Die Faszination der scharfen Klinge

<fettakgl>Scharfes Geschäft:</fettakgl> Silvio Overbach aus Wittenberge machte seine Leidenschaft zum Beruf, verkauft Schwerter, Säbel und Dolche übers Internet.  <foto>Dieter Brumm</foto>
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Scharfes Geschäft: Silvio Overbach aus Wittenberge machte seine Leidenschaft zum Beruf, verkauft Schwerter, Säbel und Dolche übers Internet. Dieter Brumm

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04. Januar 2013, 09:47 Uhr

Wittenberge | "Vorsicht, die Klinge ist sehr scharf" - Silvio Overbach (37) hält ein mittelalterliches Schwert in den Händen und kommt gleich ins Schwärmen. Schon als Jugendlicher war er von diesen Waffen fasziniert, sammelte Deko-Schwerter. Als die Handelsplattform ebay startete, suchte er im Internet und merkte sehr schnell, wie groß der Markt für Schwerter ist. "Da wurde ich vom Sammler zum Verkäufer." Heute betreibt der Wittenberger nach eigenen Angaben den erfolgreichsten Online-Shop für Schwerter, Säbel und Dolche in Deutschland. 47 000 Kunden zählt seine Datei, jeden Tag gehen 25 Artikel in den Versand, in der Weihnachtszeit doppelt so viele.

Das Erfolgsrezept: Silvio Overbach kauft größtenteils direkt bei kleinen Schmiedebetrieben. Hinzu kommt sein Fachwissen, das er sich in den Jahren angeeignet hat. So absolvierte er zunächst einen dreimonatigen Schmiedelehrgang der Handwerkskammer Augsburg. "Da habe ich vor allem das Damastschmieden gelernt, bei dem die Klinge unterschiedliche, oft wellenförmige Strukturen erhält", erklärt der Kaufmann. Doch diese Jahrtausende alte Schmiedekunst reichte ihm noch nicht, der Prignitzer wollte unbedingt auch lernen, wie die berühmten japanischen Samurai-Schwerter, die Katana, hergestellt werden. Ein Lieferant konnte den Kontakt zu einer kleinen Schmiede in Japan knüpfen - und Overbach durfte in der Schmiede mitarbeiten. "Normalerweise kommt man da überhaupt nicht ran, die Japaner wollen ihre Kunst nicht weiter geben." Drei Monate durfte Overbach Schmiedemeister Tokifusa Lizuka und seinen beiden Söhnen über die Schulter schauen, lernte dabei auch die hohe Kunst der "Kobuse"-Technik kennen. Bei diesem Verfahren werden zwei unterschiedlich harte Stahlsorten verwendet. Glüht das Stahlstück, keilt der Schmied es auf und legt einen Eisenkern hinein. Dadurch erhält die Klinge eine besondere Stabilität.

Eine große Rolle spielt bei den japanischen Schwertern auch die Hamon. Es ist das wichtigste sichtbare Element auf der Klinge, der Schmied hinterlässt damit seine Handschrift. Diese Härtelinie wird dadurch erreicht, dass nach dem Ausformen Lehm auf die heiße Klinge gestreut wird. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Lehms, jeder Schmied hütet sein Rezept wie ein großes Geheimnis. Nach dem Aushärten klopft der Schmied Teile des Lehms weg, bringt die Klinge nochmal zum Glühen und kühlt sie schließlich mit Wasser ab. "So entstehen auf der Oberfläche schöne Formen", erklärt Overbach, der von der japanischen Schmiedekunst fasziniert ist.

Doch in Japan hergestellte Schwerter verkauft er nur ganz selten. "Sie sind einfach zu teuer, mein Teuerstes lag bei 17 500 Euro." So wählen die Kunden lieber Samurai-Schwerter, die in China hergestellt werden und nur etwa 200 Euro kosten. Sie haben zwar manchmal ihre kleinen Macken, doch die kann Silvio Overbach in seiner kleinen Werkstatt selbst beheben.

Neben den Hamon-Schwertern sind es vor allem die mittelalterlichen Waffen, die Kunden nachfragen. Die werden in kleinen Betrieben in Ungarn und der Tschechoslowakei hergestellt und direkt nach Wittenberge geliefert. Diese Ritterschwerter sind oft auf historischen Volksfesten zu bewundern oder schmücken deutsche Wohnzimmer. "Die meisten meiner Kunden wünschen sich ein Schwert, um es an die Wand zu hängen", erzählt Overbach. Aber auch scharfe Schwerter für den Kampfsport Iaito werden bestellt - "Doch die sind eher selten in Deutschland, das ist eine eingeschworene Gemeinde."

Die Faszination für Schwerter, so hat Overbach in den vergangenen Jahren festgestellt, ist ungebrochen. "Das steckt in uns Menschen drin, Schwerter begleiten uns seit der Bronzezeit. So war das Schwert im Mittelalter ein Statussymbol." Besonders steigt die Nachfrage , wenn mal wieder ein Film wie "Herr der Ringe" in die Kinos kommt und auf der Leinwand mit Schwertern gekämpft wird. Overbach: "Übrigens sind es oft Frauen, die ihrem Mann ein Schwert kaufen."

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