Schiffahrt : Die „Elbe“ glättet den Flussboden

Hubert Finke vom Wasser-und Schifffahrtsamt freut sich über die diversen Einsatzmöglichkeiten, die das neue Schiff „Elbe“ bietet.
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Hubert Finke vom Wasser-und Schifffahrtsamt freut sich über die diversen Einsatzmöglichkeiten, die das neue Schiff „Elbe“ bietet.

Wasser- und Schiffahrtsam verfügt über ein neues Arbeitsschiff: Hobel soll Unebenheiten ausgleichen und im Winter das Eis brechen

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12. November 2014, 12:00 Uhr

Dumpf grollt es aus dem Maschinenraum. Die zwölf Zylinder der 800 PS starken Hauptmaschine arbeiten, die „Elbe“ ist startklar, kann den Hafen von Wittenberge verlassen. Heute wird das neue Schiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg (WSA) bei Müggendorf im Einsatz sein. „Wir wollen Unebenheiten an der Flusssohle beseitigen“, sagt Hubert Finke, Leiter des Wittenberger Außenbezirks des WSA.

Stolz blickt er von der Hafenmauer auf das Arbeitsschiff mit Eisbrecherfunktion, so die exakte Bezeichnung. Er und seine Kollegen haben viel vor mit ihrem neuen Helfer. „Endlich können wir die Elbsohle hobeln“, sagt Finke und zeigt auf ein ziemlich großes, unhandliches Werkzeug. Das ist der Hobel. Momentan liegt er friedlich auf der Heckseite des Decks, ein Schwenkkran senkt ihn im Wasser ab. Der Elbegrund gleicht an manchen Stellen einer Hügellandschaft in Miniaturgestalt. Besonders nach Flutereignissen beobachten die Experten das.

„Mit dem Hobel gleichen wir die Unebenheiten aus, verbessern die Fahrrinnentiefe“, sagt Finke. Getestet haben sie das erfolgreich mit einer externen Firma. Aber das kostet Geld, die Ausschreibung Zeit. Die Alternative sind Baggerarbeiten an den betreffenden Stellen. Aber auch diese seien teuer und längst nicht so ökologisch.

Das Schiff kann aber noch viel mehr. Im Winter wird es den bisherigen Eisbrecher „Bär“ in Wittenberge ersetzen, der künftig in Lauenburg im Einsatz sein wird. „Eine bis zu 30 Zentimeter dicke Eisschicht können wir aufbrechen“, sagt Schiffsführer Martin Haage. Zumindest steht es so in den technischen Unterlagen, den Praxistest muss die „Elbe“ erst noch bestehen.

Auf dem Fluss selbst sei diese Eisdicke eher unwahrscheinlich, aber in der Havel und in Häfen könnte nach knackigen Frostnächten schnell diese Dicke entstehen. Jenseits des Winters fungiert das Schiff als Transporter oder als Rettungsfahrzeug bei Havarien. In den ersten zwei Dienstwochen nach dem Verlassen der Werft musste Martin Haage zusammen mit seinem Kollegen Frank Pichottki ein Sportboot von einer Buhne holen. „Routineeinsatz“, kommentiert er und setzt sich auf der Brücke in den Kapitänssessel.

Vor ihm das große Sichtfenster, links und rechts Armaturen. Kleine eckige Knöpfe leuchten in den Farben Rot, Blau und Grün. Das große Schaltpult wirkt übersichtlich und flößt Respekt ein. Zwar ist es nicht das Cockpit eines Airbus, aber der Laie verliert schnell den Überblick.

Echolot, Radarpilot, Ruderanlage – und das sind noch nicht einmal alle Monitore. Mikrofone, Joysticks ein Satellitenkompass. Einzig das Radio wirkt vertraut. Von hier kann der Schiffsführer alle Funktionen bedienen, die insgesamt drei Maschinen überwachen. Das Radar verrät die Position anderer Schiffe, ob sie Ladung an Bord haben und weitere technische Details. Wichtig, wenn im Havariefall die „Elbe“ zum Einsatz fährt.

Maximal drei Besatzungsmitglieder haben unter Deck Platz, jeder kann in einer eigenen Kajüte schlafen. Bett, Waschbecken, Leselampe – manches Hotelzimmer ist kaum größer. Die Einbauküche ist voll eingerichtet, im Kühlschrank findet auch Bier seinen Platz. „Natürlich dürfen wir nach Feierabend eines trinken“, erzählt Martin Haage, der seit mehr als zehn Jahren als Kapitän auf der Elbe fährt und zuvor als Matrose auf einem Schwimmgreifer arbeitete.

An der gestrigen Jungfernfahrt in der Prignitz nahmen Landrat Torsten Uhe und Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann teil. Auf dem Weg nach Lenzen informieren sie sich über die Einsatzmöglichkeiten des Schiffes, dessen Heimathafen Tangermünde ist.

Endgültig ausgedient hat der vielen Wittenbergern bekannte „Tümmler“. Das rund 115 Jahre alte Schiff fuhr einst als Dampfer, war dann jahrzehntelang als Arbeitsschiff in Wittenberge im Einsatz, zuletzt im Raum Magdeburg.


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