Bier aus Buchholz : Die Ein-Mann-Brauerei

Umtriebig: Rico Knorr betreibt neben dem Gasthaus auch ein Hotel samt Wellnessbereich, eine Bowlingbahn und einen Biergarten.
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Umtriebig: Rico Knorr betreibt neben dem Gasthaus auch ein Hotel samt Wellnessbereich, eine Bowlingbahn und einen Biergarten.

Rico Knorr betreibt in Buchholz den Prignitzer Hof – seit etwa einem Jahr stellt er sein eigenes Bier her

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18. August 2015, 08:00 Uhr

Wenn Rico Knorr in Buchholz in seinem Biergarten sitzt und auf das kühle Hopfengetränk in seiner Hand blickt, liegt in diesem Ausdruck mehr als nur der Gedanke an das Hauptverkaufsobjekt eines Wirtes. Das, was dort im Glas sprudelt, hat der Gastronom mit seinen eigenen Händen geschaffen. Vom Einkauf der Zutaten über die verschiedenen Gärungsprozesse bis zur Abfüllung und dem Verkauf begleitet Rico Knorr sein Produkt. Und kann das Lob der Gäste dann auch ruhig persönlich nehmen. „Wenn man etwas selbst erschaffen hat und das Bier dann auch noch gern getrunken wird, dann fühlt man sich schon gut“, erzählt der Inhaber des „Prignitzer Hofs“, während er über das Gelände führt.

In dem Gebäude im Pritzwalker Ortsteil Buchholz, direkt an der B  103 gelegen, laufen gleich mehrere Stränge von Gasthaustradition zusammen. Seit etwa 100 Jahren bergen die Mauern eine Gaststube. Nach der Wende kauften die Eltern von Rico Knorr das Areal und eröffneten hier ein Restaurant samt Hotel mit sieben Zimmern. „Ich habe dann meine Jugend hier verbracht und auch immer in der Küche geholfen“, erzählt der heutige Inhaber.

Kein Wunder also, dass eine Kochlehre in Rheinsberg, vier Jahre bei der Armee – natürlich auch in der Küche mit dem Dienstgrad Stabsunteroffizier – sowie eine Anstellung in einem Gourmetrestaurant in St. Moritz in der Schweiz folgten. „Da hatte man dann ein anderes Klientel, hat Hummer und Kaviar zubereitet. Aber das alles ist halt kein Schnitzel und auch nicht meins“, erzählt Knorr. Hinzu kam die Sehnsucht nach der Heimat. „Ich habe in den ersten Monaten dort etwa zehn Kilogramm abgenommen. Es war halt nicht das Zuhause“, erzählt er.

Und auch wenn er sich wohl damit arrangiert hätte, kam das Angebot aus eben jener Heimat gerade recht. „Mein Vater wollte das Geschäft dann aufgeben und nach einem Jahr überlegen habe ich zugesagt.“ Doch war eine „Dorfkneipe“ mit sieben Zimmern für ihn keine Ausgangslage. „Ich wollte neue Kunden ranholen, habe vieles modernisiert, alles auf drei Sterne zertifizieren lassen, 14 Hotelzimmer zusätzlich angebaut, einen Wellnessbereich eingerichtet sowie die Anlage um eine Bowlingbahn erweitert“, zählt er auf.

Mittlerweile sei das Hotel fast immer ausgebucht. „Wir haben viele Geschäftsreisende und Monteure, aber auch Dänen, Norweger oder Schweden, die auf der Durchreise sind“, erzählt er.

Und auch wenn durch dieses gebündelte Gesamtpaket von „Feiern, Bowling und Restaurant“ ein Alleinstellungsmerkmal existiert, war das dem 36-Jährigen noch nicht genug – ein selbstgebrautes Bier sollte her.

„Ich bin selbst Biertrinker und bei vielen kleineren Brauereien funktioniert es, also habe ich mehrere Seminare zum Bierbrauen besucht und einfach einen Kessel gekauft“, erzählt er. Vorangegangen waren dem noch mehrere Experimente in der heimischen Küche. „Man muss sich da ja auch erst reinfinden, Verschiedenes ausprobieren und die Rezepte und die Verhältnisse immer weiterentwickeln“, so der Neubrauer. 200 Liter fasst sein Kessel und bisher sei auch alles trinkbar gewesen. Doch ganz ohne professionelle Hilfe wollte er dann doch nicht starten.

„Ich habe den ehemaligen Braumeister der Preußen Pils Brauerei, Manfred Sprecht, um Tipps gebeten und mit ihm die Sachen verfeinert“, erzählt Knorr. Kein Wunder also, dass ein Bier auch einem Pritzwalker Original sehr ähnelt. Neben dem normalen „Hellen“ und einem„Hefeweizen“ gebe es auch ein rötliches Bier. „Damit wollten wir die Tradition des ,Wolfsblutes‘ wiederbeleben. Das ist etwas höherprozentig und war zu DDR-Zeiten eher ein Festbier“, so der Gastronom.

Jetzt – nach etwa einem Jahr des Brauens – sei er an dem Punkt, das Rezept so zu belassen. „Man stellt zwar immer weiter an den ,Schrauben‘, aber man merkt schon, dass es den Leuten schmeckt“, so Knorr.

Rund alle 14-Tage setzt der Jungbrauer nun einen neuen Kessel an – je nachdem, welche Sorte zur Neige geht. „Man merkt richtig, dass manche Leute nur zum Kosten des Biers kommen. Es gibt Webseiten über Kleinstbrauereien und dementsprechend sogar Biertouristen.“

Damit die Qualität weiterhin stimmt, will der 36-Jährige alles selbst in der Hand behalten. Und auch jetzt ist noch lange nicht Schluss. Eine Flaschenabfüllung ist zumindest angedacht. „Aber das ist immer auch ein hoher Zeit- und auch Kostenaufwand. Schon jetzt kommen manche Leute mit ihren eigenen Flaschen vorbei und denen zapfe ist dann was ab, aber man will sich ja auch immer weiterentwickeln“, so Knorr.

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