zur Navigation springen

Bei Kreisausscheiden ungeschlagen : Die Feuerwehrfrauen von Düpow

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitglieder erinnern sich, wie alles einst begann und übergeben Feuerwehrchronistin Beate Mundt Bilder und Dokumente aus jenen Tagen.

von
erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

1965 war Horst Könning Wehrchef in Düpow und Wirkungsbereichsleiter im damaligen Kreis Perleberg. Als es hieß, Frauen für die Wehren zu gewinnen, musste seine eigene natürlich mit gutem Beispiel vorangehen. „Mir blieb gar nichts anderes übrig“, erzählt Margot Könning lachend. So wurde sie die erste Feuerwehrfrau in Düpow, ja im gesamten Wirkungsbereich. Alsbald scharte sie immer mehr Frauen um sich, die gleichso die Feuerwehruniform anzogen.

Wie es dann weiterging, daran können sich ihre Tochter Anne-Christine und Rosemarie Mewes, geborene Schumann, noch gut erinnern. Sie gehörten zur nächsten Generation. Auch Rosemaries Vater war Wehrführer in Düpow. „ Den habe ich dazu praktisch zwangsverpflichtet“, gesteht jetzt Margot Könning. Damals war sie Bürgermeisterin in Düpow und das Dorf brauchte einen Wehrführer. So kam Erhard Schumann zu diesem Amt.

Es war schon eine Frage der Ehre, dass dann auch der Nachwuchs Mitglied wurde. Wenn Einsatz war hieß es fortan nur, die Schumann-Truppe ist da.

Während die drei Frauen alte Fotografien und Urkunden betrachten bzw. in fast schon vergilbten Dokumenten blättern, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Margot Könning agierte anfangs im Brandschutz, machte Schulungen und arbeitete später im Wirkungsbereich mit. Zum Einsatz musste sie nicht ausrücken. Ihre Tochter und Rosemarie Mewes schon. „Wobei, wir waren eher die Nachhut“, verständlich, denn die Mädels waren damals 15 Jahre alt. Allerdings lehrten die Düpower Frauen anderen Wehren schon das Fürchten, „zumindest im Wettkampf“, ergänzen die beiden lachend. Bei Kreisausscheiden waren sie ungeschlagen, haben es gar einmal bis zum Bezirksausscheid gebracht. „Wir waren da alle so um 20 Jahre alt und angetreten war auch eine Truppe, Durchschnittsalter so um die 40“, erinnert sich Rosemarie, die heute in Kleinow zuhause ist. Was wollen die Omas denn hier richten, fragten sie sich damals. Mit offenem Mund aber sahen sie dann zu, wie die „Oma“ professionell ihre Kupplungen vorbereitete. „Wir hingegen schmierten unsere Brötchen und wollten uns einfach nur einen schönen Tag machen.“

Die „Omas“ ließen beim Wettkampf dann auch alle stehen, haben „es eben mit Technik gemacht. Da saß jeder Handgriff“. Wenn die Düpower Frauen vom Wettkampf nach Hause kamen, ging es mit lautem Gejohle durchs Dorf. „Da wusste jeder, wir haben gewonnen.“ Ab und an hingt aber auch schon mal der Haussegen schief, „wenn wir, und nicht die Männer, die Lorbeeren holten“.

Ehrgeizig waren sie, lagen sie immer mit denen aus Groß Buchholz und Lübzow im Clinch. Jedenfalls bis der Wettkampf entschieden war. „Ich habe auf dem Verteiler gesessen. Am Schuh lief das Wasser rein und oben wieder raus. Aber wir haben gesiegt. Das war Feuerwehr“, erzählt Rosemarie Mewes. Man hat für das Dorf gekämpft. Darum klappte es auch nicht mit der Supertruppe. Die Besten aus allen Wehren sollten diese bilden. „Doch wir wollten alleine siegen.“ Was Feuer und Brandbekämpfung heißen, das erlebten die Frauen Ostern 1981. Rosemarie war hochschwanger, die ganze Wehr war zum 70. Geburtstag ihres Onkels und gerade beim Kaffeetrinken, erzählt Rosemarie Mewes. Da stand die Scheune auf dem Hof plötzlich in Flammen. Ein Mädchen hatte mit Kerzen gespielt. Aus dem einen Quadratmeter Meter, der brannte, wurde explosionsartig ein Großbrand. „Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie Feuer Dachziegeln sprengt“, so die Kleinowerin. Fortan hatten sie echt Respekt, wenn es hieß, es brennt.

Stundenlang könnten sie erzählen, denn mit jedem Foto oder alten Zeitungsartikel kommen neue Erinnerung. Für Beate Mundt eine wahre Fund- und Schatzgrube, wie sie sagt. Denn sie ist nicht nur zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Perleberger Feuerwehren, führt seit Jahren die Chronik einiger, sondern arbeitet auch im Fachausschuss für Traditionspflege im Landesfeuerwehrverband mit. „Thema des vergangenen Seminars waren die Frauen in den Wehren.“

Ein Anstupser für sie, sich auf Spurensuche zu begeben. Was sie dann auch im „Prignitzer“ kund tat. Das Ergebnis: Die Frauen aus Düpow meldeten sich und übergaben ihr all das, was sie noch aus ihrer Feuerwehrzeit haben. Das wird nun digitalisiert, um es für Nachfolgende zu erhalten. „Wir kennen auf den Fotos noch alle, aber unsere Kinder schon nicht mehr“, gestehen die Frauen. Ein Grund mehr die eigene Geschichte zu dokumentieren.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen