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Der Prignitzer

19. November 2017 | 19:08 Uhr

Eichenprozessionsspinner : Die Eichen sterben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Waldbesitzer schlagen Alarm: Bäume verkraften Kahlfraß durch Prozessinsspinner nicht

von
erstellt am 12.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Förster und Waldbesitzer schlagen Alarm: Falls der Eichenprozessionsspinner nur sporadisch oder gar nicht mehr bekämpft werden sollte, droht ein massives Eichensterben. Ihre Aussage bestätigt die brandenburgische Waldschutzexpertin Katrin Möller.

Die in diesem Jahr nicht flächendeckend durchgeführte Bekämpfungsaktion und die Bedenken des Bundesamtes für Naturschutz gegen den Einsatz des Biozids Dipel ES stoßen in der Prignitz auf Unverständnis: „Unsere Eichen sterben“, sagt Holger Galonska. Der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz und langjährige Oberförster kennt Gadows Wälder wie kaum ein zweiter. Am Ortsrand von Lanz zeigt er auf tote Eichenwipfel. Kahl ragen sie empor. Links vor ihm hängen einige wenige bunte Blätter an einer Eiche: „Vor vier Wochen war sie grün, in zwei Wochen wird sie kahl wie ihre benachbarten Schwestern sein“, sagt Galonska.

Wo einst das mächtige Blätterwerk der Eichen für Schatten sorgte, fällt jetzt reichlich Sonnenlicht. Das nutzt die Amerikanische Traubenkirsche. Sie schließt die Lücken und vermehrt sich. „Dabei vertreibt sie heimische Arten wie Buchen und Linden.“

Galonska kann die Diskussion um das Mittel Dipel ES nicht verstehen, das Eingrenzen der Bekämpfung nicht akzeptieren. Die kritischen Umweltschützer und Behörden richten langfristig einen Schaden an, der ihnen offenbar nicht bewusst ist, meint Galonska.

„Mit vielen Millionen Euro schützen wir unsere Alleen und jetzt sehen wir zu, wie eine Eiche nach der anderen entlang der Straßen stirbt“, sagt er. Naturschützer klagen an, dass Dipel ES auch andere Tiere töte. „Das stimmt“, sagt Galonska, „aber wenn die Eichen sterben, sterben noch viel mehr Arten, eine ganze Waldgesellschaft ist bedroht.“ Was in Lanz einzelne Bäume seien, seien im Gadower Forst zusammenhängende Bestände.

Galonska vertritt 180 Waldbesitzer in seiner Forstbetriebsgemeinschaft, die etwa 6000 Hektar Wald besitzen. 300 Festmeter totes Eichenholz haben sie geschlagen, „das doppelte bis dreifache steht noch im Wald“, so Galonska. Er fordert die Behörden auf, ihre kritische Haltung gegenüber Dipel ES zu überdenken, die Komplexität des Problems endlich zu erfassen. „Dabei rede ich noch nicht einmal von den Menschen, die durch die Raupen und ihre allergieauslösenden Haare in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden“, sagt Galonska. Die Naturschützer seien auf bestem Wege, Vertrauen zu verspielen, die Menschen gegen sich aufzubringen und dass in einer Region, die sich touristisch mit dem Naturschutz vermarktet.

Seine kritische Sicht untermauert Katrin Möller wissenschaftlich. Seit 26 Jahren arbeitet die Biologin am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde, eine Einrichtung der Landesregierung. Sie leitet die Abteilung Waldschutz und bestätigt: „Schon ein Kahlfraß zwei Jahre nacheinander stellt Eichen vor ein großes Problem.“ Das liege in ihrer Physiologie begründet. Das System der Wasserversorgung werde in jedem Jahr neu gebildet. Geschieht das nach einem Kahlfraß nur unzureichend, bekommt der Baum zu wenig Wasser, erklärt sie. Die Eichen verdursten selbst bei Dauerregen.

Seit 2008 kartiert ihre Behörde die Fraßschäden durch den Eichenprozessionsspinner. „Mittlerweile beobachten wir ein plötzliches Absterben in den Beständen.“ Diesen Zusammenhang haben auch ihre Kollegen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen festgestellt. „Das Thema ist mehrfach publiziert“, sagt sie.

Derzeit führe aus ihrer Expertensicht kein Weg am Mittel Dipel ES vorbei. „Dieses wirkt nur auf Schmetterlingsraupen, die während des Sprühens Blätter fressen. Es gibt kein Insektizid, welches noch weniger Arten betrifft. Dipel ES ist nicht sehr regenfest und nach vier bis fünf Tagen abgebaut“, fasst die Expertin zusammen.

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