltern oder Brotdosen im typischen DDR-Design."

Zum Weltmuseumstag im Mai nächsten Jahres soll eine neue Ausstellung zu diesem Thema eröffnet werden. Dann wird auch daran erinnert, dass viele Kunststoff-Konsumartikel aus DDR-Zeiten heute noch in Gebrauch sind.

"Wenn die Gegenstände im eigentlichen Haushalt nicht mehr benötigt werden, wandern sie in die Laube oder in den Keller", weiß die Historikerin.

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